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Zukunftszentrum Nieklitz : „Ein toller Platz für Projekte“

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Knapp 200 Besucher kamen zum Tag der offenen Tür im Zukunftszentrum. Die Genossenschaft „Wir bauen Zukunft“ stellte ihre Ideen und Pläne vor.

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erstellt am 21.Aug.2017 | 08:00 Uhr

Sie haben es erhofft, erwartet wohl aber eher weniger. Am Sonnabend erlebte das kleine Dorf Nieklitz einen, für seine Verhältnisse, wahren Besucheransturm. Gut 200 Interessierte hatten sich auf den Weg in den ehemaligen Zukunftspark gemacht. Die Genossenschaft „Wir bauen Zukunft“, die seit gut einem Jahr Eigentümer des Geländes ist, hatte zum Tag der offenen Tür geladen. „Wir möchten mit den Menschen in der Umgebung in Kontakt kommen“, sagt Ute Rohrbeck von der Genossenschaft. „Außerdem möchten wir zeigen, was wir hier machen. Damit es keine brodelnde Gerüchteküche gibt“. Denn Gerüchte kämen doch immer auf, wenn Menschen etwas hinter hohen Zäunen machen würden.

Was auf dem ehemaligen ZMTW–Gelände passiert, interessiert allerdings nicht nur die Anwohner aus der näheren Umgebung. Zum Tag der offenen Tür reisten Besucher auch aus Hamburg, Berlin und Niedersachsen an. Gespannt waren sie vor allem auf den Vortrag von Paula Kemink. Die Architekturstudentin hatte sich in ihrer Masterarbeit mit dem Gelände beschäftigt und einen Nutzungsplan, wie sie sagt, für die kommenden 15 bis 20 Jahre erstellt.

„Es müssen verschiedene Bereiche in dem Gelände Platz finden: für Gäste, Seminare, Werkstätten. Außerdem brauchen die Leute, die hier leben einen Rückzugsort“, erklärt Paula Kemink ihren Plan. „Der südliche Bereich soll öffentlich sein. Im Norden möchten wir Pufferzonen, also Rückzugsbereiche, schaffen.“ Daneben müsse es auch Plätze geben, an denen die Bewohner experimentieren können, zum Beispiel an Methoden für den Gemüseanbau. Das Zukunftszentrum sei ein Leuchtturmprojekt und vielleicht auch irgendwann Vorbild für andere.

„Der Park ist ein toller Projektplatz um Ideen zu realisieren“, so Architekt Ralf Müller, aber nicht nur für die Genossenschaft, sondern alle. „Wenn Sie Ideen haben, können sie diese gerne hier umsetzen.“ Natürlich müssten diese den Prinzipien der Gruppe entsprechen. Denn die gut 40 Zukunftsbauer, die sich um das Gelände kümmern, haben sich auf einen gemeinsamen Wertekanon geeinigt. Er umfasst unter anderem ein verantwortungsbewusstes Miteinander, Wertschöpfung für Mensch und Natur sowie nachhaltiges Unternehmertum, Planen und Bauen.

Wie sich die Genossenschaft Letzteres vorstellt, konnten sich die Besucher bei Führungen durch den 10 Hektar großen Park anschauen. Von den Groß-Modellen die Professor Bernd Heinemann für „sein“ Zukunftszentrum Mensch – Natur – Technik – Wissenschaft (ZMTW) aufstellen ließ, ist allerdings nicht mehr viel zu sehen. Die Exponate wurden zum Teil noch von ihm abgebaut oder sind mit Pflanzen überwuchert. Dafür entstehen an anderen Stellen durchaus vorzeigbare Bauten. So arbeitet Jost Völker gerade an einer Wohn–Jurte für sich und seine Freundin. Andere sind dabei sich ehemalige Bauwagen zu„tiny houses“, also kleinen Häusern, mit 18 Quadratmetern Wohnfläche, umzubauen. Dabei wird auf ökologische Baustoffe gesetzt. Oder, wie im Fall von Hanna, auf upcycling. „Ich finde es nicht in Ordnung, wenn man Sachen wegwirft, die man nicht mehr braucht oder die kaputt sind. “ Deshalb versuche sie diese scheinbar nutzlosen Stoffe anderweitig zu verwenden. Zum Beispiel für den Bau von Schlafkojen, wie sie es gerade im „Wabenhaus“ macht, dem Seminar– und Veranstaltungsgebäude auf dem Gelände. Dort nimmt sie unter anderem alte Aktenordner als Dämmung zwischen den einzelnen Schlafplätzen, „damit man nicht das Schnarchen vom Nachbarn hört.“ Und diese Schlafplätze sind auch dringend nötig.

Anfang September findet im Zukunftszentrum ein Seminar-Camp statt. „Mit dem Inhalt haben wir nichts zu tun“, erzählt Ute Rohrbeck. „Wir bieten den 40 Machern und Seminarteilnehmern aber die Räume an.“ Und damit alle auf dem Gelände knapp eine Woche wohnen, arbeiten und schlafen können, wird derzeit noch fleißig gebaut. Nicht nur für das Seminar, sondern nachhaltig. Denn ganz nach den Prinzipien hat sich die Genossenschaft Gedanken darüber gemacht, was wirklich gebaut werden muss und wie es weiter genutzt wird.

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