Große Ausfahrt für Hagenower Motorradtruppe : Einmal im Jahr über eine rote Ampel

Freie Fahrt für zwei Stunden, die Bikerkolonne passiert unter Polizeischutz die Hugo-Pfohe-Kreuzung in Schwerin-Krebsförden. Mayk Pohle
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Freie Fahrt für zwei Stunden, die Bikerkolonne passiert unter Polizeischutz die Hugo-Pfohe-Kreuzung in Schwerin-Krebsförden. Mayk Pohle

Strahlende Gesichter bei Mitfahrern und Organisatoren der jüngsten großen Motorradausfahrt gab es dieses Mal schon lange, bevor der erste Motor angeworfen wurde. Mehr als 400 Maschinen hatten sich in Schwerin versammelt.

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05. Oktober 2011, 11:19 Uhr

Schwerin/Dömitz | Strahlende Gesichter bei Mitfahrern und Organisatoren der jüngsten großen Motorradausfahrt gab es dieses Mal schon lange, bevor der erste schwere Motor angeworfen wurde. Das Wetter machte alles klar, schöner konnte es für Motorradfahrer gar nicht sein. Und so war früh klar, dass viele kommen werden. Am Ende der Sammelphase, die war gegen 11 Uhr erreicht, brummten mehr als 400 Maschinen vom Alten Garten. Vornweg die Polizei, die derartige Jobs ganz gern macht. Wenn die Polizei schon zu fast jedem Fußballspiel als Schutzmacht antreten müsse, so werde man ja wohl noch einen Motorradkonvoi sicher durchs Land geleiten dürfen, ließ sich einer der Polizeioffiziere vernehmen. Zumal die Ausfahrten eine der wenigen Anlässe sind, wo auch die heimische Polizei zeigen kann, dass sie auch noch eigene Kräder hat. Die grün-weißen Maschinen sind zwar inzwischen so alt, dass sie fast ein H-Kennzeichen bekommen könnten, dennoch sind sie aus der Sicht der Fachleute z. B. für die Verkehrsüberwachung unverzichtbar. Nun muss diese Nachricht nur noch im Innenministerium ankommen, das die Ausrüstung der Polizei mit Motorrädern in den vergangenen Jahren fast sträflich vernachlässigt hat.

Wer unterwegs auf den kilometerlangen Konvoi traf, der konnte sich Zeit lassen. Denn es dauerte mehrere Minuten, bis der gesamte Tross in doppelter Reihe vorbeigefahren war.

Die Organisatoren um Hans Barner hatten dieses Mal eine lange, dafür aber sehr schöne Route ausgesucht. Von Schwerin ging es auf schnellstem Weg nach Hagenow, Pritzier und Vellahn, bevor bei Brahlstorf die Elbregion erreicht wurde. Unterwegs gab es wieder alles an Reaktionen: Von ungläubigem Staunen, über ängstliche Blicke, helle Begeisterung bis zu traurigen Blicken von Männern, die gern selbst mit gefahren wären. Und diese positive Grundstimmung hielt auch in dem Abschnitt zwischen Neuhaus, Kaarßen und Dömitz an. Obwohl die Anwohner wegen der ständig präsenten Motorradfahrer eigentlich genervt sein müssten. "Mit großen, geführten Kolonnen, die vernünftig fahren, haben die Leute kein Problem. Eher schon mit den Bikern, die rücksichtslos durch die Kurven jagen." Und im Konvoi: Dort herrschte Disziplin, auch wenn sich die Kette immer wieder auseinander dehnte oder zusammenzog. Durch die Absicherung von Polizei und Blockern gab es für alle freie Fahrt über alle Ampeln und Kreuzungen, und das fast zwei Stunden. Einmal ungestraft bei Rot über eine Ampel fahren, für nicht wenige ist das schon Motivation genug, an so einer Ausfahrt teilzunehmen. Denn mit Spaß am Fahren hat das Tuckern in der Kolonne wenig zu tun. Dafür stärkt es das Gemeinschaftsgefühl, gibt Gewissheit, dass man mit seinem Hobby, mit der Lust am Fahren, nicht allein ist in diesem Land.

Dass dem so ist, wurde dann auch dem Letzten in Dömitz bewusst, wo vor dem Konvoi schon gut 200 Biker aus allen Himmelsrichtungen eingetroffen waren. Denn Motorradfahrer brauchen vor allem eines, ein Ziel, das sich lohnt. Dömitz steht auf dieser Liste.

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