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Haar : Es fehlen nur 70 Meter: Kein kostenloses Busticket für Schüler

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Einige Schüler aus Haar müssen für ihre Busfahrkarte zahlen. Fachdienst für Schule und Kultur hält seine Entscheidung für richtig

svz.de von
erstellt am 31.Aug.2017 | 05:00 Uhr

„Nicht schon wieder“, denkt sich Jana Mikowski, als sie vor gut zwei Wochen einen Brief aus Lüneburg in der Hand hält. Der Fachdienst Schule und Kultur teilt ihr mit, dass ihre Tochter Lena zu Schuljahresbeginn keine kostenlose Busfahrkarte mehr für den Schulbus nach Neuhaus bekommen wird. Lena käme nun in die 7. Klasse und unterschreite die Mindestgrenze beim Schulweg von vier Kilometern, heißt es in dem Schreiben. Bereits im Sommer 2013 hatte Familie Mikowski einen solchen Brief erhalten, damals ging es um ihre ältere Tochter und – wie jetzt auch – um weitere Familien in Haar. Die Eltern hatten im Hinblick auf die damalige Entscheidung beim Schulamt protestiert, Unterschriften gesammelt und sich an die Presse gewandt. Nach einigen Tagen revidierte der Fachdienst Schule und Kultur seine Entscheidung und die Schülerkarten wurden ausgestellt.

Gestaffelte Entfernungsgrenzen

„Das ist doch nicht zu verstehen, dass das jetzt schon wieder los geht“, ärgert sich Jana Mikowski, „Unsere Kinder müssen doch sicher, heil und trocken in der Schule angekommen. Das ist doch das Wichtigste.“ Für die kostenlose Schülerbeförderung gibt es gestaffelte Entfernungsgrenzen, die der Kreistag in Lüneburg festgesetzt hat. Zwei Kilometer für Grundschüler, drei Kilometer für die 5. und 6. Klassen und vier Kilometer ab der 7. Klasse. „Wir haben gemessen und die Entfernung von zu Hause bis zur Schule beträgt 3,93 km. Das ist doch reine Schikane!“, empört sich Jana Mikowski, die einen bösen Brief an das Schulamt geschrieben hat. Dabei geht es ihr und den anderen betroffenen Eltern vor allem darum, dass der Weg mit dem Fahrrad zur Schule von Haar aus keineswegs sicher ist: „ Niemand kann nachvollziehen, wie Sie es verantworten wollen, minderjährige Kinder über eine Bundesstraße selbstständig den Schulweg antreten zu lassen. Ist Ihnen bewusst, dass die Straße ohne eine Fußgängerampel überquert werden muss sowie, dass keine ausreichende Straßenbeleuchtung vorhanden ist? Außerdem ist diese Straße stets durch den Fährverkehr stark befahren.“

„Es geht ja auch um die Gleichbehandlung“

Hartmut Thielert, stellvertretender Fachdienstleiter für Schule und Kultur des Landkreises Lüneburg, begründet in einem Gespräch mit SVZ die Entscheidung seiner Dienststelle: „3,93 km ist eindeutig unter der Grenze. Da gibt es keinen Handlungsspielraum für uns. Es geht ja auch um Gleichbehandlung. Bei zwei bis zehn Metern sind wir kulant, aber so würden wir einen Präzedenzfall schaffen und das geht nicht. Da hat die Familie leider Pech gehabt.“ Gemessen wird der Weg mit einem geeichten Gerät für die Schülerbeförderung, erklärt Hartmut Thielert. Das System sei sehr genau, setzt er hinzu.

Auch das Argument, dass der Schulweg mit dem Fahrrad nicht sicher sei, lässt er nicht gelten. „Dieser Weg wurde auf Sicherheit hin von der Polizei und dem Straßenverkehrsamt überprüft und als nicht gefährlicher als woanders auch eingestuft. Es gibt keine 100-prozentige Sicherheit, gerade im ländlichen Raum. Auf der Straße ist es immer gefährlich und die Wahrnehmung, was ich gefährlich finde, ist immer subjektiv. Passieren kann immer etwas. Wenn jetzt eine Bundesstraße ohne Radweg über eine längere Strecke befahren werden müsste, dann würden wir das als gefährlich einstufen. Aber dieser Weg ist für Schüler eindeutig machbar.“ Natürlich werde der Fachdienst für Schule Kultur auf den Brief von Familie Mikowski antworten. Handlungsspielraum anders zu entscheiden, sieht Hartmut Thielert nicht: „Wir können in diesem Fall keine Zugeständnisse machen. Schließlich geht es um Gleichbehandlung und die gerechte Verwendung von Steuergeldern. Die Familie kann aber direkt beim Verwaltungsgericht in Lüneburg eine Klage gegen den Bescheid einreichen.“

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