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Amt Neuhaus : Elberadweg: Auf oder doch am Deich?

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In Sachen Tourismus gibt es die Küste und das Hinterland, und dort gibt es den Elberadweg - Deutschlands beliebteste Strecke für Radurlauber und natürlich auch die Anwohner. Auf den ersten Blick scheint alles in Ordnung.

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erstellt am 03.Aug.2012 | 11:38 Uhr

Neuhaus/Privelack | In Sachen Tourismus gibt es die Küste und das Hinterland, und dort gibt es den Elberadweg - Deutschlands beliebteste Strecke für Radurlauber, Ausflügler und natürlich auch die Anwohner. Auf den ersten Blick scheint somit alles in Ordnung. Doch schon der zweite Blick zeigt, das dem z. B. im Bereich des Amtes Neuhaus noch lange nicht so ist. Der an der Elbe entlang radelnde Urlauber sieht vom Fluss und der dazugehörenden wunderschönen Landschaft oft nämlich gar nichts. Das liegt daran, dass der Radfahrer an vielen Stellen des Radweges runter vom Deich muss und sich beim Fahren dann den meist grünen Deichfuß ansehen darf. Die Gemeinde Amt Neuhaus will das schon lange ändern und hat daher ehrgeizige Pläne, den Radweg möglichst auf den Deich zu legen. Doch da gibt es gleich mehrere Hindernisse: Vor allem fehlt das Geld. Merkwürdigerweise ist nämlich die Gemeinde der Zahlmeister, wenn es an den Radweg. Dabei ist der Deich eine Hochwasserschutzanlage des Landes. Allein für den Umbau des Abschnittes zwischen Pommau und Privelack werden 150000 Euro aufgerufen. Dass 1730 Meter Radweg auf dem Deich soviel kosten sollen, liegt an der vorgeschriebenen Bauweise. Die Bauleute dürfen nämlich nur vom Kopf her bauen. Somit müssen alle Materialien auf nur einem Weg hin- und hergebracht werden. Das kostet Zeit und damit Geld. Zum anderen gibt es auch Sicherheitsbestimmungen, falls es mal unerwartet und relativ schnell zu einem Hochwasser kommen sollte.

Die zweite Hürde zeigt sich im allseits präsenten Naturschutz. Sensibler Bereich heißt das böse Wort z. B. zwischen Vockfey und Pommau, dort sieht der Naturschutz durch den Deichradweg seltene Tierarten gestört. Hier muss unterhalb geradelt werden.

Die dritte Hürde ist genereller Art und sie hat mit Jahrhunderthochwassern zu tun. Wenn Brandenburg seine Elbdeiche höher als bisher vereinbart hochzieht, wird man auch im Amt Neuhaus nachziehen müssen, wenn man nicht absaufen will. Nur dann müssten alle schon existierenden Radwege auf dem Hauptdeich komplett neu gebaut werden. Auch diese Gefahr bremst die ehrgeizigen und teuren Ausbaupläne.

Ungeachtet aller Schwierigkeiten gibt es im Amt Neuhaus das klare Bekenntnis, die Radler möglichst oft und lange auf den Deich zu holen. Bürgermeisterin Grit Richter: "Deswegen kommen sie doch her, weil sie die Elbe und die weite Landschaft sehen und erleben wollen. Unten am Deich gucken sie nur gegen eine grüne Wand, wenn sie Glück haben sehen sie auf der anderen Seite noch wenigstens eine Ortschaft.

Es gibt Abschnitte, die bereits fertiggestellt sind, beispielsweise von Darchau über Groß Kühren bis Vockfey. Doch insgesamt bleibt es bei dem Flickenteppich und dem ständigen Auf- und Ab am Deich. Und der Bereich von Darchau bis Herrenhof ist nur einer der Abschnitte. Insgesamt, so schätzt es Bürgermeisterin Richter ein, bräuchte man noch Millionen, um den Elberadweg durchgehend mit Elbblick zu bekommen. Warum das ausgerechnet Aufgabe eine Gemeinde sein soll, sei auch nicht einzusehen. Schließlich hätte gerade dieser Radweg doch wohl überregionale Bedeutung. Im Hintergrund gibt es schon vielversprechende Gespräche mit dem Land Niedersachsen, um wenigstes einige Abschnitte bauen zu können. Neuhaus allein wird das schon wegen seiner enorm angespannten Haushaltslage (SVZ berichtete erst gestern) nicht im Ansatz leisten können.

Die Radler und Radurlauber, erst 2011 gab es eine großangelegte Befragung der Gäste am Elberadweg im Amtsbereich mit 657 Interviews, sehen das mit dem Verlauf des Radweges nicht ganz so verbissen. Vielmehr wurde der gute Zustand der Wege gelobt. "Solange ich die Elbe ab und zu sehe, macht mir das Rauf- und Runterfahren wenig aus. Es hat auch Vorteile unten zu fahren, man ist nicht so im Wind, außerdem wird man so gezwungen, auch einmal ins Hinterland zu schauen", erzählte z. B. der Hamburger Christian Sauer, der von Bitter in Richtung Darchau unterwegs war."

Die östliche Elbseite gilt unter Radlern als schöner und vor allem leichter zu befahren. Zudem sehe man mehr als Tourist. Auf westlicher Seite türmen sich doch direkt am Elbufer beachtliche Hügel auf, muss so mancher Radfahrer an den Steigungen schieben.

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