Paul-Spiegel-Preis für Lübtheen : Emotionen hinterm Demokratie-Preis

<strong>Der Paul-Spiegel-Preis spornt</strong> die Lübtheener an, vor Ort weiter für Demokratie und gegen Rechts zu kämpfen. <foto>privat</foto>
Der Paul-Spiegel-Preis spornt die Lübtheener an, vor Ort weiter für Demokratie und gegen Rechts zu kämpfen. privat

Die Lübtheener machten sich gestern zurück auf den Weg nach Hause. Im Gepäck den Paul-Spiegel-Preis für Zivilcourage - für ihre Demokratie-Initiative "Wir für Lübtheen". Der Preis ist mit 5000 Euro dotiert.

svz.de von
18. Januar 2013, 11:19 Uhr

Lübtheen/Düsseldorf | Tief beeindruckt und gestärkt machen sich die Lübtheener gestern zurück auf den Weg nach Hause. Im Gepäck den Paul-Spiegel-Preis für Zivilcourage, der ihnen am Abend zuvor in Düsseldorf überreicht worden ist - für ihre Demokratie-Initiative "Wir für Lübtheen", die seit Jahren gegen den Rechtsextremismus in der Region kämpft. Der Preis des Zentralrates der Juden ist mit 5000 Euro dotiert.

"Wir fühlen uns geehrt", sagt Bürgermeisterin Ute Lindenau, die eines von 30 Mitgliedern der Initiative ist. "Für uns ist das jetzt neuer Ansporn, weiterzumachen." Viele bewegende Momente habe sie in Düsseldorf erlebt, und Interviews mit großen Fernsehsendern geführt. Die Aufregung davor sei jetzt gewichen. Und zwar einem Gefühl zwischen Stolz und einer Art Verpflichtung. Denn sie wollen weiter klare Zeichen gegen Rassismus setzen. Gemeinsam. Und dass sie dabei nicht alleine sind, habe die Preisverleihung gezeigt, so Andreas Cordt, Schulleiter in Lübtheen und Mitglied im Bündnis. Auch deshalb kommt er motiviert zurück. Es sei weiter wichtig, dass sie alle zusammenhalten.

Dass sie als kleine Initiative überhaupt für diesen großen Preis berücksichtigt wurden, damit hätte Bürgervorsteher und Mitglied Thomas Pietz nie gerechnet. "Das ist gigantisch", beschreibt er das Gefühl nach der Verleihung. Lübtheen im Interesse der Öffentlichkeit - allein die ganzen Persönlichkeiten seien beeindruckend gewesen, sagt Pietz. Familie Spiegel, Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, Dieter Graumann als Präsident des Zentralrates der Juden...

Die Lübtheener erhalten von allen Seiten Lob für ihren Einsatz gegen den Einfluss von NPD und Rechtsextremisten im Ort; gerade auf junge Menschen. "Sie lassen den Worten auch ernst gemeinte Taten folgen. Und das ist richtig", betont Graumann. Einerseits zeigt Lübtheen Flagge gegen Rechts. Doch das sei längst nicht alles, so Bürgermeisterin Ute Lindenau. Gerade bei jungen Leuten gehe es darum, die Abwanderung nach Hamburg und ins nahe Niedersachsen zu stoppen. Und das fange bei abwechslungsreichen Freizeitangeboten an und höre bei attraktiven Jobangeboten in der Region noch lange nicht auf. Deshalb soll ein Teil der 5000 Euro auch in die Jugendarbeit fließen. Genaueres wolle man aber in großer Runde mit allen Beteiligten besprechen.

Wie sie mit dem undemokratischen Klientel vor Ort umgehen?, sind die Lübtheener nach der Preisverleihung in Düsseldorf gefragt worden. Von Politikern anderer Kommunen und einem hochrangigen Konsul, erzählt Thomas Pietz. "Es ist eben auch woanders Thema." Die Eindrücke muss er jetzt erstmal verarbeiten. Eines weiß er schon jetzt: "Es bleibt unvergessen. Und das kann uns keiner nehmen. Auch nicht die Rechten."

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