Boizenburg : Erdgas aus der eigenen Leitung

Glänzend ragten die letzten Meter der eigenen Leitung von den Versorgungsbetriebe/Elbe aus der Erde. Ab Oktober dieses Jahres soll durch sie Erdgas fließen, sagen Joachim Schöttler und Holger Grütz (l.).
Glänzend ragten die letzten Meter der eigenen Leitung von den Versorgungsbetriebe/Elbe aus der Erde. Ab Oktober dieses Jahres soll durch sie Erdgas fließen, sagen Joachim Schöttler und Holger Grütz (l.).

Ehrgeiziges Projekt: Versorgungsbetriebe/Elbe docken sich für 3,2 Millionen Euro bei Horst an die große Trasse an und sparen Mietkosten

svz.de von
07. März 2014, 09:47 Uhr

Die Versorgungsbetriebe/Elbe beenden in diesem Jahr ihr bislang wohl ehrgeizigstes Projekt. Sie suchten und fanden ihren eigenen Anschluss an die nordeuropäische Erdgasleitung (NEL). Dafür investieren sie 3,2 Millionen Euro. So alles nach Plan verläuft, ziehen sie ab Oktober diesen Jahres das Erdgas aus der NEL, um es an rund 10 000 Zähler im Boizenburger und Lauenburger Raum zu verteilen.

„Das ist sicherlich eine hohe Summe, die aber auch richtig gut angelegt ist“, kommentierte Joachim Schöttler diesen Betrag. In diesem Zusammenhang erinnerte der Geschäftsführer daran, dass die Versorgungsbetriebe im Vorjahr dagegen „lediglich“ um die zwei Millionen Euro in die Hand nahmen, um den Zustand des Leitungsnetzes zu erhalten und – wo möglich – noch zu verbessern. Nun packten sie so zu sagen noch eine Schippe drauf. „Mit der eigenen Leitung investieren wir in die Zukunft“, erklärte Joachim Schöttler. Er rechnet mit einer recht zügigen Amortisationszeit. Nach sechs Jahren sei das in dieses Projekt gebundene Kapital zurückgeflossen. Die Kunden würden das spüren, konkret am Gaspreis. Egal, ob das Versorgungsunternehmen auf dem virtuellen Handelsplatz das russische Gas zum Beispiel von Russland selbst, Italien oder Tschechien kauft, das ist immer eine Frage des Angebotes, es spart auf jeden Fall an der Durchleitungsmiete. Nach Abschluss der Bauarbeiten an der B5 in Höhe Horst entfällt die Mitteldruckstufe, denn es entsteht auch eine Gasdruckregelstation.

Wie Holger Grütz erläuterte, würde das Erdgas mit 100 bar durch die gewaltigen Rohre der NEL schießen und für den weiteren Transport durch die eigene Leitung der Versorger auf 16 bar gedrosselt. Der Leiter der Gas- und Wasserverteilung sagte weiter, dass vor den Zählern eine Art Ortsstation ihrerseits erneut auf die „Bremse“ treten und das Gas so mit einem Druck von 50 Millibar (mbar) den privaten und gewerblichen Kunden zur Verfügung steht. Etwa 350 Millionen Kilowattstunden (kWh) braucht es jährlich für die 10 000 Zähler der Versorgungsbetriebe.

Die Idee, mit dem Wegfall einer Miete, den Gaspreis halten zu können und dabei eine spätere mögliche Senkung in den Fokus zu nehmen, hatte zähe Gespräche und Verhandlungen zur Folge. Immerhin musste jemand etwas von seinem Kuchen abgeben. Zielstrebige Hartnäckigkeit führte zum erhofften Erfolg.

18 Monate dauerten die Planungen. Ende 2013 richtete mit der Friedrich Vorwerk KG - GmbH & Co aus Tostedt ein Rohrleitungs- und Pipelinebauer, der schon bei der NEL mitarbeitete, die Baustelle an der B5 ein. Die Stahlrohre sind verlegt. Stattliche 70 Tonnen brachten sie auf die Waage. Auf einer Länge von 1750 Meter kamen sie 1,20 Meter tief unter die Erdoberfläche. Der wieder geschlossene Graben begann an der Elbe und endet bei Horst.

Diesseits des Stroms begegnen sich so zwei besondere Baustellen, die, abgesehen von den gewaltigen Unterschieden bezüglich ihrer Ausmaße, einige Gemeinsamkeiten verbindet. Gemeint sind zwei Trassen, durch die Erdgas fließt, welches die Region um Boizenburg und Lauenburg auf den letzten Metern bald durch eine eigene Leitung erreicht.

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