Konau/Popelau : EinIdyll im Widerspruch zur Geschichte

Weltweit einzigartig, sagt das Institut für Didaktik der Demokratie zum Marschhufendorf Konau/Popelau hinter dem Deich.
Weltweit einzigartig, sagt das Institut für Didaktik der Demokratie zum Marschhufendorf Konau/Popelau hinter dem Deich.

Entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze wurden 24 Erinnerungsorte in der Metropolregion Hamburg auf ihre Potenziale untersucht, so auch Konau und Popelau

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23. März 2020, 05:00 Uhr

Ein ehemaliger Grenzturm hier, eine kleine Ausstellung dort oder einfach auch nur ein Gedenkzeichen. Entlang der ehemaligen Grenze gibt es eine Vielzahl von Orten, die an die deutsch-deutsche Teilung erinnern. „Es fehlt bislang jedoch ein Konzept zur Ausgestaltung einer gemeinsamen Erinnerungslandschaft, die die vorhandenen Potenziale stärkt und die Sichtbarkeit in der Region erhöht“, heißt es in einer Bestandsaufnahme des Instituts für Didaktik der Demokratie (IDD) der Leibniz Universität Hannover, die als ein Baustein des Leitprojekts „Grenzgeschichten“ der Metropolregion Hamburg erstellt wurde und als Grundlage für weitere Teil- und Folgeprojekte dienen soll. „Jeder dieser Orte hat das Potenzial, künftig eine wichtige Rolle für die Erinnerung zu spielen“, erklärt Christian Hellwig, wissenschaftlicher Mitarbeiter am IDD. Dafür sei es aber notwendig, dass sie sich professionalisieren. Das Institut habe deshalb individuelle Handlungsempfehlungen erarbeitet.

So auch für die Dörfer Konau und Popelau in der Gemeinde Amt Neuhaus. In der Bestandsanalyse sind sie als weltweit einzig vollständig erhaltenes, „einheitliches Marschhufendorf“ aufgeführt, zu dessen Besonderheiten unter anderem auch die Ausstellungen „Grenzgänge – Leben im Sperrgebiet“ und „Zwangsaussiedlungen an der innerdeutschen Grenze“ sowie der etwa sechs Kilometer lange „Grenzhistorische Rundweg“ gehören. Diese würden die Geschichte eindrücklich dokumentieren, „indem sie regionale Geschichte am historischen Ort präsentieren.“ Zudem würden sich die Mitglieder des Vereins „Konau“, die sich um die Ausstellungen kümmern, durch hohes ehrenamtliches Engagement und Interesse an wissenschaftlicher Unterstützung auszeichnen. „Ein Wunsch der Vereinsmitglieder ist die Etablierung eines außerschulischen Lernortes“, so das IDD.

Allerdings gibt es aus Sicht der Wissenschaftler auch Probleme an diesem Erinnerungsort. Und wie so oft sind sie auch finanzieller Natur. So müssten unter anderem die Informationstafeln auf dem „Grenzhistorischen Rundweg“ erneuert werden. Dafür fehlt dem Verein jedoch das Geld. Auch die Grenzgänger-Ausstellung müsse überarbeitet werden, da sie nach 20 Jahren nicht mehr modernen Standards entspreche und das „Design nicht mehr einheitlich ist.“

Ein weiteres Problem stellt die abgeschiedene Lage der Dörfer dar, die Schulklassen die Anreise erschwert, meint das IDD. „Andererseits fehlt es aber auch an attraktiven pädagogischen Angeboten und entsprechender Öffentlichkeitsarbeit.“

Das Institut empfiehlt deshalb auch die Ausstellungen und den Rundweg unter einem gemeinsamen Namen zusammenzufassen, und sie auf einer eigenen Plattform im Internet zu präsentieren. Das würde den Stellenwert und die Sichtbarkeit erhöhen. Zudem sollte die Idee eines außerschulischen Lernortes unbedingt weiterverfolgt werden, da „das heutige Idyll des im Biosphärenreservat liegenden erhaltenen Marschhufendorfes“ im starken Widerspruch zu seiner Geschichte als Dorf innerhalb des Sperrgebietes stehe. „Das wird hier deutlicher als in vielen anderen Grenzdörfern.“

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