Lübtheen : Eine SMS von Meister Adebar

Der Kummeraner Storchennachwuchs ist flügge – und bald auch im Süden. Hier stolzieren zwei der Jungvögel noch auf dem Nachbarhaus herum.
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Der Kummeraner Storchennachwuchs ist flügge – und bald auch im Süden. Hier stolzieren zwei der Jungvögel noch auf dem Nachbarhaus herum.

Helmut Eggers aus Lübtheen begleitet alljährlich den Zug der Weißstörche / Für das Wochenende erwartet er eine große Abflug-Welle

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14. August 2015, 06:30 Uhr

Gemeinsame Nachtruhe in luftiger Höhe: Auf dem Wittenburger Kirchendach hatten sich am Mittwochabend 17 Störche niedergelassen. Für Helmut Eggers, den Storchenbeauftragten der Region, eine gute Gelegenheit, um mehr über die Zuggruppen von Meister Adebar herauszufinden.

Mit Hilfe eines Fernglases konnte der Lübtheener die registrierten Nummern einiger beringter Vögel ablesen. „Die Störche stammten aus unserer Region, unter anderem aus Nestern in Kogel, Gallin und Boddin“, erklärt Helmut Eggers. „Ein Vogel hatte wohl die falsche Richtung eingeschlagen. Er war aus Brunow bei Grabow Richtung Nordwesten anstatt nach Südosten geflogen.“ Gemeinsam mit den anderen Störchen wird er nun aber den Weg finden.

Vor ihrem Flug in den Süden finden sich die Störche zu Zuggemeinschaften zusammen. Wer dabei mit wem fliegt und warum, wollen Helmut Eggers und andere Ornithologen herausfinden. Die Zugrouten – bei den Ostziehern über die Türkei und den Bosporus, bei den Westziehern über Spanien und Gibraltar – sind längst bekannt. „Früher ging man davon aus, dass es genetisch bedingt ist, welche Route ein Storch nimmt“, erklärt Helmut Eggers. „Inzwischen ist klar, dass die soziale Komponente die genetische überlagert.“ Und so gibt es Störche, die schon in Spanien und in einem anderen Jahr in Israel gesichtet wurden.

Der Zug des Weißstorchs ist stressig. „Er bewältigt Tagesetappen von 400 Kilometern, vor allem Jungstörche fliegen dabei zum Teil bis zur Erschöpfung“, so Eggers. In den vergangenen zwei Jahren hatte er den Zug mit dem Auto begleitet. Zweimal täglich schickten die auf einigen Tieren befestigten Sender automatisch eine SMS. Wenn die abendliche Nachricht mit den Koordinaten des Aufenthaltsortes ankam, fuhr der Lübtheener Apotheker dorthin. „Wir wollten sehen, was die Störche dort machen, wie sie sich vergesellschaften und welches Gefährdungspotenzial es gibt“, erklärt er. „Während die Gefahr durch Elektroleitungen in Deutschland ziemlich gering geworden ist, ist es in den Durchgangsländern eine Katastrophe.“ Über Polen, Tschechien, Ungarn, Rumänien und Bulgarien führte die Reise bis in die Türkei. Erst an der syrischen Grenze war Schluss.

In diesem Jahr lässt es Helmut Eggers etwas ruhiger angehen. Wenn in der kommenden Woche die meisten Störche abgeflogen sind, packt auch er seine Koffer – und fliegt. Noch vor den Störchen wird er in Israel ankommen, um im Jordantal die Ankunft der Störche zu verfolgen, Ringe abzulesen und Gefahren zu lokalisieren. Wissenschaftliche Arbeit für das Max-Planck-Institut für Vogelforschung und für die Vogelwarte Hiddensee, „aber auch Entspannung und Hobby“, wie Helmut Eggers gesteht. Im Januar wird er dann – wie ebenfalls schon seit mehreren Jahren – auf der Westroute unterwegs sein. Ziel ist Spanien. „Auf einer Müllkippe bei Madrid, auf der um die 6000 Störche überwintern, haben wir schon einige unserer Vögel entdeckt“, erklärt Eggers. „Darunter die Störche aus Herrenhof und Gothmann, die immer besonders früh hier ankommen.“ In diesem Jahr am 23./24. bzw. am 28. Februar.

Auch wenn das Storchen-Jahr etwas eigenwillig war – es gab sehr frühe, aber auch sehr späte Ankömmlinge, der Abflugtermin Anfang/Mitte August ist normal. Aber die wenigen Jungvögel, die erst im September flügge werden, werden es auf dem Weg in den Süden schwer haben, weil die Gruppe fehlt.

Um weitere Informationen sammeln zu können, würde Helmut Eggers am bevorstehenden großen Zug-Wochenende noch die eine oder andere Gruppe beobachten wollen. Wer also im Altkreis Ludwigslust oder im Amt Neuhaus Storchen-Gemeinschaften von zehn, 15 oder mehr Tieren sieht, wird gebeten, sich unter Telefon 038855 51617 zu melden.  

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