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Hagenower Kreisblatt

17. Oktober 2017 | 06:18 Uhr

Hagenow : Eine Scheune voll mit Geschichte

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Die DDR-Sammlung von Kuno Karls füllt bereits ein ganzes Haus. Zahlreiche Besuchergruppen stöbern in den alten „Zeitzeugen“

von
erstellt am 06.Jan.2017 | 05:00 Uhr

Tausende alte Briefmarken, Bücher, Kalender, Kannen, Brillen und sogar zwei Autos stehen in der Scheune von Kuno Karls. Sie sind Dokumente einer vergangenen Zeit. Zeitzeugen aus der Region.

Seit rund 16 Jahren sammelt der Hagenower alles aus der DDR-Zeit in seinem Haus. Es sei aber kein Museum, „hier ist nichts geschichtlich aufgearbeitet“, so Kuno Karls. Alle Sachen sind von der Bevölkerung gestiftet, seine Tische sind voll, nur die Zeit zum Inventarisieren fehlt. Jedes einzelne Stück wird akribisch aufgeschrieben – wo es herkommt, wer der Besitzer war. „Ich sehe mich eigentlich nur als Verwalter.“ Die Sammlung vergrößert sich wöchentlich. Immer wieder kommen Leute aus der Region vorbei, die noch ein Stück aus DDR-Zeiten auf ihrem Dachboden gefunden haben.

Die Leidenschaft zur Geschichte entstand bei Kuno Karls schon früh. Es begann mit dem Bild, nicht mit dem Wort, wie er selbst sagt. Zur 600 Jahrfeier von Hagenow im Jahr 1970 organisierten sie damals vom Fotoclub aus eine Ausstellung. Rund 3000 Menschen besuchten sie seinerzeit. „Wir dachten uns, das kommt ganz gut an.“ So setzten sich die Mitglieder dafür ein, dass ihre Ausstellung in einer Art Heimatstube erhalten bleibt – dem ersten Museum in Hagenow. „Es war eine Begegnungsstätte. Wir haben uns hier getroffen und viel erzählt, vor allem mit den alten Leuten, die uns viele tolle Geschichten erzählen konnten“, erinnert sich der Stadt-Chronist.

Diese Geschichten gibt Kuno Karls auch heute noch weiter. Bei Führungen durch seine DDR-Scheune hat der Hagenower zu fast jedem Teil eine Anekdote zu erzählen, ob zum Schnaps oder zu seinen Schweineschnauzen aus dem Optikerladen. „Heute würde man diese Informationen gar nicht mehr bekommen. Die Generation der Erzähler ist leider völlig weg.“

Die ersten Ausstellungsstücke hatte Kuno Karls unter anderem vom Sperrmüll. An diese Zeit denkt der Hagenower noch heute mit einem Lachen zurück. „Das war Anfang der 90er Jahre, da bin ich gerade von Arbeit nach Hause gekommen und habe einige Sachen auf dem Sperrmüll liegen sehen.“ Gemeinsam mit Henry Gawlick, dem Museumsdirektor, sind sie damals nur mit einem Ziehwagen losgezogen und haben „das ganze Zeug nach Hause gebracht“. Es sei schon recht amüsant, wie das alles zusammengebracht wurde.

Die DDR-Scheune ist heute in verschiedene Abteilungen unterteilt. Für jeden ist hier das Passende dabei. Es sind Relikte aus der Besatzungs- und Nachkriegszeit zu finden, wie beispielsweise ein altes Grenztor. „Das haben wir damals mit dem Ziehwagen hergekarrt. Zu viert konnten wir es nicht tragen, so schwer war es“, erinnert sich Karls. Aus Schulen stammen unzählige Unterrichtsmittel, Bücher aus der Bibliothek der NVA, Geräte aus dem Konsum, Uniformen, Schränke und sogar ganze Wohnzimmereinrichtungen. Eine Optikabteilung mit „hundert, fast tausend Gegenständen“ hat sich angesammelt sowie ein alter Reißwolf aus dem Ministerium für Staatssicherheit.

Platz in der Scheune gebe es noch. „Ich kann immer noch etwas frei machen“, so Karls. Oben im Stall seien schon 270 Quadratmeter belegt, die untere Etage sei auch schon zur Hälfte gefüllt. Doch ewig könne die Sammlung hier nicht bleiben. Modernisieren lasse sich die Scheune nicht so einfach. Das alte Gebäude ist denkmalgeschützt. „Aber vielleicht übernimmt die Stadt ja den Bestand auch irgendwann.“

Grundsätzlich habe Hagenow Interesse daran, diese Sammlung auch so zu erhalten. „Die Frage ist nur wo?“, sagt Bürgermeister Thomas Möller auf Nachfrage. Derzeit gebe es keine entsprechende Immobilie, um die Sammlung richtig unterbringen zu können. Man sei aber gewillt, eine Lösung zu finden. „Es wäre auch viel zu schade, wenn die Sammlung auseinandergepflückt wird.“

Für Kuno Karls steht jedenfalls fest, er sammelt so lange weiter, bis jeder Winkel seiner Scheune gefüllt ist. „Man muss die Dinge vor dem Untergang retten, sonst bleibt von der DDR-Geschichte in der Region nichts mehr übrig.“

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