Hagenow : Ein Kapitän geht bei der VLP von Bord

Christian Rader steht an der Einfahrt zu seiner langjährigen Arbeitsstätte.
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Christian Rader steht an der Einfahrt zu seiner langjährigen Arbeitsstätte.

Geschäftsführer Christian Rader geht in den Ruhestand / Feierstunde soll an Gründung der Hagenower Verkehrsgesellschaft vor 25 Jahren erinnern

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24. Juli 2015, 07:49 Uhr

Wenn Christian Rader heute während einer Feierstunde in Kuhstorf in den Ruhestand verabschiedet wird, verbindet sich damit für den Geschäftsführer der Verkehrsgesellschaft Ludwigslust-Parchim (VLP) bestimmt etwas Wehmut. Der 65-Jährige hat insbesondere nach der Wende in Führungsposition entscheidend die Geschicke des Unternehmens geprägt, angefangen mit der Hagenower Verkehrsgesellschaft, die vor 25 Jahren im Handelsregister registriert worden war.

Sein Schreibtisch ist mittlerweile geräumt, die Übergabe der Dienstgeschäfte mit der neuen Leitungsebene geregelt. Nach 48 Arbeitsjahren und einem Vierteljahrhundert Geschäftsführerfunktion endet zum 1. August seine Tätigkeit bei der 2013 aus der Ludwigsluster Verkehrsgesellschaft mbH, der Reisedienst Parchim GmbH und Teilen der SGS Bus&Reisen Schwerin gegründeten VLP, die heute mit Auszubildenden 260 Beschäftigte am Hauptbetrieb Hagenow sowie acht weiteren Verkehrshöfen und vier Werkstätten zählt und 205 Busse unterschiedlichster Größe ihr Eigen nennt.

Er habe sich zwar innerlich auf den Ruhestand vorbereiten können, aber das Loslassen falle schon schwer, verrät Rader. Je dichter der Stichtag rücke, desto seltsamer sei es für ihn geworden. „Es war ja nicht einfach nur ein Job, sondern viel mehr für mich“, betont er. Auch wenn die vergangenen zwei Jahre eine schwierige Zeit gewesen sind, wie er einräumt, hinterlässt er nach eigener Einschätzung der neuen Leitungsebene mit dann nur noch einem Geschäftsführer eine VLP, die auf einem guten Weg ist.

Durch Christian Raders Vita zieht sich das Interesse für Fahrzeuge wie ein roter Faden. Erlernt hat er den Beruf des Kraftfahrzeugelektrikers in Hagenow, später absolvierte er ein Studium zum Verkehrsingenieur in Gotha. 1977 fing er beim Kraftverkehr Schwerin als Technologe an und arbeitete dort unter anderem als Abteilungsleiter Güterverkehr. Ein Jahr vor der Wende zog es Christian Rader aus persönlichen Gründen nach Hagenow zurück. Beim Hagenower Kraftverkehr wurde ihm eine Stelle als Bereichsleiter Personenverkehr angeboten, die er am 1. April 1988 antrat. Damals in einem noch relativ großen Betrieb mit vier Geschäftsbereichen.

Nach der friedlichen Revolution in der DDR war er bei allen betrieblichen Veränderungen dabei, ab 1990 gestaltete er sie als Geschäftsführer maßgeblich mit. „Es waren schwierige Zeiten am Anfang“, erinnert Rader sich. Geschäftsbereiche wurden privatisiert oder aufgelöst. „Wir wollten den Betrieb halten und wirtschaftlich arbeiten, was uns letztlich dann auch gelungen ist. Anfangs hatten wir keine vernünftigen Autos, keine Waschanlage. Unser Hauptaugenmerk lag darauf, erst einmal eine materiell-technische Basis zu schaffen und dann die Strukturen den neuen Bedingungen anzupassen. Wir wussten ja gar nicht, wie sich Öffentlicher Personennahverkehr richtig rechnet. Und dabei sind wir ohne große Kündigungen ausgekommen.“

Aus den Kraftverkehren Hagenow und Ludwigslust gingen 1990 die Hagenower Verkehrsgesellschaft sowie 1992 die Ludwigsluster Verkehrsgesellschaft hervor. Nach der Kreisgebietsreform 1994 verschmolzen beide zwei Jahre später. Weil der Landkreis Ludwigslust damals alleiniger Gesellschafter war, kam es seinerzeit zum Namen Ludwigsluster Verkehrsgesellschaft.

Langeweile wird beim 65-Jährigen als Ruheständler nicht aufkommen. Seine Pläne haben natürlich mit Mobilität und Fahrzeugen zu tun. Zum einen will er für ein paar Stunden in der Schweriner Geschäftsstelle der Verkehrsgemeinschaft Westmecklenburg tätig sein. Zum anderen möchte er wandern, reisen und ausgiebig Fahrrad fahren. Mit dem Rad hat er in diesem Jahr bereits eine 620-Kilometer-Tour an der Mosel und im Hunsrück absolviert, im Herbst ist Thüringen sein Ziel. Und weil Christian Rader so gerne unterwegs ist, möchte er sich ein Wohnmobil zulegen.



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