Lebenshof Banzin : Ein Paradies für „genutzte“ Tiere

Die beiden Tierschützer mit den Schafen Max und Moritz sowie dem Hund Zeus auf dem Lebenshof in Banzin.   Fotos: Mayk Pohle
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Die beiden Tierschützer mit den Schafen Max und Moritz sowie dem Hund Zeus auf dem Lebenshof in Banzin. Fotos: Mayk Pohle

Engagierte Tierschützer mit Augenmaß bauen in Banzin einen „Lebenshof“ für Nutztiere auf und können sich auf viele Helfer verlassen

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05. August 2015, 08:00 Uhr

Die Aufgabe, die sich Tanja Günther (46) und Jürgen Foß selbst gestellt haben, ist gigantisch, die Idee überzeugend. Während es für Haustiere zumindest Tierheime gibt, kümmert sich um die Nutztiere, die nicht mehr gebraucht werden, niemand. Jetzt entsteht auf dem ehemaligen NVA-Armeestützpunkt bei Banzin in perfekt abgelegener Lage ein „Lebenshof“ für diese Tiere, und das auf mehr als 13 Hektar. Das Ganze passiert mit Unterstützung und unter dem Dach der vor wenigen Jahren gegründeten Stiftung Tiernothilfe und mit maßgeblicher Hilfe von „Animal Rights Watch.“ Den Begriff Gnadenhof hören die beiden engagierten Tierschützer, die auch jahrelang in normalen Tierheimen gearbeitet haben, nicht so gern. Weil es nicht darum gehe, zu begnadigen. Vielmehr sollen Schafe, Schweine, Hühner, Rinder hier möglichst unversehrt mit Menschen leben können. Daran haben der Diplomphysiker und die Tierpflegerin hart gearbeitet. Inzwischen ist der Hof soweit vorbereitet, dass die ersten Tiere „einziehen“ können. Das riesige Areal umgibt ein stabiler Zaun, die ersten Weideflächen sind vorbereit und auch Ställe existieren schon. Zum Beispiel für die Schafe, die Max, Moritz oder Mupfi heißen und für die z. B. Patenschaften abgeschlossen werden können. Denn eines wollen die beiden Aktivisten, die sich in der Aufbauphase auf viele Helfer und auch einige Praktikanten verlassen konnten, nicht. Mit ihrem Projekt allein sein. Im Gegenteil, jetzt da die Aufbauphase sich dem Ende nähert, wollen sie vermehrt in die Öffentlichkeit gehen. Freunde und Unterstützer gewinnen. So gibt es z. B. am 15. August auf dem Gelände einen veganen Backtag und zugleich einen großen Arbeitseinsatz. Denn Arbeit gibt es auf dem Gelände weiterhin ohne Ende. Einige der früheren Bunker sind schon zu Ställen umgebaut worden. Andere Liegenschaften harren noch ihres Umbaus.

Zentrales Projekt soll aber ein Seminar- und Schulungszentrum werden, das sich noch in der Planung befindet. „Dass nicht nur Schweine, Schafe, Puten, Hühner und andere ehemals genutzte Tiere friedlich und befreit im Land der Tiere leben werden, sondern in diesem speziellen Umfeld auch politische Arbeit für die Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung stattfinden wird, macht das Projekt besonders interessant“, sagt Achim Stammberger, Vorsitzender von Animal Rights Watch. Das an den Lebenshof angegliederte Seminarhaus soll aus einem älteren Gebäude mit 600 Quadratmeter Grundfläche entstehen, welches umfassend saniert und umgebaut werden muss. Zwei Seminarräume und 25 Betten sind geplant, heißt es dazu auf der Internetseite.

Wobei die Organisatoren wissen, dass sie mit ihren Ideen gerade in Mecklenburg nicht überall auf Gegenliebe stoßen. Und doch wollen sie in dem Vellahner Ortsteil ein Heim für Nutztiere entstehen lassen und werden bisher von den Nachbarn gut angenommen. „Zeus“, ein großer Hund und Wächter des Grundstückes, ist von Anfang an dabei. Sein Schicksal wird auf der Internetseite des Projektes so beschrieben:

„Als Zeus von seiner Familie in Spanien beim Auszug zurückgelassen wurde, war er etwa fünf Jahre alt. Extrem abgemagert wurde er dann von einer Tierschützerin gefunden. Die nächsten zwei Jahre verbrachte er im Tierheim – und niemand wollte ihn adoptieren. Die Vermittlungschancen eines so großen Herdenschutzhundes, der noch dazu ein Rüde und alt ist, eine desolate Hüfte, ein steifes Knie und Leishmaniose hat, Medikamente benötigt und erhebliche Mengen Essen vertilgt, sind gleich Null. Zeus hat im Februar 2015 endlich seinen Lebensplatz gefunden.“

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