Renaturierung der Boize : Ein langer Weg zurück zur Natur

Ganz genau schaut Till Backhaus (Mitte) hin, wenn es um die Renaturierung von Flüssen geht.
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Ganz genau schaut Till Backhaus (Mitte) hin, wenn es um die Renaturierung von Flüssen geht.

Die Boize ist ein Beispiel für die gelungene, aber ebenso kostenaufwendige Renaturierung von Flüssen in der Region

svz.de von
09. Juli 2018, 12:00 Uhr

Noch erweckt die Boize knapp 800 Meter südlich von Gresse nicht den Anschein eines naturbelassenen Flusses. Deutlich sind die Baggerspuren zu sehen, die beim Aushub des sich nun windenden Flussbettes entstanden. Auch der Bewuchs ist noch nicht so weit vorangeschritten, dass der Boden gerade bei dieser Witterung vollends bedeckt ist.

Aber dennoch blicken die Verantwortlichen positiv auf den Abschnitt, der als gelungenes Beispiel für die Renaturierung von Gewässern durch eine Kommission um den Minister für Landwirtschaft und Umwelt, Till Backhaus, in Augenschein genommen wurde.

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So läge es jetzt zunächst vor allem in den ganz kleinen Organismen, die den bisherigen Erfolg auszeichnen würden, wie dem Minister und rund 50 weiteren Beteiligten bei der Begehung vor Ort nahegelegt wurde. Diese seien schon in einem solchem Maße angesiedelt, dass sogar Forellen – ein tierischer Indikator für gute Wasserqualität – gesichtet worden seien.

255 000 Euro wurden dabei für den 600 Meter langen Teilabschnitt ausgegeben. Schließlich wurde die Boize fast 60 Meter von ihrem bisherigen Bett verlegt. Eine Maßnahme, die nicht nur Backhaus als notwendig und sinnvoll erachtet. Auch der Leiter des Biosphärenreservatsamts Schaalsee-Elbe, Klaus Jarmatz, ist sich sicher: „Die Boize ist viel zu gerade.“ Das resultiere aus menschlichen Eingriffen, die bereits im vergangenen Jahrhundert unternommen wurden und jetzt, da die ökologischen Probleme größer zu werden scheinen, dringend behoben werden müssen. So fand die Verlegung der Boize südlich von Gresse auch in einem Bereich statt, den Experten als einen historischen Altarm des Flusses ermittelt haben.

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Mit diesem Eingriff soll zudem der Bewegungsarmut des Gewässers entgegengewirkt werden, denn so Backhaus: „Flüsse sind dazu da, um das Wasser bei starken Niederschlägen schnell weg zu befördern. Aber auch, um das kostbare Nass bei Trockenheit konstant in der Region zu halten. Dazu müssen sie fließen.“ Dies sei bei einem schnurgeraden Flussverlauf nicht gewährleistet.

Und gerade hierbei gibt es auch an der Boize noch einiges zu tun. Neben den insgesamt 660 000 Euro, die bisher für die Renaturierung des Flusses aufgebracht wurden, hat Andreas Schwebs vom Wasser- und Bodenverband Boize-Sude-Schaale bei dem Ortstermin südlich von Gresse einen Bescheid über weitere 2,7 Millionen Euro erhalten. Sie sollen für die „naturnahe Entwicklung und Gestaltung der Boize nördlich der BAB 24“ verwendet werden, wie es in dem Schreiben heißt. Mit dem Abschluss dieses nächsten Projektes, das mit dem Geld nun von der Planung zur Umsetzung gebracht werden kann, sieht der Minister den Gesamtzustand der Boize auf einem guten Weg.

Er betonte jedoch auch, dass die Boize in Gänze die hohen ökologischen Rahmenbedingungen der EU noch nicht erfüllen würde. Konkret sprach der Minister Stickstoff an, der nichts im Wasser zu suchen hätte. Dabei nahm Backhaus auch gleich diejenigen in die Pflicht, die Land an Flüssen besäßen. Eben dieses sollten sie auch so nutzen, dass dem Wasser als ökologischen Lebensraum kein Schaden entstehe.

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