Einen Schritt noch bis „Brücken-Aus“

Christian Fabel (v.l.), Jörg Sohst und Grit Richter hatten die Sitzung verfolgt.
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Christian Fabel (v.l.), Jörg Sohst und Grit Richter hatten die Sitzung verfolgt.

Wirtschafts- und Straßenbauausschuss fassten empfehlenden Beschluss, die Planungen für die Elbbrücke nicht fortzuführen

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01. Juli 2015, 13:46 Uhr

Jetzt fehlt nur noch ein einziger Schritt, um die Elbbrücke bei Darchau endgültig zu beerdigen. Die Einladung zum Begräbnis wurde quasi schon am Dienstag in Lüneburg ausgesprochen, als die Mitglieder von Wirtschafts- und Straßenbauausschuss in einer gemeinsamen Sitzung sich mehrheitlich für die Beendigung der Planungen aussprachen. Hier handelt es sich um einen empfehlenden Beschluss. Der endgültige Beschluss wird dann am 20. Juli im Kreistag gefällt. Dass er gegen die Brücke fällt, daran ließen die Mitglieder von SPD und Grünen und auch die Verwaltungsspitze mit Landrat Manfred Nahrstedt und Erstem Kreisrat Jürgen Krumböhmer keinen Zweifel.


Antrag auf Vertagung wurde abgelehnt


Die Sitzung begann mit einem Antrag der CDU, den Punkt von der Tagesordnung zu nehmen. Es gäbe noch ausreichend Zeit, Alternativen wie zum Beispiel die Kosten für eine Schrägseilbrücke zu prüfen, begründete Günther Dubber (CDU) den Antrag. „Wir lehnen es ab, den Punkt von der Tagesordnung zu nehmen, wir sind hier, um darüber zu sprechen“, entgegnete Franz-Josef Kamp, Gruppensprecher der Gruppe SPD/Grüne. Der CDU-Antrag wurde mehrheitlich abgelehnt und man sprach - fast zwei Stunden lang - je nach Parteizugehörigkeit, nochmal darüber, warum die Brücke nicht gebaut werden kann, beziehungsweise, warum sie unbedingt gebaut werden muss.

Landrat Nahrstedt machte den Anfang. Es habe so ausgesehen, als ob die Kosten bei 45 Millionen stehen geblieben seien. Nach fünf Jahren sei es an der Zeit gewesen, die Kosten neu zu überprüfen. Die Schätzungen hätten Gesamtkosten von knapp 60 Millionen Euro ergeben. „Das ist für den Landkreis nicht mehr finanzierbar. Ich persönlich bin dafür, nicht in die Planfeststellung einzusteigen. Wir bringen aber die landesplanerische Feststellung noch zu Ende“, so Nahrstedt.

Wilhelm Castens (CDU) entgegnete: „Neue Erkenntnisse schreien nach Überprüfung, erst danach können wir entscheiden.“ Die Bürgerbefragung sei auch ein Auftrag an den Landrat gewesen, sich um die Finanzierung zu kümmern, er habe aber keine Bemühungen erkennen können, den Kostendeckel des Landes auszuhebeln, so Castens.


Landrat wies Vorwürfe entschieden zurück


Das ließ Nahrstedt, der langsam zornig wurde, nicht auf sich sitzen. Er habe mit drei Ministerpräsidenten, mit den jeweiligen Wirtschaftsministern und Staatssekretären verhandelt, um mehr Geld vom Land zu bekommen. Jürgen Krumböhmer stellte klar, dass auch eine Schrägseilbrücke nicht preiswerter sein würde. Das WKC-Ingenieurbüro sei ein renommiertes Büro, dass bestimmt auch an diese Möglichkeit gedacht habe. Petra Kruse-Runge von den Grünen meinte, es sei überdeutlich geworden, dass für dieses Projekt aus keiner Ecke Geld kommt. „Das ist für die Betroffenen natürlich eine bittere Geschichte, aber es ist nur ehrlich, wenn wir sagen, dass es nicht funktioniert. Wir als Landkreis können es nicht stemmen.“

Es ging noch eine ganze Weile so hin und her, Lutz Röding (CDU) appellierte noch einmal: „Lassen Sie den Ostkreis nicht hängen, lassen Sie die Neuhauser nicht im Regen stehen.“

Franz-Josef Kamp (SPD) meinte, man solle doch nicht glauben, dass nach einem Planfeststellungsverfahren plötzlich genügend Geld für eine Brücke da wäre. „Wir haben es versucht, aber es geht wirklich nicht.“ Bürgermeisterin Grit Richter und ihr Stellvertreter Christian Fabel hatten die Sitzung verfolgt. Ihnen war ihr Frust deutlich anzumerken. Auch Jörg Sohst vom Verein Brücken bauen war dort. Der Verein ruft trotz allem die Bürger auf, am 20. Juli nach Lüneburg zu kommen und an der Aktion des Vereins teilzunehmen.

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