Boizenburg : Ein Septembertag, der verbindet

Ursula und Werner Kucht (vorn) im Kreise ihrer Familie: v. l. Enkel Andreas, Tochter Renate, Schwiegersohn Peter, Enkelin Kerstin mit Ehemann Uwe, die Urenkelinnen Franziska und Katharina.  Fotos: Kfri
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Ursula und Werner Kucht (vorn) im Kreise ihrer Familie: v. l. Enkel Andreas, Tochter Renate, Schwiegersohn Peter, Enkelin Kerstin mit Ehemann Uwe, die Urenkelinnen Franziska und Katharina. Fotos: Kfri

Am 22. September wurden in Boizenburg gleich zwei besondere Hochzeitstage gefeiert: eine Gnadenhochzeit und eine Eiserne Hochzeit

svz.de von
22. September 2015, 18:20 Uhr

So mancher hat noch nicht einmal den Namen für dieses Jubiläum gehört - Gnadenhochzeit - so selten ist ein 70. Hochzeitstag. Ursula und Werner Kucht aus Boizenburg konnten dieses außergewöhnliche Jubiläum gestern gemeinsam mit ihrer Familie feiern, am 22. September 1945 gaben sie einander das Ja-Wort. Das war auch Anlass für Landrat Rolf Christiansen und Bürgermeister Harald Jäschke, Glückwünsche und Blumen zu überbringen.

„Wir haben uns 1943 im Lazarett in Ludwigslust kennengelernt“, erzählt Ursula Kucht, die noch erstaunlich fit für ihr Alter wirkt, beim gemeinsamen Kaffeetrinken. „Ich habe dort auf der chirurgischen Frauenstation gearbeitet und Werner lag dort wegen einer Verwundung. Er ist in Russland von einem Bombensplitter in der Halswirbelsäule getroffen worden, sein rechtes Bein war gelähmt und er konnte kaum laufen. Ein gemeinsamer Kumpel hat mich gefragt, ob ich nicht mal mit Werner ins Kino gehen könnte, er selbst hätte keine Zeit. Das habe ich dann gemacht.“ An den Film kann sie sich nicht mehr erinnern, offensichtlich war sie zu sehr abgelenkt von Werner. Die beiden wurden ein Paar und heirateten zwei Jahre später. Seit 58 Jahren leben sie in Boizenburg im Elternhaus von Ursula Kucht, Werner Kucht stammt aus Marsow. Den größten Teil ihres Arbeitslebens haben beide beim Schuster Salmann verbracht, wo sie als Zwicker beschäftigt waren. Werner Kucht hat sich nie ganz von seiner Kriegsverwundung erholt, aber er konnte später sogar laufen und Fahrrad fahren. Heute sitzt er im Rollstuhl und wird von seiner Frau gepflegt, mit tatkräftiger und liebevoller Unterstützung von Tochter Renate, die dafür extra aus Schwerin nach Boizenburg gezogen ist. Nach dem Geheimnis ihrer langen Ehe gefragt, sagt Ursula Kucht: „Wenn die 70 Jahre noch vor mir liegen würden, würde mir das lang vorkommen. Rückwärts betrachtet ist die Zeit viel zu schnell vergangen. Und es war so schön! Schön ist auch, dass wir eine so tolle Familie sind.“

Auch Rudolf und Ruth Schultz aus Wiebendorf haben am 22. September geheiratet. Das Paar gab sich vor vor 65 Jahren das Eheversprechen und feierte gestern die Eiserne Hochzeit im ASB-Seniorenheim, wo Ruth Schultz gepflegt wird. Diese beiden haben sich 1947 beim Tanz in Tessin kennen gelernt, erzählte Rudolf Schultz. „Ich hab sie aufgefordert, obwohl ich gar nicht tanzen konnte.“

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