Dynamisch unterwegs : Eine Partnerschaft, die auch hilft

Stephanie Grebe (Mitte) zu Besuch be ihrem neuen Sponsor, der Firma JB Germanoil. Links, Verkaufsleiter Michael Schubert, rechts, Geschäftsführer Jürgen Baumgarten.
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Stephanie Grebe (Mitte) zu Besuch be ihrem neuen Sponsor, der Firma JB Germanoil. Links, Verkaufsleiter Michael Schubert, rechts, Geschäftsführer Jürgen Baumgarten.

Wittenburger Firma JB Germanoil unterstützt jetzt mit Stephanie Grebe eine außergewöhnliche Tischtennis-Sportlerin

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11. Mai 2017, 08:00 Uhr

Wenn man unvermittelt auf die kleine, junge Frau trifft, prallt man erst einmal schon ein wenig zurück. Der Anblick ist doch ungewohnt. Der 29-Jährigen fehlen beide Hände, von Geburt an. Zusätzlich, und das sieht man normalerweise nicht, fehlt ihr auch noch der rechte Unterschenkel. Dennoch oder vielleicht gerade deshalb ist aus Stephanie eine außergewöhnliche Sportlerin geworden. Die behinderte Frau spielt Tischtennis, und das in ihrem Bereich sogar auf Weltniveau. Diese Sportlerin wird nun zumindest für eine Saison von der Wittenburger Firma JB Germanoil finanziell unterstützt. Zur offiziellen Vertragsunterzeichnung kam die Sportlerin, die jüngst in Rio Vize-Olympiasiegerin wurde, ganz selbstverständlich mit dem eigenen Auto in den Firmensitz im Wölzower Weg. Eine Spezialkonstruktion am Lenkrad macht ihr das sichere Fahren möglich.

Die junge Frau, die dynamisch unterwegs ist, geht ganz offen mit ihren Einschränkungen um, sie kennt es nicht anders. Natürlich könne man ihr die Hand geben, beantwortet sie die entsprechende Frage von Geschäftsführer Jürgen Baumgarten. Und so berührt man eben den Stumpf, es fühlt sich ungewohnt an. Warum sie mit diesem Schicksal leben muss, ist ungeklärt. Wahrscheinlich sei es dann doch wohl ein Gendefekt gewesen, der zu den Fehlbildungen geführt habe.

Eingefädelt hat den „Deal“ Michael Schubert, der Verkaufsprofi in der kleinen aber international gut aufgestellten Ölfirma. Schubert ist nebenbei auch noch erfahrener Stadion- und Sportsprecher im Hamburger Raum und als solcher interessierte er sich auch bald für die flinke Frau an der Platte aus seiner Nachbarschaft. Schnell kam heraus, auch Sportler ihren Kalibers brauchen jede Hilfe, die sie kriegen können. Seinen Chef, Jürgen Baumgarten, brauchte er da nicht lange zu überzeugen. Der frühere Motorradartist und überzeugte Rennfahrer hat in de vergangenen Jahren immer wieder junge Leute gefördert, meist aus der Motocross-Szene.

Jetzt gibt es Hilfe für die erfolgreiche Behindertensportlerin, die mit dem Geld u. a. ihr aufwändiges Training mit finanzieren will. Sie muss mit einem speziellen Trainer zusammenarbeiten, wenn sie Weltniveau in der Klasse WK 6 des Behindertensports halten will. Sie bekommt zwar auch Unterstützung von anderer Seite, doch die junge Frau ist trotz ihrer Erfolge ehrgeizig geblieben. So zehn bis 15 Stunden Training in der Woche seien schon nötig. Ende September geht es zu den Europameisterschaften nach Slowenien, dort trifft sie auch auf ihre große Rivalin Sandra Paovic aus Kroatien, gegen die sie im olympischen Finale verlor. Ein ungleiches Duell, wie sie berichtete, weil die Behinderung der Kroatin doch geringer als ihre ausfällt. Doch die richtige Klassifizierung in dem Sport sei nicht ganz einfach.

Über die Unterstützung aus Wittenburg ist die völlig unkomplizierte Frau, die bei der Unterschrift virtuos ihre beiden Stümpfe benutzt, mehr als dankbar. Die beiden Männer von dem auf Spezialöl ausgerichteten Unternehmen kamen auch in den Genuss, einmal eine richtige Olympiamedaille in der Hand halten zu können. „Überraschend schwer“, konstatiert Michael Schubert während er sinniert, dass er als nicht behinderter Mensch an der Tischtennisplatte nicht die Spur einer Chance gegen die in Berlin geborene Sportlerin hätte. Sie kann ihre Schmetterbälle mit viel Effee punktgenau spielen, dorthin wo sie die Schwächen der Gegner vermutet. Nichts für Amateure, die ab und zu mal spielen.

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