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Stippviste in der Tiefe : Eine Fahrt in das Erkundungsbergwerk

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Auf Einladung von MdB Eckhard Pols wollten 20 Besucher - drei von ihnen kamen aus dem Amt Neuhaus - mehr wissen über das Erkundungsbergwerk in Gorleben und trauten sich in die Tiefe. Es ging 840 Meter unter die Erde.

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erstellt am 01.Mär.2012 | 11:12 Uhr

Gorleben | Rein in den roten Overall und in die Arbeitsschuhe, Helm auf, Lampe an und ein recht schweres Sicherheitskit umgehängt (sorgt dafür, dass man bei Feuer und Sauerstoffmangel weiter atmen kann). Und ab in den ziemlich engen, offenen Fahrstuhl. Mit vier bis fünf Metern pro Sekunde geht es dann hinunter in den Salzstock bis zur Erkundungssohle in einer Tiefe von 840 Metern. Auf Einladung von MdB Eckhard Pols wollten 20 Besucher - drei von ihnen kamen aus dem Amt Neuhaus - mehr wissen über das Erkundungsbergwerk in Gorleben und trauten sich in die Tiefe.

"Ich habe schon oft zu einem Besuch nach Gorleben eingeladen. Es geistern so viele falsche Vorstellungen herum und da ist es gut, wenn man sich ein eigens Bild machen kann", so Eckhard Pols.

Deutschland braucht für seine stark radioaktiven Abfälle aus den Atomkraftwerken ein Endlager und untersucht zu diesem Zweck seit 1979 mit einer zehnjährigen Unterbrechung den Salzstock in Gorleben auf seine Eignung.

Denn das, was bisher in den Castorbehältern nach Gorleben gebracht wurde, lagert räumlich vom Erkundungsbergwerk getrennt in einem Zwischenlager (113 lagern schon hier, noch etwa 30 kommen hinzu). Die Castorbehälter werden nur irgendwann in den Salzstock endgelagert, wenn alle geologischen Untersuchungen eine Eignung belegen. Und das kann dauern. Man rechnet mit mindestens 30 bis 40 Jahren, bis klar ist, ob Gorleben sich eignet.

Für eine Million Jahre (Finnland bezieht sich auf 100 000 Jahre), so will es die Politik, muss der Sicherheitsnachweis erbracht werden. Inzwischen sollen auch noch andere Standorte untersucht werden in anderen geologischen Formationen wie Granit und Tongestein. Bis 2018 soll feststehen, welche Standorte dafür in Frage kommen. Das darunter ein zweiter Salzstock, wie er auch im Amt Neuhaus vorkommt, ist, scheint nicht sehr wahrscheinlich, denn die Eignung eines Salzstocks für eine Endlagerung wird ja bereits in Gorleben untersucht. Dafür wurden zwei Schächte in den rund 14 Kilometer langen und vier Kilometer breiten Salzstock hineingetrieben. Die Salzschicht beginnt in einer Tiefe von 240 Metern, die Erkundungssohle liegt in einer Tiefe von 840 Metern. Hier verlaufen die Hauptschächte und bilden in etwa ein Quadrat. Von diesem aus gibt es weitere Bohrungen in die Seiten hinein.

Insgesamt sind bisher etwa acht Kilometer Strecken (Hohlräume) angelegt und geologische und geotechnische Bohrungen mit einer Gesamtlänge von 16 Kilometern erfolgt. Etwa 240 Mitarbeiter sind in drei Schichten mit der Erkundung beschäftigt. So müssen zum Beispiel 2500 Messstellen betreut werden. Von den insgesamt neun Erkundungsbereichen ist erst einer ganz fertig. Wer einfährt, bleibt während seiner Arbeitszeit auch unter Tage. Das brauchten die Teilnehmer der Besuchergruppe nicht. Nach ihrem gut einstündigem Gang durch verschiedene Stollen und sehr ausführlichen Erläuterungen zur Geologie, zu den Messungen und allgemein zur Eignung von Salz als Lager (Salz schließt sich eng um einen Fremdkörper herum) durften sie wieder nach oben ans Tageslicht.

Nach einem Essen in der Kantine gab es noch Gelegenheit, Fragen zu stellen. Die waren zum Teil sehr kritisch und machten deutlich, dass in der "Normalbevölkerung" ein gerüttelt Maß an Misstrauen gegenüber Technik und Wissenschaft bestehen. Einer der Teilnehmer sprach allerdings auch seine Hochachtung vor der Leistung der Bergbauingenieure und Geologen aus. Und Ulf Göldner, einer der Teilnehmer aus Neuhaus, machte gleich einen Besuchstermin für den Verein für Tourismus und Wirtschaft klar.

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