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Hagenower Kreisblatt

15. Dezember 2017 | 17:02 Uhr

Kuhlenfeld : Erinnerungen ans schöne Breslau

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Gertrud Tettenborn feiert dieser Tage ihren 107. Geburtstag / Älteste Bewohnerin des Landkreises / Lebt bei Tochter in Kuhlenfeld

von
erstellt am 18.Sep.2014 | 16:39 Uhr

Wenn Gertrud Tettenborn an ihren Geburtsort denkt, gerät sie ins Schwärmen. Die Dame aus Kuhlenfeld ist dieser Tage 107 Jahre alt geworden und hatte im ersten Drittel ihres Lebens in Breslau gewohnt.

„Es war sehr gemütlich und hübsch in Breslau, es hat jedem dort gefallen“, sagt die Seniorin, die nach Angaben des Landkreises der älteste Bürger im Landkreis ist. Sie habe dort als Schneiderin bei einer kleinen Privatfirma gearbeitet und für die Leute beispielsweise Kleider genäht.

„Meine ganze Familie war in Breslau, eine meiner Schwestern hatte ihre Wohnung nur wenige Straße von unserer entfernt“, erzählt die Jubiliarin. Bis 1939 verbringt sie eine glückliche Zeit in der polnischen Großstadt - fast jeden Sonntag besuchen die Cousins die Wohnung der Eltern und den insgesamt vier Geschwistern. Mit ihrer Mutter geht sie auch des Öfteren in Breslau spazieren – z. B. in der schönen Promenade in Richtung einstigem oder entlang der Universität.

„Zu der Zeit gab es viele Studenten in der Stadt“, erinnert sich die 107-Jährige. Sie schildert einen Spruch bei einem Denkmal „Die Studenten, die losen/ die borgten mir Badehosen/ die Feuerwehr hat sie mir abgemacht / jetzt steht er wieder stapelnackt“. Und sie erinnert sich an eine weitere Begebenheit: Ihre Schwester und sie haben eines Abends laut gesungen, so dass durchs offene Fenster nach draußen drang. „Sie haben zwar schöne Stimmen, aber jetzt ist Nachtruh“, erzählt Getrud Tettenborn von dem Polizist, der plötzlich vor ihnen stand und sie ermahnte. Schließlich lernt Gertrud ihren künftigen Ehemann kennen, bringt 1936 ihre älteste Tochter Eva-Maria zur Welt, 1940 die zweite und 1943 einen Sohn. Ihr Ehemann ist zu dieser Zeit schon im Kriegsdienst, Gertrud Tettenborn kümmert sich um ihre Kinder. „Ab 1940 oder ’41 gab es viele Flieger-Angriffe, da waren wir sehr oft im Luftschutzbunker“, erinnert sich Tochter Eva-Marie. Im Januar 1945, als die russischen Truppen bereits Richtung Breslau vorstießen, verließen Gertrud Tettenborn und ihre Kinder, ihre Schwestern sowie die Oma und deren Schwester in allerletzter Minute die Stadt.

„Wir konnten nur das Nötigste mitnehmen“, sagt die Seniorin zu dem Leiterwagen, der mit Kissen und wenigen Sachen vollgepackt war. Zunächst kamen sie bei Verwandten in einer Kleinstadt im Isergebirge unter. Als auch hier die Front immer näher rückte, flohen sie, kamen schließlich bei einer Familie in Usti, im Sudetengau unter. Im Mai 1945, mit der Kapitulation von Deutschland, verlassen sie auch diesen Ort und schaffen es bis nach Görlitz. Auf ihren Wegen machen sie Halt in verlassenen Bauernhöfen oder in Kirchen, sehen dabei u.a. auch Kriegsleichen. „In Görlitz haben wir eine Unterkunft in einem nicht mehr bewohnten Haus bezogen“, erinnert sich die Tochter. Eine Zeit, in der es kaum Nahrung gab und die Großfamilie keine Lebensmittelkarten erhielt. Die Mutter und ihre Schwestern gehen in der Zeit zu verlassenen Häusern – immer auf der Suche nach Lebensmitteln. „Da hat man keine Angst, da geht es ums Überleben“, schildert Tochter Eva-Maria, die sich an vieles noch sehr genau erinnert. Sie ziehen auch von Görlitz fort, gelangen auf einem Viehwagen nach Neu Jabel. Hier kommen sie zunächst bei Bauern unter. Einige Jahre später – der Ehemann ist aus der französischen Gefangenschaft zurück – beziehen sie die frei gewordenen Zimmer im Neu Jabeler Schulgebäude. Gertrud Tettenborn ist nun wieder als Schneiderin tätig, geht zu den Auftraggebern und übernachtet dort teilweise auch wegen des langen Rückweges. „Oft wurde noch in Naturalien und wenig mit Geld gezahlt“, sagt Tochter Eva-Maria, die damals u.a. Kartoffel stoppeln gegangen ist.

Den kompletten Beitrag finden Sie im e-paper Programm unserer Zeitung und natürlich in der Printausgabe am Freitag.

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