Unvergessene Deutsche Teilung : Es gab einmal eine Grenze, die keiner vermisst...

Die Gesprächsrunde zur ehemaligen Grenze gestern im Zarrentiner Kloster.
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Die Gesprächsrunde zur ehemaligen Grenze gestern im Zarrentiner Kloster.

... und die dennoch nicht vergessen werden soll und darf /Erinnerung in der Grenzstadt Zarrentin

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09. November 2014, 22:28 Uhr

„Es war einmal eine Grenze...“, unter diesem Motto hatte der Landkreis gestern Nachmittag zu seinem Erinnern an die deutsche Teilung eingeladen. Die Klosterstadt Zarrentin war nicht ohne Grund als Ort ausgewählt worden. War doch die für Auswärtige gesperrte Stadt am Schaalsee gleich von mehreren Seiten von jener unmenschlichen Grenze umgeben, die Deutschland teilte. „Es war und ist ein großes Glück“, so drückte es Landrat Rolf Christiansen gestern auf die Frage aus, was er denn mit Blick auf den 9. November empfinde. Schon der Blick, den der Politiker bei seiner Rede auf den Schaalsee werfen konnte, war früher längst nicht allen vergönnt.

Die Frage, wie es an der Grenze war, wie man sie erlebt und ertragen hat, das wurde in einer ausführlichen Gesprächsrunde von denen besprochen, die mit Schutzstreifen und Grenzsignalzaun noch aus eigenem Erleben etwas anfangen konnten. Moderator Wolfram Pilz ließ dabei Heidemarie von Rautenkranz aus Darchau zu Wort kommen, die den Zaun praktisch hinter ihrem Haus hatte. Gefragt wurden aber auch Wolfgang Dingler aus Ratzeburg, Dr. Peter Mohr aus Schlagbrügge, früher Pächter in Mustin, und Kuno Karls, das lebende Geschichtslexikon Hagenows und inzwischen auch der ganzen Region. Vieles drehte sich um das schon vorgestellte Buch von Kuno Karls mit gleichem Namen. Nicht nur eine Fleißleistung , sondern eine solide Aufarbeitung der deutschen Trennung in unserer Region. Gerade der alte Kreis Ludwigslust ist durch seine besondere geografische Lage von diesem Thema berührt, war doch ein beachtlicher Teil des Kreisgebietes zugleich Grenzbereich.

Alltag im Schatten der Grenze, aber auch auf der anderen Seite, wo man sich die Zäune gerne wegsah, all das wurde in der Runde besprochen. Unaufgeregt, aber auch ohne die schlimmen Seiten zu vergessen.

Im voll besetzten Klostersaal saßen nicht nur Schwerins Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow, sondern auch viele andere Bürgermeister, Vertreter von Ämtern, aus dem Bereich Lüchow-Dannenberg und nicht zuletzt viele Kreistagsmitglieder. Die Erlebnisse zur Grenzöffnung selber spielten in der sehr nachdenklichen Gesprächsrunde nur eine untergeordnete Rolle. Viel wichtiger war, wie der Alltag des Grenzregimes die Menschen beeinflusst hat. Dass all das auch über den gestrigen Tag hinaus nicht vergessen wird, ist durch das sehr umfassende Buch von Kuno Karls und seinen vielen Mitstreitern gesichert. Und das ist schon ein wichtiges Ergebnis am 25. Jahrestag.

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