Boizenburg : Einzelhändler fürchten Rewe-Markt

Die Königstraße - die Haupteinkaufsstraße Boizenburgs - an einem Nachmittag.
Die Königstraße - die Haupteinkaufsstraße Boizenburgs - an einem Nachmittag.

Bei Betreibern von Geschäften und Cafés in der Boizenburger Altstadt regt sich Widerstand gegen die geplante Ansiedlung des Verbrauchermarktes

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28. Januar 2016, 06:30 Uhr

Die Stimmung war gedrückt am Dienstagabend bei der Zusammenkunft der Geschäftsfrauen aus der Boizenburger Altstadt. „Das mit Rewe zieht mich so sehr runter. Dass das nie aufhört - immer kämpfen, kämpfen ums Überleben. Ich mag nicht mehr“, brachte Ingrid Hartung von der Elbe-Buchhandlung die Stimmung auf den Punkt.

Anlass für die sich ausbreitende Frustration unter den Laden- und Café-Inhabern um Königstraße, Markt und Reichenstraße ist der seit einigen Tagen heftig diskutierte Plan von Stadt und Stadtvertretern, auf dem ehemaligen Klärwerksgelände an der Schwartower Straße einen Rewe-Markt anzusiedeln (SVZ berichtete am 12.01.16).

„Da die vorhandene Kaufkraft in Boizenburg und Umgebung nicht steigt, sondern nur anders verteilt wird, werden die Einzelhändler in der Innenstadt mit einschneidenden Umsatzrückgängen zu rechnen haben. Es wird für Einige das Aus bedeuten. Kann sich einer von Ihnen die Innenstadt ohne die traditionellen Familienunternehmen und ohne den Lebensmitteleinzelhandel vorstellen? Wollen wir das wirklich?“, heißt es in einem Brief des Handwerks- und Gewerbevereins (HGV) an die Redaktion.

Die Geschäftsleute – in der übergroßen Mehrheit Frauen – fürchten um ihre Arbeitsplätze. „Allein bei mir im Lebensmittelbereich des Konsums sind es 18 Mitarbeiter“, erklärte Filialleiterin Stefanie Blasius. Bei ihrer Kollegin von der Schuhabteilung arbeiten vier, im Rundfunkladen drei, im Blumenladen, bei Optiker Gehrke und im Café Behnke sind es ebenfalls vier.

„Wenn die Leute in der Altstadt keine Läden zum Bummeln haben, dann kehren sie auch nicht bei mir im Café ein“, ist sich Bettina Behnke von „Christels Kaffeestübchen“ sicher. Diese Aufzählung der in der Altstadt vorhandenen Arbeitsplätze im Einzelhandel ist noch lange nicht vollständig.

Sie könnten schon verstehen, dass die Stadt die hässliche Ecke an der Schwartower Straße weghaben will, meinen die Geschäftsfrauen. Aber dann könnte sie nicht gleichzeitig von sich behaupten, die Belebung der Altstadt voran bringen zu wollen.

Es herrscht einigermaßen Unverständnis darüber, wieso so viel Geld und Mühe in die Sanierung der Altstadt gesteckt wurde, wenn den zarten dort wachsenden Handelspflänzchen – manche sind schon sehr erfolgreiche Pflanzen – durch einen Verbrauchermarkt wie Rewe mit einem großen Nonfood-Bereich das Wasser abgegraben werden soll. „Ein Kunde denkt nicht über so etwas nach, der geht dahin, wo er alles und günstig bekommt“, sind sich die Frauen einig.

Gerade Ingrid Hartung sagt dann aber: „Wir müssen uns wehren. Viel haben wir ja nicht in der Hand. Aber was würde Rewe denn im Vergleich zu uns an Gewerbesteuer zahlen?“ Sie habe gehört, dass Rewe nicht nach Umsatz besteuert werden würde, so wie sie alle, sondern nach dem Brutto-Arbeitslohn der Arbeitnehmer im Markt.

„Wir fordern die Stadtvertreter aller Fraktionen auf, sich für den Erhalt der Einzelhändler im Sinne der Belebung der Altstadt zu entscheiden, so wie Sie, verehrte Stadtvertreter, es sich bei den Kommunalwahlen auf die Fahne geschrieben haben“, endet der oben zitierte Brief des HGV.

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