Weihnachtszirkus : Ein Familienleben für den Zirkus

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Die Proben für den Schweriner Weihnachtszirkus laufen auf Hochtouren / Ein Besuch auf dem Gehöft der Familie Huppertz in Boddin

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26. November 2014, 16:00 Uhr

Zirkus aus Leidenschaft, statt aus wirtschaftlicher Notwendigkeit. So ließe sich das Erfolgsrezept des in Boddin ansässigen  Zirkusses vielleicht am besten auf den Punkt bringen.

Zum dritten Mal gastiert er als  Weihnachtszirkus vom 24. Dezember bis zum 4. Januar auf dem Festplatz in Schwerin-Krebsförden. „Schon jetzt haben wir 50 Prozent mehr Karten verkauft als im Vorjahr“, stellt Zirkuschef Ralf Huppertz zufrieden fest. Voll Stolz beugt er sich in seinem Bürostuhl nach vorn   und setzt fort: „Wer jetzt noch Karten für Heiligabend bekommen will, der muss sich ranhalten.“ Die Höhepunkte in diesem Jahr sind der Auftritt einer achtköpfigen Akrobatengruppe aus Weißrussland und die Arielle-Aufführung von Joana.

Wie gelingt es dieser Familie, ihr Zelt beinahe  bis zum letzten Platz  zu füllen,  während andere Zirkusse um ihr wirtschaftliches Überleben kämpfen? Zum einen liege das  am Ambiente, stellt Ralf Huppertz fest und zählt auf. Das Zelt  sei beheizt,  auch die Toiletten. Überall liege roter Teppich. Auf einem Flügel werde Weihnachtsmusik gespielt. Die Lichtanlage sei vom Feinsten. Karten ließen sich mit festen Platznummern buchen. Und vor allem sei das Programm erstklassig.

„In jedem Jahr haben wir ein komplett neues Programm entwickelt und arbeiten mit anderen renommierten Künstlern zusammen. In diesem Jahr kommt eine Artistentruppe aus Weißrussland nach Schwerin“, erzählt Ralf Huppertz. Zudem hätten sie einfach mehr Zeit, um am Programm zu feilen als ein Wanderzirkus. Denn sie spielen inzwischen ausschließlich im Winter Zirkus, über die Feiertage in Schwerin,   im Anschluss in Rostock. Den Rest des Jahres betreiben alle fünf Kinder der Familie ihr eigenes Geschäft.

„Über das Jahr sind wir alle mit unseren Alternativgeschichten unterwegs. Ich baue  Geräte für Artisten und Masten für den Stahlbau. Das ist nicht mehr, wie es früher war. Nur im Winter, da sind wir alle noch unter den Fittichen unseres Vaters“, kommentiert Harry, der älteste Sohn das Leben der Familie.   „Wirtschaftlich spielt der Zirkus keine große Rolle mehr“, stellt dementsprechend Ralf Huppertz fest. Aber ein Leben ohne Zirkus? Undenkbar! Der Zirkus eint die Großfamilie, schließlich  ist sie jahrzehntelang mit ihrem Familienzirkus durch Deutschland gereist. 

Inzwischen leben alle 16 Familienmitglieder gemeinsam auf einem Gehöft in Boddin.  Das Büro des Vaters, Schaltzentrale vom Zirkus und einer Zeltverleihfirma  befindet sich in einer Baracke am Eingang des Geländes. Hier zeigt er die zahlreichen Zeitungssauschnitte, auf denen seine Kinder mit Showgrößen wie Hildegard Knef abgebildet sind.

Währenddessen dringt Blasmusik aus dem Nebenzimmer. Harry probt die Begleitung  für die Arielle-Nummer seiner Schwester Joana. Die trainiert ihre Akrobatik im Netz gerade am anderen Ende des Geländes in einer Halle. Das Netz hängt vor aufgestapelten Paletten vom Zeltverleih ihres Bruders Manfred.  Am anderen Ende der Halle befindet sich die  Werkstatt von Harry. Dazwischen wuseln   unbefangen die Enkelkinder der Familie.   Sie alle haben ihren Auftritt im Weihnachtszirkus. Sie sind eben eine echte Zirkusfamilie.

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