zur Navigation springen

Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe M-V : Einen Sturm der Empörung entfacht

vom

Nachdenkliche Gesichter, ungläubiges Kopfschütteln, ja sogar Fassungslosigkeit begleitete am Montag Abend die eigens anberaumte Einwohnerversammlung, zu der die Gemeinde Teldau ihre Bürger eingeladen hatte.

svz.de von
erstellt am 05.Jun.2013 | 06:01 Uhr

Vorderhagen | Nachdenkliche Gesichter, ungläubiges Kopfschütteln, ja sogar Fassungslosigkeit begleitete am Montag Abend die eigens anberaumte Einwohnerversammlung im örtlichen Dorfbegegnungshaus, zu der die Gemeinde Teldau ihre Bürger eingeladen hatte. Etwa 50 Frauen und Männer waren erschienen. Denn mit Erschrecken haben der Bürgermeister Paul Klein, seine Gemeindevertreter sowie Landwirte, Jäger und Angler, um nur einige zu nennen, den Gesetzentwurf für das Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe M-V zur Kenntnis genommen. Zumal das Gebiet sich von der Teldau über Boizenburg, Dömitz, Zarrentin bis nach Pritzier erstreckt.

Grundtenor des Abends: Dem grundsätzlichen Ansatz, Einklang von Mensch und Biosphäre zu erreichen, werde dieses Papier nicht gerecht. Vielmehr würden hier Verhältnisse angestrebt, die das Verbleiben der Menschen in dieser Region unter menschenwürdigen Bedingungen stark einschränkten und perspektivisch zu einer Entvölkerung führten.

"Wir wollen deshalb wachrütteln und sensibilisieren. Denn es sind viele betroffene Bevölkerungsschichten, deren Interessen reglementiert werden sollen. Wir wollen nicht kriminalisiert werden bei der Ausübung von Freizeitaktivitäten und beruflichen Belangen", betont Bürgermeister Paul Klein gegenüber der SVZ. Denn der Gesetzentwurf habe eigentlich nichts Positives. "Für mich ist das ohne Zweifel ein Werk verbohrter Dogmatiker, für die der Mensch künftig nur ein Störfaktor ist."

Ähnlich sieht es auch Harald Elgeti, Geschäftsführer des Bauernverbandes. "Einfachste Grundrechte stehen mit einmal auf dem Prüfstein. Man könnte tatsächlich den Eindruck gewinnen, dass an die Menschen, die hier leben und arbeiten, nicht eine Sekunde lang gedacht wurde." Werde das Gesetz in dieser Form verabschiedet, treffe alle Entscheidungen das Amt für Biosphäre. Alle Argumente zu Entkräftung würden dann ohnehin nicht gehört. "Wenn das Gesetz durch ist, kommt die große Keule, die ein Miteinander von Mensch und Natur nicht mehr gewährleistet. Dann gibt es nur noch Naturschutz und Verbote, sowie vielleicht einige Ausnahmen von den Verboten. Ich kann jedenfalls kein Erfordernis erkennen, hier gravierend eingreifen zu müssen. "

Mit dem Erlass des geplanten Gesetzes würden alle bisherigen Regelungen aufgehoben, erklärt der Vorsteher des Amtes Boizenburg-Land, Erdmann Roloff, desweiteren den Anwesenden. Und nennt einige Kritikpunkte aus der Stellungnahme der Gemeinde: Mangelhafte Beteiligung der Eigentümer an der Flurbereinigung, unzureichende Betretungsregelungen für die Zugangsbereiche, sowie nicht ausreichende landwirtschaftsbezogene Regelungen.

Gar von schleichender Enteignung spricht Heinrich Elvers aus Gülze an diesem Abend. "Wenn ein gewinnbringendes Wirtschaften nicht mehr möglich ist, wie es ja in der Pflegezone geplant ist, dann will doch auch kein Landwirt mehr Pachtflächen von uns haben", befürchtet der Verpächter. Die Folge sei unter anderem ein massiver Einbruch bei den Verdienstmöglichkeiten. Am schlimmsten betroffen seien alle Bodeneigentümer, weil der Wert ihres Bodens sinke, sagt auch Sven Halletz. "Das Grünland, das dann keiner mehr haben will, muss trotzdem als Offenland erhalten werden. Hier kommen Kosten auf die Eigentümer zu, ohne dass es für sie von irgendwelchem Nutzen ist. Die Gesetzeshärten sind jedenfalls geschickt verpackt. An dem Ding werden noch unsere Kinder und Enkelkinder zu kauen haben, das macht mich so richtig wütend", gesteht der Bandekower und erntet dafür beifälliges Gemurmel im Saal. Auch für Landwirt Peter Guhl macht ein solches Gesetz wenig Sinn, wenn die Infrastruktur sich nicht mehr entwickeln könne. "Allein nur einen Imagegewinn für M-V zu erreichen, reicht mir nicht als Ziel." Nichts gegen eine Gesetzgebung habe er, streicht auch Hegeringleiter Wolf-Eckard Schröder heraus. "Aber bitte zusammen mit den Menschen. Mit uns Jägern hätte keiner gesprochen, wenn wir uns nicht zu Wort gemeldet hätten. "Die angestrebte Kernzone ist nichts weiter als ein Urwald. Was hat das mit einer Kulturlandschaft an der Elbe zu tun? Hier werden falsche Wege eingeschlagen, gegen die wir uns gemeinsam wehren müssen."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen