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Hagenower Kreisblatt

19. November 2017 | 08:12 Uhr

Einblicke in die vierte Gewalt

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Wirtschaftstreff fand erstmals in Hagenow statt/ Gäste diskutierten mit Journalisten über Pressearbeit und deren Wandel

„In den vergangenen Wochen habe ich gelernt, dass man zu einem leeren Glas Wasser auch sagen kann, es sei voll“, so eröffnete Kai Lorenzen, der Vorstand der Sparkasse Mecklenburg-Schwerin, am Mittwochabend den traditionellen Wirtschaftstreff der Region Westmecklenburg. Er spielte damit auf Aussagen des neuen US-Präsidenten Donald Trump und seine „alternativen Fakten“ an, denn der Titel der Veranstaltung in diesem Jahr hieß „Medienfreiheit und ethische Verantwortung der Presse“. Dass die Arbeit der vierten Gewalt im Staat, wie die Presse auch oft genannt wird, viele Menschen interessiert, zeigte sich auch an den rund 60 Gästen. Der Regionalmarketingverein Mecklenburg-Schwerin und die Sparkasse hatten sie erstmalig nach Hagenow geladen, denn eigentlich findet der Treff jährlich in Schwerin statt.

Die Entwicklungen in der Türkei, Russland und den USA zeigen, wie aktuell das Thema ist, hieß es von den Organisatoren. Sie fragten: Wie kann man unter solchen Voraussetzungen seine Arbeit machen?

Was dort passiert sei schon bedenklich, so Joachim Böskens, Chefredakteur beim NDR in Schwerin. „Trump führt einen Kampf gegen die Presse, mit offenem Visier. Das ist eine neue Situation.“ Aber auch ohne Trump habe sich die Pressearbeit verändert, vor allem durch das Internet. „Im Netz gibt es sehr viele Quellen und jeder kann sich seine Meinung aus ihnen holen, auch aus fragwürdigen.“ Das Vertrauen in diese sei aber groß. „Das ist wahr. Das habe ich im Internet gelesen“, so werde mittlerweile argumentiert. „Deshalb brauchen wir gute Journalisten, die diese Quellen einordnen können.“ Das sei aber teuer. Eine gute Ausbildung koste Geld und es sollte auch nicht an Redakteursstellen gespart werden. Das meinte auch Andreas Gruczek, Geschäftsführer der Zeitungsverlag Schwerin GmbH & Co. KG. „Wir sind ohnehin am nächsten an den Menschen dran. Unser Unternehmen baut momentan nicht weiter Stellen ab, sondern auf“, so Gruczek.

„Fehler passieren aber immer“, so Böskens weiter. „Die Medien sind nicht unfehlbar, Da müssen wir auch unser eigenes Bild überarbeiten und selbstkritisch sein.“ Das habe in der Vergangenheit oft gefehlt, stimmte dem Sylvia Bleßmann vom ZDF Landesstudio in Schwerin zu. So zum Beispiel zu Beginn des Ukrainekonflikts. „Da gab es Fehler in der Berichterstattung und wir haben zu lange gebraucht um sie einzugestehen.“ Auch die Kölner Silvesternacht sei so ein Fall. Das hätte dem Ansehen der Journalisten geschadet, was zu Veränderungen geführt habe. „Man wird nicht mehr mit offenen Armen empfangen.“

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