Körchow : Eine Familie trauert um ihre Anouk

Anouk war lebensfroh, gutmütig und Mittelpunkt der Familie.
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Anouk war lebensfroh, gutmütig und Mittelpunkt der Familie.

Hündin ist innerlich verblutet – Besitzer vermutet gezielte Vergiftung und erstattet Anzeige

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29. Dezember 2016, 21:00 Uhr

Sie ist innerlich verblutet, weil Gift durch ihren Körper strömte. Beim Gedanken an die letzten qualvollen Tage seiner Hündin Anouk zerreißt es Kurt Gehrke das Herz. Tränen schießen ihm in die Augen. Immer wieder greift er zum Taschentuch und schnäuzt. Der Körchower kann nicht fassen, warum das passieren musste. Seine Anouk sei schließlich so ein liebevolles Tier gewesen, das „keinem etwas getan hat“. Doch es ist nicht nur die Frage nach dem Warum, die ihn beschäftigt. „Wer tut so etwas nur?“ Der Tierarzt bestätigt die Vergiftung. Jetzt ermittelt die Hagenower Polizei.

 Als Pflegehund ist der damals sieben Jahre alte Kurzhaar-Collie zu den Gehrkes gekommen und allen schnell „lieb und teuer“ geworden. Den Eltern, Kindern und Enkeln. Als Anouk dann am dritten Advent mittags nur noch lustlos mit spazieren kam, merkte Kurt Gehrke schon, dass etwas nicht stimmte mit dem sonst so lebhaften Tier.  Heute fragt er sich, ob  vielleicht alles anders gekommen wäre, wenn er sofort zum Arzt gefahren wäre. Doch „man vermutet ja nicht gleich so etwas Schlimmes“, pflichtet ihm seine Frau Marita bei. Am Nachmittag waren sie nicht zuhause, am  Abend lag Anouk dann schon völlig regungslos in ihrem Hundebettchen und konnte das Wasser nicht mehr halten. „Da war das Gift schon im ganzen Körper“, sagt Kurt Gehrke.

Gleich Montagfrüh ging es zum Tierarzt nach Wittenburg und später auf Station nach Zarrentin. „Die Tierärztin hatte sofort die Vermutung, dass es Rattengift war“, erinnert sich der Körchower. Und, dass es in Wurst oder Ähnlichem verpackt gewesen  sein muss, sonst hätte es der Hund nicht gefressen. Dass seine Hündin es fälschlicherweise zu sich genommen hat, kann Kurt Gehrke ausschließen.  Er selbst habe nichts ausgelegt. Das Gift muss jemand gezielt auf sein umzäuntes Grundstück geworfen haben – davon ist der Körchower überzeugt.

In so einem Fall rät die Polizei dazu, das ganze nicht zu bagatellisieren, sondern es als Straftat und Verstoß gegen den Tierschutz anzuzeigen. „Wenn wirklich der dringende Verdacht besteht, sollte man dem auch nachgehen“, sagt Polizeisprecher Klaus Wiechmann. Davor sollte sich niemand scheuen. „Wir nehmen das  sehr ernst.“ Anouks Fall liegt derzeit bei der Hagenower Kripo. Die Beamten werden sich den möglichen Tatort anschauen und Zeugen befragen, versichert Wiechmann. Hinweise  bitte an die Polizei.

Im Landkreis kommt es laut Polizei nur selten zu  Anzeigen wegen Tiervergiftungen.  Genauso würden die meisten die ärztliche Untersuchung scheuen, die einen solchen Verdacht bestätigen könnte. Doch auch, wenn es nur Einzelfälle seien, „es gibt diese Zeitgenossen, denen der Nachbarshund zu viel ist“, sagt Klaus Wiechmann. Die Motive reichten vom Tierhasser bis zum Tierquäler. Er kennt auch Vorfälle, bei denen auf Tiere geschossen wurde.

Ob Orte in der Gemeinde Wittendörp oder Vellahn – Kurt Gehrke hat in letzter Zeit von mehreren Vergiftungsfällen gehört. Und „den Leuten ist das vermutlich gar nicht bewusst, was sie den Tieren und den Familien damit antun“, sagt er. Er weiß, es gebe diese Tierhasser. „Aber wenn jemand ein Problem mit einem Tier hat, sollte man das ansprechen“ und nicht auf diese kriminelle Art lösen. Ja, Anouk hat gekläfft. Wie viele andere Hunde im Dorf. „Aber sie war keine Bestie“. Nur neugierig und wachsam. 

Am Ende hat Anouk noch bis Dienstagabend durchgehalten. Sie blutete aus der Nase, hing am Tropf mit Schmerzmitteln. „Es wurde noch alles versucht, aber es war zu spät. Sie wollte auch nicht mehr“, sagt Kurt Gehrke. Die Spritze erlöste sie schließlich von den Qualen. Noch am selben Abend hat die ganze Familie Abschied genommen am kleinen Grab auf dem Hof der Gehrkes. Die Enkelin, der Anouk sogar die Angst vor Hunden nahm, legte einen Abschiedsbrief an den Grabstein.  Alle können immer noch nicht fassen, dass das wirklich passiert ist. „Das hat die ganze Familie schwer getroffen“, sagt Kurt Gehrke und wischt sich mit einem Taschentuch die Augen.

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