Neuhaus : Ein Jahrgang: Fähre und Fährmann

Frank Stoll passt auf, dass die Autos die richtige Spur benutzen.
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Frank Stoll passt auf, dass die Autos die richtige Spur benutzen.

Am 14. April 1990 ging der Fährbetrieb Neu Darchau an den Start / Von Beginn an dabei war Fährmann Frank Stoll aus Neuhaus

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07. April 2015, 15:29 Uhr

Als die „kleine Tanja“, die erste Fähre des Fährbetriebs Neu Darchau am 12. April 1990 die Elbe hoch geschippert kam, hatten Frank Stoll aus Neuhaus und Henry Kruse aus Haar am Vormittag ihren Arbeitsvertrag als Fährleute unterschrieben, wurden nach Boizenburg gebracht und fuhren von dort auf der Fähre mit, bis hinauf nach Darchau. In Darchau wartete schon eine Menschentraube, die sich dieses Ereignis nicht entgehen lassen wollten. Die „Tanja“ legte an der Ostseite an. Es gab noch eine Grenze und einen Grenzoffizier, der die Leute erst auf die Fähre ließ, als diese Bein und Stein schworen, auf der Neu Darchauer Seite nicht von Bord zu gehen.

„Wir haben einmal über gesetzt und sind dann zurück und alle sind auch wieder mit zurück gekommen “, erinnert sich Frank Stoll genau an seinen Anfang als Fährmann. Das war ein Donnerstag. Der nächste Tag war ein Freitag, der 13., und an diesem Tag sollte der Betrieb nicht offiziell aufgenommen werden. Das passierte dann am Folgetag, dem 14. April, 1990, einem Sonnabend. Die Aufnahme des Fährbetriebs geriet zu einem Volksfest mit Blasmusik und Riesentrubel.

„Die kleine ,Tanja’ musste noch mit Leinen angebunden und unter die Rampe mussten Holzklötze gelegt werden. Der Aufwand war erheblich größer als jetzt bei der zweiten ,Tanja‘, damit wurde es viel einfacher“, so Frank Stoll. „Wir hatten keine Vorstellung davon, was uns erwartete. Montags war Ruhetag, da fuhren wir überhaupt nicht und machten Wartungsarbeiten. Zu Beginn haben wir auch nur stündlich von jeder Seite übergesetzt. Ich kann mich erinnern, dass der Chef einmal geschimpft hat, weil wir eine Tour zwischendrin gefahren sind, weil Autos und Personen warteten. Mit heute ist das alles nicht mehr zu vergleichen. Wir haben drei Tage 17 bis 18 Stunden gearbeitet und hatten dann drei Tage frei. Das war aber nur eine kurze Zeit lang so, dann wurden mehr Leute eingestellt und danach sind wir in Schichten gefahren.“

Heute haben alle Fährleute auch ein Fährpatent und können die Fähre steuern. Man teilt die Acht-Stunde-Schicht auf. Die Hälfte der Zeit steht der Fährmann am Steuerpult, die andere Hälfte wird auf Deck kassiert. Das Fährpatent hat Frank Stoll ziemlich schnell, schon am 28. Juni 1990 erworben und alle dafür erforderlichen Prüfungen abgelegt. Das ist ihm nicht schwer gefallen, denn der gebürtige Berliner, der in der Bornholmer Straße in Berlin aufgewachsen ist und als Kind miterlebt hat, wie die Grenzanlagen immer weiter ausgebaut wurden, hat dort den Beruf des Binnenschiffers gelernt. Er ist nach der Lehre in Berlin Treptow bei der „Weißen Flotte“ auf Spree und Dahme gefahren. Dann kam die Armeezeit, er verliebte sich in seine Frau und kam über Umwege nach Neuhaus. Hier hat Frank Stoll in der LPG als Traktorist gearbeitet, bevor er wieder Wasser unter die Füße bekam, dieses Mal dann das Wasser der Elbe.

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