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Brandruine: Kulturhaus "Kurt Bürger" in Boizenburg : Ein Zeitzeuge vor ungewisser Zukunft

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Es war einmal. So fangen viele Geschichten an, in denen dann zumeist jemand glücklich bis zu seinem Ende lebt. Das ehemalige Kulturhaus "Kurt Bürger" in Boizenburg scheint an diesem Punkt angekommen zu sein.

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erstellt am 02.Aug.2013 | 05:36 Uhr

Boizenburg | Es war einmal. So fangen viele Geschichten an, in denen dann zumeist jemand glücklich bis zu seinem Ende lebt. Das ehemalige Kulturhaus "Kurt Bürger" scheint an diesem Punkt angekommen zu sein. Geht es nach Lutz Eichel, hatte ein Großbrand am Morgen des 6. November 2006 das Schicksal des 1952 eingeweihten Gebäudes endgültig besiegelt. Das Feuer vernichtete das "Kulti". Zurück blieb bis heute eine Brandruine.

Drumherum regt sich seit 2011 Bautätigkeit. Bis Ende 2015 will die ewp-Gruppe aus Wittenburg, laut Angaben ihres Projektmanagers Lutz Eichel, an diesem Standort rund zehn Millionen Euro in 86 behindertengerechte Wohnungen unter den Dächern von fünf Dreigeschossern investiert haben. Das "Kulti" soll vom Erdboden verschwinden, weil ein Wiederaufbau nach altem Vorbild nicht zu finanzieren sei. Lutz Eichel hofft, die traurigen Überreste des früher so beliebten Anlaufpunktes abreißen zu dürfen. Der entsprechende Antrag ist längst gestellt.

Totgesagte leben länger, sagt dagegen Christina Wiener. Sie kann und will nicht glauben, dass sich die Boizenburger einfach so von einem Gebäude verabschieden, welches für das Bild vom Bahnhof, vielleicht auch sogar der ganzen Stadt, mitbestimmend ist. Schließlich habe das Kulturhaus viele Elbestädter während ihrer Kindheit, Jugend und im weiteren Leben begleitet. Mit dem "Kulti" verbindet Christina Wiener viele Erinnerungen an schöne und emotionale Momente. Hier hat sie Schulfeiern gehabt und ihr Abiturzeugnis bekommen. Ihre Schwester wurde dort eingeschult, etliche Freunde feierten dort ihre Jugendweihe. Das "Kulti" ist ein Stück Geschichte von Boizenburg. Wenn es tatsächlich abgerissen würde, würde etwas fehlen, sagt sie.

Die Denkmalpflege stimmt ihr zu: Das Boizenburger Kulturhaus besitzt einen Zeugniswert für die Geschichte der DDR und die Entwicklung der Architekturgeschichte im geteilten Deutschland in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, lautet der Grund, warum es unter Denkmalschutz steht. Ein Baudenkmal muss nicht zwingend uralt sein, es könne auch in relativ kurzer Zeit, beim "Kulti" sind es 56 Jahre, prägend für die Entwicklung und das Bild einer Stadt sein.

Somit steht ein Zeitzeuge vor einer ungewissen Zukunft. Christina Wiener reagiert darauf verständnislos. Dass der jetzige Zustand des Kulturhauses unbefriedigend ist, sei für sie genauso unstrittig, wie der bestehende Handlungsbedarf. Allerdings sehe sie nicht ein, warum ein Abriss die einzige Möglichkeit sein soll. Sie würde wohl glauben, dass eine Sanierung oder ein Umbau des Hauses mehr kostet, als Abriss und Neubau. Der Investor hätte aber gewusst, dass er ein denkmalgeschütztes Gebäude erwirbt. Und bei Denkmalschutz handele es sich bekanntermaßen um eine Aufgabe im Interesse des Gemeinwohls von hohem Rang.

Vor allem deshalb empfände sie es als sehr bedauerlich, dass sich die Stadt, ihrer Wahrnehmung nach, nicht energischer für die historische Bausubstanz im Allgemeinen sowie am Bahnhof im Speziellen und hauptsächlich für das Kulturhaus einsetzen würde.

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