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Hagenower Kreisblatt

21. September 2017 | 01:47 Uhr

Hagenow : Ein Pfarrer in Soldatenstiefeln

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Gundolf Brosig ist Kirchenmann mit Militärausbildung. Seit 2015 lebt er in Hagenow, im August geht es das erste Mal in den Auslandseinsatz

von
erstellt am 26.Feb.2017 | 10:40 Uhr

Tief in seiner Brust schlägt ein Soldatenherz. Und so legt Pfarrer Gundolf Brosig auch gerne mal sein Kirchengewand ab, schnürt die Uniform-Stiefel und marschiert mit Hagenower Soldaten durch Wald und Flur. Das weckt den sportlichen Ehrgeiz des katholischen Theologen. Andererseits „ist die Hemmschwelle geringer“, sagt der 54-Jährige. Man komme ganz beiläufig ins Gespräch, die Soldaten erzählen viel freier. Genauso locker und unbeschwert geht er auch nach dem Gelöbnis-Gottesdienst am Mittwoch in der Sankt Elisabeth Kirche auf die jungen Männer zu. Sie erzählen ohne Scheu von ihrer anstrengenden Grundausbildung und die mögliche Zukunft in der Bundeswehr.

Und genau das ist für Gundolf Brosig wichtig. Seit Juni 2015 kümmert sich der gebürtige Bückeburger als Militärpfarrer in der Hagenower Ernst-Moritz-Arndt Kaserne um die großen und kleinen Sorgen der Soldaten. Manchmal geht es um schwere Kriegs-Traumata, manchmal um Alltägliches wie familiäre Sorgen, immer aber ums Zuhören. „Darüber reden hilft, dann ist vieles schon leichter“, sagt er. Sie könnten mal abschalten, abtauchen. „Das hilft, schwierige Phasen zu überstehen.“

Ganz entscheidend dabei: „Ein Pfarrer beurteilt nicht. Was gesprochen wird, bleibt unter uns“, erklärt Gundolf Brosig. Oft gehe es beim Militär um Karriere, Hierarchien und Beurteilungen. Er sei da außen vor. Wenn es allerdings gewünscht wird, vermittelt er auch schon mal zwischen Soldat und Vorgesetztem. Gerade im Auslandseinsatz sei es wichtig, dass da jemand zum Zuhören ist, sagt auch Oberstleutnant Domenic Jura. Der stellvertretende Kommandeur des Hagenower Bataillons weiß, dass es gerade in Extremsituationen jemanden Neutralen braucht, um sich zu öffnen. „Das gibt den nötigen Halt“, berichtet er aus eigener Erfahrung. Und Gundolf Brosig habe diese besonders ruhige Art und gehe offen auf die Soldaten zu. „Als ob er es merkt, dass da irgendwelche Probleme sind.“ Dabei spiele die kirchliche Mission keine Rolle, es gehe um den Menschen. „Wir sind froh, dass wir ihn haben. Das passt einfach“, sagt Domenic Jura. Zudem ergänze sich Gundolf Brosig gut mit dem evangelischen Militärpfarrer der Kaserne.

Seine Arbeit beschreibt der Neu-Hagenower als wohltuend. Vor allem, weil er sich hier so viel Zeit für die Menschen nehmen kann. „Das ist viel entspannter als in der Zivilseelsorge“, sagt er. Zudem hält er Gottesdienste, Trauungen und Taufen ab, organisiert Familienwochenenden, um die Gemeinschaft zu stärken, und hält ethischen Unterricht, der Soldaten leert, verantwortlich und korrekt zu handeln, auch unter Stress.

Doch der Kirchenmann aus dem Bistum Hildesheim hat lange um so eine Stelle kämpfen müssen. Bis es vor etwa zwei Jahren klappt und ihn sein Bischof ziehen lässt. „Es war immer mein Wunsch, für ein paar Jahre in die Militärseelsorge zu gehen“, sagt Gundolf Brosig. Er fühlt eine gewisse Verbundenheit mit der Armee. Nicht nur, weil Soldaten durch die Auslandseinsätze indirekt auch „für unsere Stabilität und Demokratie sorgen“, und das sei sehr zu würdigen. Er absolviert als junger Mann auch selbst eine Militärausbildung, will damals unbedingt in den Fliegerdienst. Doch ob das wirklich klappt, ist damals wage. Deshalb entscheidet sich der Bückeburger für ein Theologiestudium. Denn auch der Kirche fühlt sich Gundolf Brosig schon immer sehr nahe.

Dass er nun beides verbinden kann, stimmt ihn zufrieden. Er könnte sich sogar vorstellen, die auf zunächst sechs Jahre begrenzte Amtszeit in Hagenow um weitere sechs zu verlängern. Mit etwas Glück sei das möglich, erklärt der Pfarrer, der eigentlich fest mit seinem Heimatbistum verbunden ist.

Doch seine Arbeit beginnt jetzt erst richtig. Denn ein Militärpfarrer ist vor allem auch dafür da, die Soldaten im Auslandseinsatz zu begleiten. Denn „da ist die Not am größten“. Die lange Trennung von der Familie, gefährliche Erlebnisse, Tote: manches sei fast unerträglich für die Männer und Frauen. Und das verändere einen Menschen. Jeder komme anders aus einem Einsatz zurück, als er hin geht. Über Monate ist der Seelsorger auf diese Mission vorbereitet worden. Mitte August geht es für ihn das erste Mal ins Krisengebiet, für mehrere Monate nach Mali. Mit welchem Gefühl? „Da ich selbst Soldat bin, gehe ich relativ entspannt hin“, sagt er. Mit Respekt zwar, aber nicht mit Angst. Er wisse um die Gefahren, erzählt von Sprengfallen und anderen „schrecklichen Dingen“. Aber er vertraue auf die Fähigkeiten, die Umsicht und die Sensibilität der Soldaten um ihn.

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