Wetter in MV : Eine ganze Region unter Wasser

Die Schaale bei Zahrensdorf, die Idylle trügt, das hier ist eine handfeste Überschwemmung. Der Boden kann das Wasser vielerorts nicht mehr aufnehmen.
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Die Schaale bei Zahrensdorf, die Idylle trügt, das hier ist eine handfeste Überschwemmung. Der Boden kann das Wasser vielerorts nicht mehr aufnehmen.

Region Hagenow, Ludwigslust und Boizenburg klagt über Rekord-Niederschläge. Fachleute fordern neuen Plan für Entwässerung

svz.de von
08. Januar 2018, 05:00 Uhr

Wer in der vergangenen Woche in den Himmel blickte, ahnte fast täglich nichts Gutes. Das Grau verhießt Ungemach. Nun war der viele Regen aber nicht nur lästig und unangenehm für den Otto-Normal-Verbraucher, sondern er hat in den zurückliegenden Monaten in Westmecklenburg immense Schäden angerichtet. Denn wenn in den vergangenen Jahrzehnten etwa 550 bis 600 Liter Niederschlag im Jahr  auf einen Quadratmeter gemessen wurden, sprechen wir für 2017 von beinahe der doppelten Menge. „An vielen Orten waren die 900 Liter keine Seltenheit. In Bandenitz maßen wir zum Beispiel 970 Liter. Das war leider vielfach Standard von Ludwigslust bis Boizenburg“, sagt Nicole Gottschall, Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes Ludwigslust. Doch  es hat sogar noch Ausreißer nach oben gegeben. Melkof (1054 Liter), Banzin (1050) oder Langenheide (1029) gehörten zu den traurigen Spitzenreitern.

Die Auswirkungen sind fatal. Fast überall müssen die Bauern mit großen Ernteverlusten leben und auch die Neubestellung der Nutzflächen fällt buchstäblich ins Wasser. „Und es wird auch demnächst nicht besser, sondern eher noch schlechter. Denn das Wasser kann aus mehreren Gründen nicht weg. Zum einen verdunstet derzeit nichts und zum anderen ist der Boden mit Wasser so gesättigt, dass nichts mehr versickern kann. Über die vielschichtigen Probleme der Abfluss-Systeme über Gräben und Flüsse haben wir schon oft berichtet. Es ist ein Teufelskreis. Und jeder neue Niederschlag wirft uns wieder nach hinten“, sagt Nicole Gottschall.

Ob Sude, Schaale, Krainke, Rögnitz oder Elde - den Menschen in Westmecklenburg steht das Wasser bis zum Hals. Nicht nur die Bauern klagen ihr Leid. Auch Hausbesitzer kommen immer mehr in Nöte. So haben Privathaushalte in Boddin, Lübtheen oder Steegen immer wieder mit überfluteten Kellern zu kämpfen. Pumpen in Baumärkten sind vielfach vergriffen, und teilweise muss mit Eimern und Schneeschaufeln agiert werden, damit das Mauerwerk der Häuser nicht nachhaltig beschädigt wird.

Als „Wasserschlacht“ bezeichnet die derzeitige Situation einer, der es mit am besten beurteilen kann. Andreas Schwebs, der Geschäftsführer des Wasser- und Bodenverbandes Boize-Sude-Schaale,  kämpft mit seinen Mitarbeitern beinahe rund um die Uhr gegen  Überflutungen, vernässte Flächen und volllaufende Keller. Er betreut mit seinem Team die

Unterhaltung der Gewässer zweiter Ordnung - die Sorgenkinder der Region. „Die Unbefahrbarkeit der Flächen bereiten Schwierigkeiten, auch die Windbrüche von den letzten Stürmen behindern den Einsatz der Technik. Die Beseitigung der prioritären Windbrüche hat hier seit Oktober schon  33000 Euro gekostet“, sagt Schwebs. Dabei habe man erst ein Drittel überhaupt geschafft.

Aktuelle Hochwasser- und Überflutungsfälle der Schilde bei Schildfeld, der Sude bei Redefin, der Rögnitz in Garlitz  oder in Tessin bei Boizenburg sind nur vier Beispiele der vielen Einsatzgebiete und der zu koordinierenden Maßnahmen.„Ob wohl nicht alles in unseren Zuständigkeitsbereich fällt, versuchen wir den Menschen zu helfen“, sagt Schwebs.

Da die  zusätzlichen „Niederschlagssammelflächen“   das anfallende Wasser in die Gewässer zweiter  Ordnung einleiten, sei deren hydraulische Leistungsfähigkeit ausgeschöpft. Regenrückhaltebecken seien eben nicht das Allheilmittel. So können nur kurzfristige Starkregenereignisse gepuffert werden.

Bodenverband fordert neuen AnsatzLösungen sieht Schwebs künftig mit einem Generalentwässerungsplan von Ämtern und Gemeinden für ihr Hoheitsgebiet, der jetzt erarbeitet werden müsse.  Die Gewässerunterhaltung sollte aus seiner Sicht  möglichst nicht durch weitere Auflagen eingeschränkt werden.

Auch im Amt Neuhaus wird man derzeit von den Wassermassen erdrückt. Der größte Fluss, die Elbe, macht dort glücklicherweise aber noch keine Probleme. „Momentan haben wir dort erhöhte Wasserstände, aber noch keine Hochwasserlage“, so Ulf Pipping vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Lauenburg, Außenstelle Herrenhof. „Eine Hochwassersituation ist an der Elbe aktuell noch nicht zu erwarten. Das hängt aber auch davon ab, was noch aus Tschechien und  anderen Einzugsgebieten kommt.“  In Boizenburg und Umgebung hat es den Menschen ebenfalls seit Monaten schon die Laune verregnet. So wie hier auf dem Spielplatz in Besitz direkt neben dem Gemeindehaus heißt es derzeit überall in der Region „Land unter“.

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