Boizenburg : Ein Lehrer leistete Widerstand

Lehrer Karl Becker (Mitte) mit der Schulklasse von Willi Hinzmann.
Lehrer Karl Becker (Mitte) mit der Schulklasse von Willi Hinzmann.

In wenigen Tagen jährt sich der Todestag von Karl Becker, eines Lehrers aus Lüttenmark, der wegen seiner Kritik am Nazi-Regime 1944 ins Gefängnis kam und dort starb.

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04. August 2015, 12:00 Uhr

In einem kürzlich stattgefundenen Gespräch mit Willi Hinzmann, Jahrgang 1929, erzählte er voller Hochachtung vom seinem ehemaligen Lehrer. Er erinnerte sich, dass er 1934 in der Einklassenschule in Lüttenmark neben der Kirche eingeschult wurde und Karl Becker zu der damaligen Zeit der einzige Lehrer in dieser Schule war.

Becker wurde am 13. Oktober des Jahres 1893 in Woosmer geboren. Er  besuchte das Lehrerseminar in Lübtheen von 1913 bis 1915, wurde dann jedoch zum Militärdienst eingezogen und konnte deshalb erst Ostern 1919 seine Lehrerprüfung ablegen. Anschließend  wurde Karl Becker Dorfschullehrer in Melkof.                                                                                     

Der Hagenower Chronist Siegfried Spantig hat sich intensiv mit dem Landarbeiterstreik  1924 in Melkof beschäftigt und bestätigte die aktive Teilnahme des dortigen Lehrers Karl Becker bei den streikenden Landarbeitern gegen den Gutspächter Wetzel.

Becker war zu dieser Zeit wohl schon Mitglied der SPD, der er bis 1933 angehörte. Wegen seines politischen Engagements wurde er 1933 an die Schule nach Lüttenmark strafversetzt.                                                                   

Von 1933 bis 1938 war er Mitglied in der NSDAP,  wohl um einer erneuten Strafmaßnahme zu entgehen. Vielleicht hatte er wie viele Intellektuelle auch die Hoffnung, die „nationalsozialistische Bewegung“ würde eine positive Erneuerung für Deutschland bringen.

Derartige Hoffnungen wurden enttäuscht und Becker entwickelte sich immer intensiver zum Hitler-Gegner. Gern unterhielt er sich über Politik und redete sich dann in Rage. Wenn er mit Willi Hinzmanns Vater Wilhelm  einmal nicht nur über die Imkerei sprach, sondern über die Nazis und den Krieg, durfte  der Sohn  nicht zuhören und wurde  weggeschickt.                                                                                                                   Becker blieb ein ständiger Kritiker des Dritten Reiches.

 1941 wurde er wegen dieser Haltung vom Hagenower Schulrat nach Schwaberow strafversetzt. Da es nun keinen Lehrer mehr in Lüttenmark gab, musste  Willi Hinzmann deshalb sein letztes Schuljahr 1941/42 in Gresse besuchen.                                                                                                        

Im Sommer 1944 erfolgte die Verhaftung von Karl Becker, nachdem er massive Zweifel am Krieg und einem möglichen Sieg Deutschlands geäußert hatte. Er kam  am 17. August 1944 in der Haft aus bislang ungeklärten Gründen um. 

Nach 1945 wurde der Schwaberower Bürgermeister wegen seiner Diskriminierung Beckers verurteilt. 

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