zur Navigation springen
Hagenower Kreisblatt

21. November 2017 | 02:10 Uhr

Bleckede : „Ein Leben in beständiger Angst“

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Stadt Bleckede informierte über die Situation der Flüchtlinge / Willkommensinitiative im Amt Neuhaus möchte mit Flüchtlingslotsen helfen

von
erstellt am 09.Jan.2015 | 13:11 Uhr

Voll ist es am Donnerstagabend im Saal des Bleckeder Schlosses. Weit über hundert Menschen sind gekommen, um an der Informationsveranstaltung zur Situation der Flüchtlinge in Bleckede teilzunehmen, zu der Bleckedes Bürgermeister Jens Böther gemeinsam mit dem Albert-Schweitzer-Familienwerk, der evangelischen Kirchengemeinde und der Willkommensinitiative Bleckede eingeladen hatte.

„Ich bin überwältigt von dem Zuspruch, den diese Veranstaltung durch Sie erfährt. Wir scheinen damit einen Nerv getroffenen zu haben“, bekundete Bürgermeister Jens Böther, der zunächst über die rechtlichen Grundlagen und das Vorgehen seiner Stadtverwaltung bei der Aufnahme und Versorgung der Asylsuchenden informierte. 52 Flüchtlinge u.a. aus Syrien, Afghanistan, dem Iran und Irak, Albanien und Mazedonien leben derzeit in Bleckede, davon sind die Hälfte Kinder und Jugendliche.


Bleckede bereite sich auf weitere Aufnahme vor


Die Stadt Bleckede bereite sich momentan auf die Aufnahme weiterer Flüchtlinge vor, die in nächster Zeit erwartet werden. „Wir haben bisher die Flüchtlinge dezentral in eigenen Wohnungen untergebracht und möchten auch weiter so verfahren“, berichtet der Bürgermeister von der schwierigen Suche nach geeignetem Wohnraum, dessen Anmietung durch den Landkreis finanziert wird.

Der Schwerpunkt des Abends gehört den Fragen, wie den Flüchtlingen bei der Bewältigung ihres schwierigen Alltags in Deutschland ohne Sprachkenntnisse und mit größtenteils traumatischen Erfahrungen aus ihren Heimatländern geholfen werden kann. „Wir brauchen unbedingt mehr ,Zeitspender‘, die den Asylsuchenden im Alltag helfen und zum Beispiel Fahrdienste leisten, Nachhilfe geben oder bei Behördengängen begleiten“ appelliert Gerd Legat von der Willkommensinitiative Bleckede an die Menschen im Saal.


Allgemeinärztin berichtet über ihre Arbeit


Roswitha Kuhl-Jockel, Allgemeinärztin in Bleckede, berichtet von ihrer Arbeit:„Diese Menschen leben in beständiger Angst. Wir leisten schnell und unbürokratisch medizinische Hilfe für die Asylsuchenden, insbesondere für die Kinder. Wege für die Kommunikation auch ohne Deutschkenntnisse finden sich immer. Notfalls wird eben über Handy ein Übersetzer angerufen, dann klappt das auch.“

Spontan gibt es einige Hilfsangebote aus dem Saal. So bietet der Geschäftsführer des VfL Bleckede, Hans-Dieter Beckmann, eine kostenlose Aufnahme der Asylsuchenden in seinen Sportverein an. Andere hinterlassen ihre Kontaktdaten, um die Willkommensinitiative zu unterstützen.
Für Doris Graefe und ihre Mitstreiter von der Willkommensinitiative im Amt Neuhaus ist der Abend in Bleckede aufschlussreich gewesen:„Es gab viele Informationen, wo und wie es Unterstützung für die ehrenamtliche Arbeit mit den Flüchtlingen gibt. Wir fänden es sehr gut, wenn es auch im Amt Neuhaus eine solche öffentliche Informationsveranstaltung geben würde. Nach Neuhaus werden in nächster Zeit weitere Flüchtlinge kommen, die unsere Hilfe brauchen. Wie viele es sein werden und wann, wissen wir noch nicht.“ In Neuhaus leben derzeit 23 Asylsuchende, die von den Ehrenamtlichen der Willkommensinitiative mit Begleitung im Alltag oder Deutschkursen unterstützt werden.

„Wir möchten ab jetzt mit ,Flüchtlingslotsen‘ helfen, d.h. eine Person erklärt sich bereit, jeweils eine Familie im Alltag zu unterstützen, sie bei Behördengängen oder dem Arztbesuch zu begleiten oder einfach mal für sie da zu sein. Dafür suchen wir noch weitere Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren möchten“, erklärt Doris Graefe. Auch Sachspenden werden weiterhin von der Willkommensinitiative gesammelt. „Die Wohnungen der Asylsuchenden sind nur mit dem Allernötigsten ausgestattet, was von den Behörden bezahlt wird“, berichtet Gleichstellungsbeauftragte Astrid Ottliczky, die sich ebenfalls für die Willkommensinitiative im Amt engagiert, „Gardinen für die Fenster zu bekommen, wenn man nicht im Erdgeschoss wohnt, ist schon schwierig für die Asylsuchenden.“


Sachspenden auch für Neuhaus gesucht


Wer Sachspenden wie Kleinmöbel, Gardinen, Bettwäsche, Küchenutensilien oder Spielzeug abzugeben hat, kann sich bei Astrid Ottliczky melden oder ihr eine Nachricht in ihrem Postkasten im Rathaus hinterlassen. Einen Kofferraum voller Spielsachen konnten die Mitglieder der Neuhauser Willkommensinitiative aus Bleckede mitbringen. Die Spielsachen waren dort in einer Aktion vor Weihnachten gesammelt worden und werden jetzt an die in Neuhaus lebenden Flüchtlingskinder verteilt.



zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen