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Hagenower Kreisblatt

23. November 2017 | 10:40 Uhr

Hagenow : „Ein Reh kommt selten allein“

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Uwe Mathews, Leiter des Polizeireviers Hagenow, klärt über die Gefahren und das richtige Verhalten bei Wildunfällen auf

svz.de von
erstellt am 30.Okt.2017 | 21:00 Uhr

Viele Autofahrer kennen das Problem – man fährt abends in der Dunkelheit durch das kleine Waldstückchen nach Hause, als plötzlich ein Reh die Straße überquert. Ein instiktiver Impuls rät den meisten Fahrern dazu, das Lenkrad direkt rumzureißen, um dem Tier auszuweichen. Das ein solches Verhalten jedoch genau das Falsche ist und wie man sich nach einem Wildunfall bestmöglich verhält, erklärt Uwe Mathews, Leiter des Polizeireviers Hagenow, im SVZ-Gespräch.

Über 40 Wildunfälle hat das Revier Hagenow allein im Oktober diesen Jahres gemeldet bekommen – und das nur in ihrem Zuständigkeitsbereich. Die Tage werden wieder kürzer, die Nächte länger und wie Mathews bestätigt, geschehen die meisten gemeldeten Wildunfälle nachts und in der Morgendämmerung. Dennoch könne er keine Jahreszeit nennen in der sich die Anzahl der Wildunfälle in der Region auf einem Höhe- oder Tiefpunkt befände. „Wir sprechen nicht von einer Wildsaison bei uns, denn wir sind eine Wildregion“, so der Dienststellenleiter.

„Ich muss ständig damit rechnen, dass Wild die Fahrbahn überquert. Und wenn ich weiß, dass in der Gegend, in der ich unterwegs bin, häufiger Wildwechsel sind, dann heißt das, dass ich auch meine Geschwindigkeit dementsprechend anpassen muss“, lautet Mathews Rat an alle Fahrzeugführer. Zu Hupen oder das Fernlicht anzuschalten könne zwar helfen, falls ein Reh oder sonstiges Wild die Straße überquert, aber eine Garantie dafür, dass das Tier dann auch tatsächlich verschwindet, sei dies auf keinen Fall. „Helligkeit ist gut – es ist aber kein Allheilmittel, denn das Wild hält sich nicht an unsere Spielregeln“, erklärt Uwe Mathews, „das Wild hat eigene Gesetze. Es bewegt sich und achtet nicht darauf, ob es dabei eine Straße überquert.“

Außerdem gäbe es eine Regel, die jeder Autofahrer beachten sollte: „Ein Reh kommt selten allein.“ Demnach sollten Autofahrer, die Rehe oder anderes Wild entdecken, vorsorglich den Fuß vom Gas nehmen, da das Tier vermutlich nicht allein, sondern in einer Herde unterwegs ist.

Doch was kann man tun, wenn ein Zusammenstoß trotz allem unvermeidbar scheint? „In so einem Fall, sollte man es auf eine bewusste Kollision ankommen lassen“, rät der Experte, „auf keinen Fall das Lenkrad rumreißen, sondern fest in den Händen halten, kontrolliert bremsen und die Kollision geschehen lassen.“ So könne verhindert werden, dass weiteren Verkehrsteilnehmer bzw. den Fahrzeuginsassen selbst größere Schäden zugefügt werden. Dass in einem solchen Fall nicht der Instinkt gewinnt, der einen dazu bringen will, dem Wild auszuweichen, könne man trainieren, meint Mathews. Entsprechende Kurse würden beim ADAC oder einigen Fahrschulen angeboten werden.

Nach einem Wildunfall sollten Autofahrer versuchen, nicht in Panik zu geraten, sondern sich in Ruhe die kommenden Schritte überlegen. „Wenn es gekracht hat, dann auf jeden Fall erstmal Luft holen“, empfiehlt Uwe Mathews. Wenn möglich sollte das Auto von der Straße gebracht werden. Alle Fahrzeuginsassen sollten Warnwesten tragen, die Warnblinkanlage anschalten und das Warndreieck aufstellen. Davon auszusteigen, um nach den Tieren zu sehen oder diese gar selbst von der Straße zu räumen, rät Uwe Mathews eindringlich ab. Schließlich wüssten die Tiere in einem solchen Fall nicht, dass man ihnen nur helfen wolle und könnten den Fahrzeugführer oder -insassen angreifen. Außerdem könnten ungeachtet dessen, ob das Tier bei der Kollision gestorben oder lediglich verletzt wurde, Krankheiten übertragen werden, meint der Dienststellenleiter.

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