Brücke über die Elbe : Ein Fünkchen Hoffnung bleibt

Der Blick über die Elbe bei Darchau: noch immer ohne Brücke
Der Blick über die Elbe bei Darchau: noch immer ohne Brücke

Sie geben nicht auf: Die Brückenbefürworter kämpfen auch weiter um ihren Traum von einer festen Elbquerung bei Darchau

svz.de von
12. Februar 2018, 12:00 Uhr

„Viele Menschen machen sich schon seit Jahren Gedanken darüber, wie die Brücke in Darchau aussehen könnte“, sagt die Bürgermeisterin des Amtes Neuhaus Grit Richter. Immer wieder würde man in der Gemeinde verschiedene Möglichkeiten zu hören bekommen. „Aber all diese Brückenvarianten haben zum Ziel, dass man eine Verbindung schafft und dass man dauerhaft hin und her kommt. Es geht immer darum, dass man die Elbe auf einem festen Wege überqueren kann“, so Richter.

Die Bürgermeisterin ist selbst seit Jahren Mitglied des Fördervereins „Brücken bauen“, der sich bereits im Jahr 2015 mit einem offenen Brief an den Landrat des Landkreises Lüneburg, Manfred Nahrstedt, wandte. Darin forderten die Mitglieder des Vereins Nahrstedt dazu auf, die mögliche Elbquerung in die Regionale Handlungsstrategie 2014-2020 für das Übergangsgebiet Lüneburg mit einzubeziehen. „Schließlich handelt es sich auch bei der Elbbrücke um ein regionales Großprojekt, das die Lebensqualität im Ostkreis verbessern und die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse in dieser Region gewährleisten kann“, hieß es in dem Schreiben an den Lüneburger Landrat.

Manfred Nahrstedt jedoch fühlte sich von den Vereinsmitgliedern sowie anderen Brückenbefürwortern ungerecht behandelt. „Im Gegensatz zur A 39 oder zum Schiffshebewerk ist die Brücke leider kein Projekt überregionaler Bedeutung. Viele vergessen, dass wir die Straße von einer überregionalen Landesstraße zur Kreisstraße herabgestuft haben, damit es überhaupt weitergehen konnte und GVFG-Mittel fließen“, sagte er im damaligen Interview mit dem heutigen Hagenower Redaktionsleiter Mayk Pohle.

Immer wieder führte Manfred Nahrstedt fehlende finanzielle Mittel als Grund für die Verzögerungen beim Brückenbau an. Ein Punkt, in dem der Landrat des Landkreises Lüneburg mit der Bürgermeisterin übereinstimmt. „Nach den anfänglichen rein formellen Fehlern, die gemacht worden sind, sind die Finanzen das Problem. Das ist nicht von der Hand zu weisen. Wenn wir kein Geld haben, können wir bestimmte Projekte nicht angehen. Und das gilt hierfür ganz genauso. Bestimmte Probleme bereitet vielleicht auch die Lage im Biosphärenreservat, das würde ich hier jedoch zweitrangig sehen. Wenn Geld da wäre, würde dem Brückenbau meines Erachtens auch nichts im Weg stehen“, meint Richter.

Auf rund 60 Millionen Euro werden derzeit die Kosten für den Bau einer Brücke über die Elbe zwischen Darchau und Neu Darchau geschätzt. Seit Dezember 2016 hat der Lüneburger Kreistag aus diesem Grund eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die sich mit baulich-technischen Alternativen, Finanzierungsmöglichkeiten und einer mittelfristigen Verbesserung der verkehrlichen Anbindung des Amtes Neuhaus an den Landkreis Lüneburg beschäftigt. Besteht damit neue Hoffnung für das Projekt Brückenbau? Eher nicht, denn die Arbeitsgruppe ist momentan noch nicht zu Lösungen gekommen, um die Kosten für die Elbquerung zu senken oder die zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel zu steigern. „Es gibt im Prinzip keine Alternativen zu der bisher geplanten Brücke, die kostengünstiger sind. Die Stelle ist die richtige, ebenso die Bauweise“, zitiert SVZ-Redakteur Robert Lehmann 2017 den Vorsitzenden der Arbeitsgruppe, Berni Wiemann, in einem Beitrag.

Und so scheinen die Worte von Redaktionsleiter Mayk Pohle auch heute noch zu gelten. 2015 schrieb er nach einer weiteren Sitzung des Lüneburger Kreistages: „Sie haben am Montag alles, wirklich alles versucht, die Befürworter der Brücke aus dem Amt Neuhaus. Vom normalen Protest mit Plakaten und Flugblättern vor der Sitzung, über das Verteilen von frisch gebackenen Broten aus der Elbtalaue, bis hin zum Auftritt des Chores. Und auch die Bürgerfragestunde im Kreistag wurde von den Brückenbefürwortern deutlich dominiert. Gebracht hat es am Ende nichts.“

Geändert hat sich seither wenig – noch immer versuchen Brückenenthusiasten alles in ihrer Macht stehende, um ihren Traum von der Elbquerung weiter voran zu bringen. Und noch immer stagniert dieser – übrig bleiben scheinbar nur die Vorstellungen und Planungen all jener, die sich die Elbquerung wünschen. Dennoch geben sie die Hoffnung nicht auf, wie Bürgermeisterin Grit Richter beweist: „Mein Vorgänger hatte einen Spaten in der Ecke des Büros stehen, mit dem wollte er den ersten Spatenstich zum Brückenbau machen. Den Spaten gibt es zwar nicht mehr, aber es würde mich freuen, wenn es mir in meiner Amtszeit noch gelingen würde, den Brückenbau mit anzuschieben.“

Pro: Gemeinsam zur Brücke

Sie kommt - sie kommt nicht - und vor Wahlen kommt sie vielleicht. Es wird langsam Zeit das Thema Brücke mit dem Bau einer solchen abzuschließen. Immerhin wurde sie versprochen und die Meinung der Einwohner ist klar: „Wir wollen eine Brücke!“ Daneben zeigen die Prüfergebnisse der Arbeitsgruppe zur Elbquerung deutlich, welche positiven Aspekte eine Brücke nicht nur für das Amt Neuhaus, sondern die ganze Region haben könnte. Und gerade deshalb sollten sich der Landkreis Lüneburg, aber auch Lüchow-Dannenberg, das Land Niedersachsen und die Nachbarn in MV noch einmal genau überlegen, was ihnen diese Brücke wert ist. Als Gemeinschaftsprojekt müsste sie doch realisierbar sein. Falls nicht, hilft eines aber auch ganz gewiss nicht: Trotz. Weil es keine Brücke gibt, wieder zurück nach MV? Dadurch würden die Probleme der Gemeinde nun auch nicht gelöst.
Robert Lehmann

Contra: Kommando zurück

Die Elbbrücke kommt nicht. Heute nicht, morgen nicht und auch in zehn Jahren nicht. Das sollte man sich bei aller Träumerei eingestehen. Spannender ist doch, ob es sinnvoll ist im Kreis Lüneburg zu bleiben. Langfristig wohl nicht, denn das schöne aber bitterarme Amt will keiner haben. Nicht einmal die kaum reicheren Nachbarn auf der Westseite der Elbe. Da liegt es doch nahe, sich dem umliegenden Mecklenburg auch politisch wieder anzuschließen. Einkaufen, Schule, Krankenhaus - all das hat doch jetzt schon stark mit dem Mecklenburger Hinterland zu tun. Das Amt braucht eine Perspektive, wirtschaftlich und politisch. Ewig das Öko-Anhängsel für westdeutsche Stadtgrüne zu sein, ist auf Dauer nicht förderlich. Mecklenburg wird in den kommenden Jahren, ob es manche wollen oder nicht, zu neuen Strukturen kommen müssen. Da ist dann auch locker Platz für eine Gemeinde Neuhaus.
Mayk Pohle
 

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