Vorsicht beim Waldspaziergang : Es gilt noch: „Augen auf im Wald!“

Das Sturmtief „Xavier“ hat der alten Eiche am Grünen Jäger einen großen Ast abgerissen.
Das Sturmtief „Xavier“ hat der alten Eiche am Grünen Jäger einen großen Ast abgerissen.

Immer noch ist Vorsicht beim Waldspaziergang angebracht – Sturmschäden belaufen sich auf ca. 10 000 Festmeter im Amt Neuhaus

svz.de von
08. November 2017, 05:00 Uhr

Auch die alte Eiche am Grünen Jäger bei Stapel hat Sturmtief „Xavier“ Anfang Oktober nicht verschont. Ein großer Ast ist aus der Krone des über 700 Jahre alten Baums gebrochen. „Unsere schöne Eiche hat sehr gelitten, die halbe Krone ist weggerissen, dabei hat dieser Baum schon sehr viel ausgehalten“, bedauert Dr. Uwe Barge, Leiter des niedersächsischen Forstamtes Göhrde und so auch zuständig für die Wälder im Amt Neuhaus. „Der Baum kann so aber noch viele Jahre weiterleben. Wir werden die abgebrochenen Teile nicht verwerten, sondern um den Baum drapieren, dann können so seltene Insekten wie der Hirschkäfer darin unterkommen.“

Die Schäden, die beiden Sturmtiefs „Xavier“ und „Herwart“ in den Wäldern angerichtet haben, sind immens, berichtet Dr. Uwe Barge: „Wir haben die schwersten Schäden in unserem Forstbereich im Amt Neuhaus und im östlichen Teil vom Bereich Lüchow-Dannenberg. Insgesamt ca. 20 000 Festmeter Holz, davon entfallen die Hälfte – also 10 000 Festmeter – auf das Amt Neuhaus. Man kann zum Vergleich unseren Jahreseinschlag heranziehen, der liegt bei 80 000 Festmetern Holz. Daran sieht man gut die Dimension, die ein so starker Sturm anrichten kann.“ Dabei haben die Stürme vor allem viele gesunde Bäume gefällt oder umgelegt, die noch gar nicht geschlagen werden sollten. In Geldwerten kann Dr. Uwe Barge den unfreiwilligen Einschlag durch die Stürme nicht beziffern: „Unsere Erntekosten bei der Beseitigung der Bäume sind annähernd doppelt so hoch wie bei einem normalen Einschlag, da die Bäume einzeln angefahren werden müssen.“
Ähnlich wie an den Straßen und auf Höfen hat es auch in den Wäldern viele Eichen getroffen: „Die Eichen hat es noch mit vollem Laub erwischt, da die Stürme so früh im Jahr waren. So konnten die Hebelkräfte des Sturmes die Bäume umwerfen und die durchweichten Böden boten keinen Halt mehr. Diese aufgeweichten Böden werden uns jetzt auch bei der Ernte große Schwierigkeiten machen“, befürchtet Dr. Uwe Barge. Natürlich habe es auch viele Kiefern und Fichten umgeworfen, besonders an den Stellen, wo zur durchgeforstet wurde und wo die Bestände noch labil sind, erklärt der Forstamtsleiter. Wie große Nester sind die Spuren des Sturms im Wald zu sehen, die Schäden sind dabei abhängig von den lokalen Spitzenwindgeschwindigkeiten gewesen.

Nach einer Kartierung und Bestandsaufnahme der Schäden durch die Mitarbeiter der Forst, wird nun ermittelt, welche Stellen zuerst beräumt werden müssen. „Windbruch geht vor Windwurf. Die Fichten müssen als erstes bis zum Frühjahr weg, sonst bekommen wir Probleme mit dem Borkenkäfer. Eiche und Kiefer können noch liegen bleiben und den Naturschutz wird es freuen, dass sehr viel Totholz zurückbleiben wird.“ Um die Fichten schnellst möglich beseitigen zu können, bekommen die Forstmitarbeiter Unterstützung von zertifizierten und spezialisierten Unternehmen aus Bayern und Südniedersachsen.

„Brennholz wird es in dieser Saison reichlich geben versichert Dr. Uwe Barge, „Auch wenn wir die hochwertigen Stämme natürlich verkaufen, „Ob das Brennholz billiger wird, kann ich noch nicht sagen. Auf jeden Fall wird es nicht teurer.“ Wer auf die Idee kommt, selbst Sturmschäden im Wald aufzusägen, sollte auf jeden Fall vorher beim Eigentümer, sprich der Landesforst, eine Genehmigung einholen. Bei einem Waldbesuch sollte jeder weiterhin vorsichtig sein. „Wir wollen niemanden aussperren, aber es gilt: Augen auf im Wald! Bleiben Sie auf den Wegen und passen Sie besonders bei überhängenden oder pendelnden Ästen in Baumkronen auf“, empfiehlt Dr. Uwe Barge.

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