20 Fragen : Ein Urlaub veränderte ihr Leben

Heike Nörenberg mit einem afrikanischen Jungen, der dank ihr wieder hören kann
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Heike Nörenberg mit einem afrikanischen Jungen, der dank ihr wieder hören kann

Heike Nörenberg betreut ein Kinderhilfsprojekt in Uganda und Tansania / Die Freude der Kinder aus Afrika rührte sie zu Tränen

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04. Juli 2015, 15:00 Uhr

„Wenn Kinder das erste mal in ihrem Leben Geräusche hören können, Wörter nachsprechen und mich dann glücklich mit großen Augen anschauen, ist es so emotional, dass mir selbst die Tränen kommen“, erzählte die Hörakustikmeister Heike Nörenberg aus Hagenow.

„2009 war ich in Uganda im Urlaub, dort sind mir die schrecklichen Zustände aufgefallen. Viele behinderte Kinder werden in Ostafrika ausgegrenzt und dürfen nicht zur Schule gehen, obwohl einige schlaue Köpfe dabei sind.“ Daraufhin habe sie Kontakt zu den Gehörlosenschulen in Bukoba, in Tansania und in Kampala, in Uganda aufgesucht und ihr Hilfsprojekt ins Leben gerufen. Mittlerweile habe sie schon über 300 Kinder mit Hörgeräten ausgestattet und auch Sonderpädagogen geschult. Denn die Ohrstücke müssten individuell angepasst werden. Die Hagenowerin könne leider nicht immer vor Ort sein, aber im Oktober gehe es wieder nach Ostafrika.

SVZ-Mitarbeiter Christian Kleiber stellte der 51-Jährigen im „Hörakustik Laden“ die bei vielen unserer Leser so beliebten Fragen zum Wochenende.


Wie lautet Ihr Lebensmotto? Ein einziges Lebensmotto habe ich eigentlich nicht. Ich habe viele verschiedene, die je nach Situation zum Tragen kommen. Aber „Hakuna Matata“ ist ein doch wichtiges Lebensmotto für mich. Ein Spruch aus dem afrikanischen Swahil: Es gibt keine Schwierigkeiten

Wo ist Ihr Lieblingsplatz?
In Schaliß, direkt am Schaalsee

Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
Mit Papier und Flaschen sammeln.

Und wofür haben Sie es ausgegeben?
Für Rollschuhe (meine Freundin und ich haben auf der Beton-Tanzfläche im Schrebergarten Tänze einstudiert - es war herrlich) und für das damalige Jugendmagazin „Neues Leben“, welches heiß begehrt war.

Wo findet man Sie am ehesten?
In meinen Filialen in Hagenow und Wittenburg.

Was stört Sie an anderen?
Oberflächlichkeit und Ignoranz

Wer ist Ihr persönlicher Held?
Das ist mein Vati. Er hat mir damals (1990) nahe gelegt nach Lübeck an die Akademie für Hörgeräteakustik zu gehen, um dort mein Wissen zu erweitern und meinen Hörakustikmeister abzulegen. Somit war der Grundstein für meine Selbstständigkeit gelegt. Danke Papa für deine Weitsicht. Mein Vater wusste schon damals, dass der Ohren-und Hörgerätekunde mein ganzes Interesse galt und wie wichtig dieser Schritt für mich werden würde. Meine Eltern haben meinem Mann und mir zur Seite gestanden und unsere beiden Töchter in der Zeit liebevoll umsorgt.

Was würden Sie gerne noch können?
Ich würde gerne professionell fotografieren können. Mich interessiert vor allem die Tier-und Makrofotografie.

Was bedeutet Ihnen persönlich Glück?
Viele Faktoren können das Glück beeinflussen. Es ist ein Zusammenspiel von bewusst getroffenen Entscheidungen und Zufällen. Glück ist Geborgenheit für mich, sich zu Hause zu fühlen, eine Familie und tolle Freunde zu haben. Aber auch, wenn mich meine Ridgebackhündin freudig begrüßt, wenn ich von der Arbeit nach Hause komme.

Wen würden Sie gerne mal treffen?
Sarah Neef, eine gehörlose Diplom-Psychologin, die die Lautsprache der Hörenden erlernt und mehrere Sprachen spricht. Mich beeindruckt vor allem ihr unerschütterlicher Glaube an das Machbare. Sie hat trotz Ihrer Gehörlosigkeit Karriere gemacht. Ich möchte gern mehr über ihren Weg erfahren und über ihren großen Willen und über ihre Kraft, das alles zu meistern, mit ihr reden.

Was findet man immer in Ihrem Kühlschrank?
Bauernkäse, Zörbiger Rübensirup, Sojasoße für Sushiabende, frisches Obst und Gemüse und natürlich Schokolade

Wenn Sie kochen oder essen gehen, welche Küche bevorzugen Sie?
Ich esse gerne Fisch in allen Variationen, frisch aus unserem Schaalsee hier in Zarrentin.

Worauf könnten Sie niemals verzichten?
Ich bin ein absoluter Familienmensch. Ich genieße die Zeit mit meiner Familie und meiner Hündin Bongana. Das ist mir sehr wichtig. Das gibt mir Kraft. Darauf könnte ich niemals verzichten.

Welchen Traum wollen Sie sich noch erfüllen?
Ein großer Traum ist es für mich, mein Projekt ,Hörgeräte für Kinder in Ostafrika’ nachhaltig zu machen. Ich wünsche mir, dass sich das großartige Projekt in Uganda und Tansania, was momentan einzigartig in Ostafrika ist, weiterentwickelt und festigt, um noch vielen schwerhörigen Kindern mit Hörgeräten ein selbstbestimmteres Leben zu ermöglichen.

Können Sie sich mit nur einem Wort beschreiben?
Nein, das ist eigentlich unmöglich. Außerdem ist es schwer sich selbst zu beschreiben. Ich versuche es mal: zuversichtlich, hilfsbereit und offenherzig.

Wo ist für Sie Heimat?
Ich bin gebürtig aus Sachsen Anhalt. Jedoch ist Mecklenburg seit mehr als 25 Jahren meine Heimat. Ich liebe die Natur um den Schaalsee und vor allem auch die wunderbaren Alleen.

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten?
Die sind schon erfüllt: toller Mann, tolle Töchter, toller Hund. Wichtig sind natürlich Gesundheit für meine Familie und mich. Dann würde ich gern alle schwerhörigen Kinder in Afrika mit Hörgeräten versorgen. Außerdem wünsche ich mir, dass alle Menschen friedlich miteinander leben.

Welches Buch lesen Sie gerade?
Im Rhythmus der Stille, von Sarah Neef, Wie ich mir die Welt der Hörenden eroberte’. Das Buch ist sehr ergreifend. Es erzählt unter anderem die Geschichte einer Gehörlosen Balletttänzerin, die die Musik als Schwingung auf der Haut fühlt.

Verraten Sie uns etwas, was kaum jemand über Sie weiß?
Ich liebe Wortspielereien wie zum Beispiel: Eile mit Weile, wer rastet der rostet, Urbi et orbi.

Wem sollten wir diese Fragen ebenfalls stellen?
Simone Förster, eine Powerfrau die alle Fäden im Hagenower Freizeit Haus ,Sausewind’ in der Hand hält.
 

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