Elternfachtagung in Hagenow : Erziehung aus dem Bauch heraus

Das erste Mal referierte Thomas Rupf auf der Elternfachtagung in Hagenow. Wenn es nach den Gästen geht, könnte er öfter kommen.
Das erste Mal referierte Thomas Rupf auf der Elternfachtagung in Hagenow. Wenn es nach den Gästen geht, könnte er öfter kommen.

Thomas Rupf hält nicht viel von theoretischen Erziehungsansätzen - auf Tagung in Hagenow begeistert er Zuhörer mit Plädoyer für authentische Eltern

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02. Februar 2014, 18:07 Uhr

Supermarktkasse. Daneben das Nasch-Regal. Das Kind bittet. Die Mutter sagt nein. Das Kind quengelt. Die Mutter bleibt dabei. Das Kind schreit, wirft sich auf den Boden. Die Verkäuferin reckt den Hals, andere Wartende schauen zur Mutter. Die rollt mit den Augen. Was tun? Nachgeben? Damit Ruhe ist?

Als Pädagoge Thomas Rupf die Szene schildert, wird es unruhig im Keller des Freizeithauses. Fünfzig Eltern sitzen in seinem Workshop „Machtkämpfe mit Kindern“ - es ist eine von drei Arbeitsgruppen der diesjährigen Elternfachtagung. Die Supermarktszene ist ein Klassiker. Viele haben sie selbst erlebt. Aber wohl kaum einer hat so reagiert, wie es Rupf machen würde. Denn in dem Fall sei es oft das Umfeld, das die Eltern falsch reagieren lässt. Menschen, die peinlich berührt weggucken oder genervt auf die Mutter einreden. Rupf würde ihnen zurufen:„Treten Sie näher meine Damen und Herren. Erleben Sie jetzt und hier live die Machtkämpfe zwischen Eltern und Kindern. Die Show ist eröffnet.“

Durchhalten, aushalten, konsequent bleiben. Das will der studierte Diplompädagoge den Eltern für den Umgang mit ihren Kindern in den nächsten anderthalb Stunden mitgeben. „Konflikte, Aggressionen, Wutausbrüche sind in gewissem Maße völlig normal und gesund“, sagt er. Entscheidend sei, wie Eltern damit umgehen. Wie sie es schaffen, Grenzen zu setzen, ausgesprochene Konsequenzen am Ende auch umzusetzen. Da könne es auch schon mal passieren, dass ein Kind im Schlafanzug zur Kita gebracht wird. Wenn es sich nach dreimaliger Ermahnung nicht anzieht. Eine Zuhörerin im Workshop hat genau das erlebt. „In der Kita hat man uns sehr verwundert empfangen“, erzählt sie. „Aber danach hatten wir zuhause früh nie wieder Probleme mit Bummeleien.“ Das Bauchgefühl zählt, sagt Rupf. Eltern müssten authentisch bleiben und das umsetzen, was sie sagen. „Sonst haben sie gegen ihre Kinder verloren.“

Rupf war das erste Mal bei der Elternfachtagung in Hagenow. Überrascht ist er, dass sich am Sonnabend so viele Mütter und auch Väter Zeit für die Workshops nehmen. Mehr als 70 Zuhörer haben sich dieses Jahr angemeldet. So viele wie noch nie. „Ich bin überzeugt, es würden noch mehr kommen“, sagt die Mutter Hanna Prause aus Hoort, die nur zufällig über eine Bekannte von dem Angebot erfahren hatte. Die junge Mutter wünscht sich mehr Werbe-Flyer und Plakate in den Kitas. Und mehr Zeit für die Seminare. Denn von den drei angebotenen Arbeitsgruppen „Feng Shui“, „Erste Hilfe für Kleinkinder“ und „Machtkämpfe“ mussten sich die Eltern am Sonnabend aus Zeitgründen für zwei entscheiden.

Auch nächstes Jahr wird es wieder eine Eltern-Fachtagung geben. Freizeithausleiterin Simone Förster bemüht sich jedes Mal um neue Referenten zu neuen Themen. Thomas Rupf war schon lange ihr Wunschkandidat. „Wir hatten Glück, dass er kam“, sagt Simone Förster. „Er wird nämlich in den nächsten Tagen Vater. Zum fünften Mal.“ Kinder sind eben was Wunderbares.






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