Hagenow : Ende der Talfahrt für die Bibliothek

<strong>Sortieren im Altbestand:</strong> Bibliothekar Alexander Schippel unterstützt seit Januar das Team.
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Sortieren im Altbestand: Bibliothekar Alexander Schippel unterstützt seit Januar das Team.

Die Bibliothek im Aufschwung: Nach jahrelanger Talfahrt ist die Ausleihe in der Hagenower Bibliothek wieder um 14 Prozent gestiegen. Die neue Leiterin Leiterin Claudia Kaltenbach sieht noch mehr Potenzial.

svz.de von
23. Januar 2013, 10:11 Uhr

Hagenow | Die Bibliothek im Aufschwung: Nachdem es in Hagenow jahrelang bergab ging, klettern die Ausleihzahlen wieder nach oben. Um 14 Prozent in 2012. Leichter Aufwärtstrend auch bei den Kunden - mit 1463 fünf Prozent mehr. Eine Entwicklung, die mit den neuen Öffnungszeiten seit Januar und vielen Ideen noch mehr Luft nach oben hat. Da ist sich Leiterin Claudia Kaltenbach sicher. Denn: "Es ist nicht so, dass kein Interesse an der Bibliothek da ist. Es muss nur der Zugang geschaffen werden."

Um das Image weiter aufzupolieren, sind schon erste Schritte getan. Nach einer Umfrage 2011, die Hagenower Schüler auf dem Marktplatz durchgeführt haben, stand fest: Ein großes Schild an der Bibliothek muss her, damit sie jeder als solche erkennt. Denn viele Befragte wussten zwar, dass es eine Bibo in Hagenow gibt. Nur wo, konnten sie nicht sagen. Geld dafür ist allerdings noch nicht in den Haushalt der Stadt eingestellt. Auch in Sachen Wohlfühlfaktor muss mehr passieren. Eine gemütliche Leseecke oder ein Lesecafé etwa. Schön ausgeleuchtet, mit bequemen Sesseln, "wo man man stöbern und verweilen möchte". Ein Ziel, das Claudia Kaltenbach noch in diesem Jahr umsetzen möchte.

Eines hat die Umfrage noch gezeigt: Es gab gute Noten für die Bibliothek, trotzdem sind die Kunden weniger geworden. Vor allem die Jugendlichen über 18. Um das zu ändern, wurden bereits die DVD-Gebühren um zwei Drittel gesenkt, ihre Leihfrist auf eine Woche verlängert und die Partnerkarte eingeführt. Das große Interesse an neuen Medien bestätigt sich. Mit der Änderung im September 2012 schnellen die Zahlen nach oben. Die neue Familienkarte soll nun die Jugend halten und anlocken. Heißt, Kunden ab 18 Jahren müssten nicht mehr zehn Euro im Jahr bezahlen. Stattdessen die ganze Familie nur 15 Euro. Der Kulturausschuss der Stadt hat schon sein Ok dafür gegeben.

Die Preise sinken also. Von Verlust möchte Claudia Kaltenbach aber nicht sprechen. "Wir können nur gewinnen", sagt sie. An gutem Ruf und Familien. Einen erheblichen Beitrag sollen die neuen Öffnungszeiten leisten. Vier Tage hatte die Bibliothek bislang auf. Zum Teil nur bis 16 Uhr. Jetzt ist am Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 11 bis 18 Uhr geöffnet, am Mittwoch von 10 bis 12 Uhr. Und zusätzlich jeden ersten Sonnabend im Monat von 10 bis 12 Uhr. Genau der richtige Schritt als familienfreundliche Kommune, so die Leiterin. Sie hofft, dass vor allem der Sonnabend Eltern mit ihren Kindern zum gemütlichen Stöbern anlockt. Wenn es gut anläuft, könnte sie sich auch vorstellen, an mehr Samstagen im Monat zu öffnen.

Personell ist sie dafür seit Januar 2013 gut aufgestellt. Lange waren sie nur zu viert. Jetzt unterstützt Bibliothekar Alexander Schippel das Team.

Finanziell laufe es dagegen nicht immer optimal. Mit etwa 25 000 Euro Etat pro Jahr muss Claudia Kaltenbach arbeiten. Tendenz sinkend in den letzten Jahren. Aber: "Ohne das Geld geht es nicht", sagt sie. Mittel vom Land seien möglich. Dafür müssten aber entsprechende Vorgaben erfüllt werden. Zum Beispiel ein gutes Verhältnis von Neu- und Altbestand. Mehr als 4000 ausgediente Exemplare sortieren sie gerade aus. Etliche Neue müssen immer wieder dazukommen. Und das ist wichtig. Denn "Altes steht, Neues geht". Der meiste Umsatz ist mit Büchern aus 2012 gemacht worden.

Was gefragt ist, schnappt die Chefin an der Theke oder bei Gesprächen zwischen den Bücherregalen auf. Sie mischt überall mit. Bei Lesungen in Krippe und Kindergarten, bei Recherchetrainings und Lesefieber-Aktionen im Gymnasium, bei Veranstaltungen mit Senioren und Tests mit E-Book-Reader. Ohne Überstunden gehe es nicht während der Aufbauarbeit. Aber da sei sie nicht die Einzige in Hagenow. Claudia Kaltenbach ist motiviert. Mit ihrem Gespür hatte sie bislang in jeder Bibo Erfolg. "Und man will das einfach immer wieder schaffen."

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