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Erntefeste : Erntefesten geht bald die Puste aus

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Viele Dörfer wollen an lieb gewordener Tradition festhalten, doch allmählich finden sich auf dem Land immer weniger freiwillige Helfer.

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erstellt am 26.Aug.2017 | 16:00 Uhr

Erntefeste als bedrohte Art: „Wir müssen unsere Erntekrone vom letzten Jahr entstauben, um sie für unser diesjähriges Fest zu verwenden, denn eine neue können wir mangels Helfer nicht binden“, macht Detlef Westphalen auf ein Dilemma aufmerksam, das sich schleichend durch die Lande zieht und den traditionellen Veranstaltungen auf ganz unrühmliche Art und Weise die Krone aufsetzt. Denn der demografische Wandel lichtet zunehmend die Reihen der freiwilligen, einstigen Helfer. „Wenn das so weiter geht, sind Erntefeste womöglich bald Auslaufmodelle“, befürchtet der 73-Jährige, der seit 1995 in Rodenwalde lebt. „Viele einstige Helfer können nicht oder sind nicht mehr bereit, mit anzupacken. Daher suchen wir dringend jüngere Anwohner, die bei der Gestaltung und bei der Dekorierung helfen. Ausreden mit Berufstätigkeit, mangelnder Zeit und Erfahrung sowie Unkenntnis gelten nicht, denn abends Party machen und nicht helfen, das geht überhaupt nicht“, betont der gebürtige Hamburger, der sich seit etwa 13 Jahren auch als Gemeindevertreter für das Gemeinwohl und den Zusammenhalt engagiert.

Albertinenhof, Goldenbow, Marsow und Rodenwalde feierten bisher immer reihum das Erntefest. Da Rodenwalde keinen Festplatz mehr hat, gibt es dieses Jahr „Danz up de Deel“. Soll heißen: Dank der Milchhof Rodenwalde KG mit ihrem Geschäftsführer Hans-Peter Greve haben die Rodenwalder dieses Jahr am dritten Wochenende im September eine Scheune zum Feiern.

„Wir versuchen die Tradition hochzuhalten“, sagt Kuhstorfs Bürgermeisterin Annelies Ehm auf SVZ-Nachfrage. „Dank unseres Festkommitees und der Dorffrauen stand das Erntefest bisher nie auf der Kippe und konnte jedes Jahr veranstaltet werden. Der Umzug findet jedoch nur noch alle zwei Jahre statt, denn der Aufwand ist groß“, so die Ehrenamtliche, die seit 45 Jahren im Ort lebt. Sie verrät: Auch die Kuhstorfer werden wohl 2017 die im letzten Jahr gebundene Krone wieder verwenden. „Das hat jedoch nichts mit dem Mangel an Helfern zu tun, sondern ist der schlechten Qualität des Getreides in diesem Jahr geschuldet.“

Das Ausrichten des Erntefestes in der Gemeinde Wittendörp sei von Dorf zu Dorf unterschiedlich, weiß Bürgermeister Bernd Ankele gegenüber der Lokalredaktion zu berichten. „Die alten Junggebliebenen sichern das meistens noch ab. Es ist aber eine Frage der Zeit, wie lange noch. In vielen Orten der Gemeinde wird schon auf Erntefeste verzichtet“, sagt Ankele und verweist auf Pogreß, wo das ganze Dorf geschlossen hinter dem Erntefest stehe.

Es wäre schade, wenn die Tradition des Erntefestes auf dem Dorf stürbe, fügt der Ehrenamtliche hinzu.  „Es wird immer schwieriger, Erntefeste abzusichern. Der Aufwand schreckt viele ab“, sagt Heike Lippardt, zuständig für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Amt Zarrentin.

Das deckt sich auch mit den Erfahrungen des Landes Mecklenburg-Vorpommern, das händeringend eine Gemeinde für 2018 sucht, die das Landeserntefest zünftig auszustatten, bereit ist. Im Amt Hagenow Land habe sich bisher dafür noch niemand bereiterklärt, hieß es dazu auf der jüngsten Gemeindevertretersitzung in Picher. Nun sollen und müssen die zuständigen Bürgermeister in ihren Orten auf Freiwilligensuche gehen.

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