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Boizenburg : „Es ist bereits fünf vor Zwölf“

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

HGV-Chef Marco Gilbrich will mit Gleichgesinnten gegen Gebäudeleerstand und für mehr Innenstadtbelebung kämpfen

von
erstellt am 28.Okt.2016 | 12:00 Uhr

Die toten Augen der Elbestadt werden immer mehr. Gesicht und Milieu der Innenstadt wurden seit der Wende stark umgekrempelt. Jetzt ist das lebendige Ambiente von der um sich greifenden Ödnis bedroht. Nicht nur durch Internet und Smartphone. Die unabhängig und abhängig zugleich machen. Es unterwirft die Nutzer seinen Regeln, verändert das Informations-, Konsum- und Freizeitverhalten nachhaltig. Dazu kommt das neue Einkaufen, rund um die Uhr. Waren können gesucht, verglichen und bestellt werden. Vom Sofa aus. Diese Vereinnahmung ist bei jungen Leuten längst ein Normalzustand. Verlierer sind die Geschäftsleute und kleinen Händler. Und in der Folge die Innenstadt. Bevölkerungsrückgang sorgt für den restlichen Todesstoß.

„Wir haben hier im Zentrum keinen Schlachter mehr und unter anderem nur noch einen Bäcker. Herrenbekleidung gibt es in der Stadt auch nicht mehr. In der Königsstraße als Einkaufsmeile steht fast die Hälfte aller Geschäfte bereits leer. In den Nebenstraßen sieht es ähnlich aus“, macht Marco Gilbrich im SVZ-Gespräch auf einen Trend aufmerksam, der, ihm Unbehagen, ja Angst bereite. Es gäbe zwar viele Pendler in Boizenburg, doch die seien nicht das Problem. „Wir haben hier große Defizite beim Erkennen von Potentialen der Stadt. Der Elbe-radweg geht an Boizenburg vorbei. Also müssen wir es lernen, über den Tourismus Geld zu verdienen“, erklärt der 45-Jährige, der seit letztem Jahr dem Handwerks- und Gewerbeverein Boizenburg e. V. vorsteht. Als Verbündeten gegen das weitere Sterben der Elbestadt haben sich die Handwerker und Unternehmer den Verein Haus & Grund gesucht. „Uns einen ähnliche Interessen, wenn es darum geht, unsere Stadt am Leben zu erhalten“, so der gebürtige Boizenburger weiter, der eine Zeit lang auch in Bayern gelebt hat. Sein Urteil: „Es ist bereits fünf vor Zwölf“.

Dann berichtet Gilbrich von einem Besuch in Dannenberg mit Bürgermeister Harald Jäschke und dem örtlichen Haus & Grund-Chef Jens Prötzig. „Dort hat man es über einen Förderverein geschafft, von den 48 bestehenden Geschäften, 47 wieder zu beleben, obwohl 22 von ihnen zwischenzeitlich leerstanden. Genau da wollen wir auch mal hinkommen.“ Deren Konzept sei in Teilen ja vielleicht auch für Boizenburg anwendbar.

„Unsere Stadtvertreter befassen sich bereits mit dem Thema. Wir hoffen, dass die Weichen positiv gestellt werden, so dass es ab 2017 vorwärts gehen kann“, sagt Gilbrich weiter gegenüber der Redaktion. Wieder mehr Leben in die Stadt zu bekommen, werde ein hartes Stück Arbeit, weiß er. Doch man wolle die Kommune unterstützen, miteinander reden und den Leerstand gemeinsam bekämpfen. Gilbrich: „Das Potential radelt nicht nur in der Hauptsaison täglich an uns vorbei. Laut ADAC sollen es pro Woche links und rechts der Elbe über 5000 Radfahrer sein.“

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