Top-Thema auf Neujahrsempfang in Ludwigslust : "Energiewüsten" im Landkreis

Sektrunde zum noch neuen Jahr mit Landrat Rolf Christiansen, Prof. Dr. Peter Adolphi, Ludwigslusts Bürgermeister Reinhard Mach und Kreistagspräsidentin Gisela Schwarz. (v.li.)
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Sektrunde zum noch neuen Jahr mit Landrat Rolf Christiansen, Prof. Dr. Peter Adolphi, Ludwigslusts Bürgermeister Reinhard Mach und Kreistagspräsidentin Gisela Schwarz. (v.li.)

Im bevölkerungsgeringen Landkreis Ludwigslust-Parchim sei schon jetzt die Gefahr groß, dass es im Zuge der Energiewende nur Wind- und Solarwüsten gäbe. Die Effekte der Energiewende gingen so an der Bevölkerung vorbei.

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28. Januar 2013, 09:37 Uhr

Ludwigslust | Die nicht unberechtigten Klagen des Landrates zur Finanzausstattung des Kreises, seine Forderungen an das Land und seine Botschaft, dass man in Sachen Kreisfusion eigentlich auf gutem Weg sei, diese für einen Empfang erwartbare Botschaften fielen am Sonnabend nur sehr knapp aus.

Viel ausführlicher und umfassender wurde dagegen die Energiewende in gleich zwei Podiumsrunden, zusätzlich von zwei Vorträgen umrahmt, besprochen. "Die Menschen in der Region müssen von der Energiewende direkt profitierten", "Verschenkt eure Grundstücke nicht planlos an irgendwelche Anbieter", "Lasst die Region nicht zur Energiewüste verkommen", waren nur einige Stichworte. Prof. Dr. Peter Adolphi von der Akademie für nachhaltige Entwicklung MV öffnete dabei allen die Augen. Die Aufgabe sei gewaltig, die Zeit zum Reagieren sehr knapp und vieles schon falsch gelaufen. Der Landkreis mit seiner geringen Bevölkerung sei geradezu ideal als Schauplatz der regionalen Energiewende. Doch man dürfe die Bevölkerung auch nicht überfordern. Einen Zuwachs bei den neuen Energien von zehn hoch sechs halte niemand aus. Schon jetzt sei die Gefahr groß, dass es Maiswüsten, Windwüsten und Solarwüsten gäbe und dass die Effekte an der Bevölkerung vorbei gingen. Erneuerbare Energien mit großen Anbietern im Hintergrund seien nicht die Lösung. Es komme darauf an, die Energiewende mit den Menschen zusammen dezentral und zum spürbaren Vorteil der Bevölkerung zu organisieren. Wie das gehen könnte, berichtete z. B. Zarrentins Amtsvorsteher Marko Schilling aus seinem Bereich. Nach langen Zeiten der Planung und ersten Erfolgen bei den Bio-Energiedörfern komme man nun z. B. bei der Regulierung für öffentliche Gebäude in die Umsetzungsphase. Die Einspareffekt wären hoch.

Dazwischen gab es die von der NDR-Hörfunkmitarbeiterin Birgit Schröder moderierten Runden. Vor allem Landrat Rolf Christiansen fiel durch Entschlossenheit auf. So werde die regionale Planung z. B. bei den Windeignungsgebieten zügig aber nicht hektisch vorgehen. Erst müssten die Grundlagen geschaffen werden, bevor man über konkrete Flächen reden könne. Die Sparkassen, immerhin Mitausrichter des Empfangs, empfahlen sich bei allen Energievorhaben als "geborene Partner" bei der Finanzierung, während Wemag-Vorstand Thomas Pätzold auf den hohen Ökostromanteil verwies, den sein Unternehmen schon jetzt anbiete. Fazit der Runde: Noch sei es nicht zu spät, die unausweichliche Änderung der Energieversorgung mit den Menschen der Region zusammen zu organisieren, doch die kommenden Jahre seien entscheidend, dass das gelinge.

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