Hagenow : Einmal mehr „multikulti“

Da geht jeder mit: Zeitgenössischer afrikanischer Tanz ist gestern nur ein Teil der Workshop-Show in der Sporthalle der Europaschule in Hagenow.  Fotos: nien/ckle
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Da geht jeder mit: Zeitgenössischer afrikanischer Tanz ist gestern nur ein Teil der Workshop-Show in der Sporthalle der Europaschule in Hagenow. Fotos: nien/ckle

Schüler der Hagenower Europaschule setzen gemeinsam mit internationalen Künstlern ein Zeichen gegen Gewalt und Rassismus

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16. September 2015, 07:50 Uhr

„Wir sind alle eins.“ Erst leise, dann lauter hallt dieser Satz gestern durch die Sporthalle der Europaschule in Hagenow. Von Menschen aus Frankreich, Kroatien, Nigeria, Japan, Iran, Polen, Moldawien, Spanien, Tschechien und Deutschland. Angesichts der aktuellen Flüchtlingssituation ein wichtiges Signal für Schulleiterin Sabine Janitz, weshalb sie die „Instant Acts“ gerne nochmal eingeladen hat. 2006 waren sie schon einmal dort. Die internationale Künstlergruppe reißt die Schüler der siebenten bis zehnten Klassen gestern mit. Gemeinsam setzen sie in Workshops und kleinen Auftritten ein Zeichen gegen Gewalt und Rassismus.

„Das passt in diese Zeit“, sagt Sabine Janitz. Zwar sei die Europaschule schon immer „multikulti“. Doch derzeit eben noch intensiver. Zwei DAZ-Klassen (Deutsch als zweite Fremdsprache) gibt es gerade. Eine in der Grundschule, eine in der höheren Klasse. „Ganz selbstverständlich werden sie integriert“, antwortet die Schulleiterin auf die Frage, ob Rassismus dort ein Problem sei. Und das Projekt der Instant Acts fördere einmal mehr, dass die Achtung voreinander da ist.

Berührungsängste sind nicht zu spüren, als Shain zusammen mit zwei Hagenower Schülern einen selbst geschriebenen Rap-Text einstudiert. Seit Juli ist der junge Syrer erst in Deutschland. Und auch wenn er noch kein Deutsch spricht, übt er immer und immer wieder die wenigen Sätze. „Alle lassen sich prima darauf ein“, sagt Rapper Sebastian Henkys. Eine Stunde haben sie Zeit, um Thema, Text und Rhythmus für ihren Auftritt zu finden. „Das ist schon schwierig. Aber wir schaffen das“, motiviert der Künstler seine Gruppe. Sarah Klötzer wollte das unbedingt mal ausprobieren. Und ihr hat es so gut gefallen, dass sie es sich als Hobby vorstellen könne, sagt die 14-Jährige hinterher.

Von dem Ergebnis ist Sabine Janitz begeistert. „Da kitzelt man aus Kindern Talente heraus. Das macht mich stolz.“ Genau das will Projektleiter Til Dellers erreichen. „Es soll etwas in den Köpfen und Körpern bewegen“, sagt der gebürtige Schweizer zum Konzept. Die Teilnehmer sollen sich auf etwas, auf jemanden Neues einlassen, sich reinknien und das dann vor anderen zeigen. Und: „Jeder soll merken, ernst genommen zu werden, dass jemand für ihn ist.“ In den Workshops gebe es auch keine Schwellen mehr, da sei man Freund, egal welche Sprache man spricht, wie man aussieht oder lebt.

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