Neuhaus : Eine andere Sicht auf die Teilung

Ein Brief an den ehemaligen Kanzler Helmut Kohl: Der Künstler Karl Schaper hat viele Methoden entwickelt, auf die deutsch-deutsche Teilung zu blicken. Im Neuhauser Pforthaus kann sich ein Bild davon gemacht werden.
Ein Brief an den ehemaligen Kanzler Helmut Kohl: Der Künstler Karl Schaper hat viele Methoden entwickelt, auf die deutsch-deutsche Teilung zu blicken. Im Neuhauser Pforthaus kann sich ein Bild davon gemacht werden.

Ausstellung im Pforthaus stellt die deutsch-deutsche Frage aus der Sicht des westdeutschen Künstlers Karl Schaper dar

svz.de von
16. August 2019, 12:00 Uhr

Die Grenze ist in dieser Region meistens der Zaun - dieses schier unüberwindbare Bollwerk auf dem Deich entlang der Elbe, das Deutschland für viele Jahrzehnte teilte. Sie ist jedoch auch der Moment der Grenzöffnung. Die Flussquerungen in Herrenhof oder Darchau im Jahr 1989 sind da nur zwei Beispiele von vielen. Und die Grenze und die deutsch-deutsche Teilung haben noch viel mehr Facetten.

Davon sind sowohl der Verein für Bürgerbegegnung im Amt Neuhaus als auch Margot Michaelis und Manfred Bannenberg überzeugt. Deswegen zögerten sie auch nicht lange, um im Neuhauser Pforthaus eine Ausstellung mit den Werken von Karl Schaper zu installieren.

Auftakt für die Aktion ist das Museumsfest im Pforthaus, das am Freitag, den 30. August, um 19.30 Uhr beginnen soll. Ab diesem Zeitpunkt sollen die Werke des Künstlers, der in Apelnstedt bei Wolfenbüttel wirkte, bis zum 29. September jeden Sonnabend und Sonntag zu sehen sein.

„Neuhaus ist der passendste Ort für den Beginn dieser Ausstellung“, ist sich Margot Michaelis sicher. Sie stammt aus dem Braunschweiger Raum und hat sich schon lange mit dem Wirken Karl Schapers beschäftigt. „Er ist 1920 geboren, hat den Weltkrieg miterlebt und sich mit seinen Werken im Anschluss auch sehr schnell mit der deutsch-deutschen Frage auseinandergesetzt“, fasst Manfred Bannenberg knapp in Worte, was den Künstler, der im Jahr 2008 verstarb, aus seiner Sicht ausmacht. „Karl Schaper war ein nachdenklicher Mahner und Beobachter“, fügt Margot Michaelis hinzu.

Und gerade hinsichtlich seiner westlichen Sicht auf die Teilung Deutschlands - Aplenstedt liegt nur knapp 20 Kilometer Luftlinie von der Grenze zu Sachsen-Anhalt entfernt - kam den beiden schnell der Gedanke, dass pünktlich zum 30. Jubiläum der Wiedervereinigung in diesem Jahr unbedingt etwas gemacht werden muss.

Neuhaus sei dafür hervorragend geeignet, weil die Gemeinde Amt Neuhaus aufgrund ihrer Rückgliederung zu Niedersachsen im Jahr 1993 ja irgendwie beide Geschichten miteinander vereint, sind sich Margot Michaeleis und Manfred Bannenberg einig. Mit dieser Einstellung haben die Zwei, die ihre Heimat nun in der Nähe von Neuhaus gefunden haben, auch schnell die Verantwortlichen des Vereins für Bürgerbegegnung überzeugt.

Und auch, wenn im Pforthaus noch geräumt und gewerkelt wird, alle Beteiligten freuen sich schon jetzt auf die Eröffnung der Ausstellung. Diese soll wiederum später nicht nur in Neuhaus zu sehen sein. Schließlich sollen die Werke Karls Schapers für viele neue schöne aber auch nachdenkliche Erinnerungen in Bezug auf die Grenzöffnung vor 30 Jahren sorgen.

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