Boizenburg : Ein neuer Klassenraum für Jacob

Jacob, sein Stiefvater Gert Zimmermann (links) und Schulleiter Hans Könnecke Costa (rechts) sind gespannt, wie der Raum aussehen wird.
Jacob, sein Stiefvater Gert Zimmermann (links) und Schulleiter Hans Könnecke Costa (rechts) sind gespannt, wie der Raum aussehen wird.

Seit einem Unfall ist der 14-Jährige auf einen Rollstuhl angewiesen, doch die Rudolf-Tarnow-Schule ist für die Bedürfnisse des Schüler nicht eingerichtet

svz.de von
29. September 2017, 12:00 Uhr

Etwa drei Minuten pro Treppe benötigt Jacob Gabel derzeit, wenn er in der Regionalen Schule „Rudolf Tarnow“ von einem Klassenraum in einen anderen möchte. Der 14-Jährige brach sich vor einem Jahr bei einem Badeunfall zwei Halswirbel und ist seitdem von der Brust abwärts gelähmt. Seit vier Wochen nimmt der Achtklässler wieder am Unterricht teil, doch bis jetzt ist das Schulgebäude nicht für Jacobs Bedürfnisse eingerichtet.

Das soll sich jetzt ändern. Bisher musste der Schüler einen Scala Lift nutzen, wenn die nächste Stunde in einem anderen Stockwerk stattfand. Das Gerät ist ein elektronischer Treppensteiger, der Menschen mit Behinderung auch ohne Aufzug den Wechsel einzelner Etagen ermöglicht. Ein solcher Wechsel nimmt jedoch einige Minuten in Anspruch und ist nicht so einfach zu bewältigen, während hunderte Schüler in den Gängen umherlaufen. „Jacob muss also entweder eher aus dem Unterricht gehen oder zu spät zur nächsten Stunde kommen“, erklärt sein Stiefvater Gert Zimmermann. Beides ist keine zufriedenstellende Lösung für den 14-Jährigen.

Seit Beginn der Woche wird aus diesem Grund die ehemalige Hausmeisterwohnung der Schule umgebaut und renoviert. Auf diese Weise soll Jacobs schulischer Alltag nicht nur erleichtert, sondern allgemein ein inklusionsgeeigneter Raum für die Regionale Schule geschaffen werden. Neben einem Klassenraum wird es auch einen Ruheraum für den Achtklässler geben, der seinen körperlichen Bedürfnissen angepasst ist. Eigentlich sollte dieser Raum bereits in den Sommerferien fertiggestellt sein, doch der Baustart verzögerte sich.

Jacob Gabel, Gert Zimmermann und Schulleiter Hans Könnecke Costa hoffen nun, dass die Arbeiten in der ehemaligen Hausmeisterwohnung schnell voranschreiten und bis zum Ende der Herbstferien abgeschlossen sein werden. Doch bis dahin scheint es momentan noch ein weiter Weg zu sein. Zwei Wände müssen eingerissen werden, um die ursprüngliche Struktur der Wohnung für die Einrichtung eines Klassenraumes zu ermöglichen. Noch dazu müssen die Tapeten entfernt und die Wände neu verputzt werden, bevor Jacob seine erste Unterrichtsstunde in diesem Raum erleben kann.

Ob die Fertigstellungsfrist eingehalten werden kann, bleibt abzuwarten. Jacob und seine Familie freuen sich jedoch schon jetzt auf die neuen Räumlichkeiten, denn für den 14-Jährigen würde dies nicht nur eine enorme Zeitersparnis bedeuten, sondern einen weiteren Schritt in Richtung eines normalen Schulalltags darstellen.

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