zur Navigation springen
Hagenower Kreisblatt

23. November 2017 | 04:52 Uhr

Wahlen : Ein Dreikampf an der Urne

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Hunderte waren beim ersten Härtetest für die drei Kandidaten im Gymnasium dabei

von
erstellt am 07.Mai.2015 | 09:54 Uhr

Die beste Nachricht des Abends: Die Wahl zum neuen Chefposten in der Stadtverwaltung stößt offenkundig auf ein sehr großes Interesse in der Stadt. Die Plätze im Atrium des Robert-Stock-Gymnasiums reichten gar nicht aus, etliche Interessierte mussten auf den ersten Rang ausweichen, um dem Geschehen folgen zu können.

Die Erkenntnis des Abends: Aus dem von vielen vermuteten Zweikampf zwischen Heike Schweda und Dietmar Speßhardt ist nun ein Dreikampf geworden. Denn mit Thomas Möller von den Linken, den bisher kaum jemand richtig kannte, ist den beiden seit diesem Abend ein nicht nur rhetorisch ebenbürtiger Mitbewerber erwachsen.

Was unterscheidet sie, war eine der Fragen, die die beiden sehr gut agierenden Schülermoderatoren stellten. Dietmar Speßhardt stellte immer wieder seinen wirtschaftlichen Blickwinkel in den Mittelpunkt, Heike Schweda betonte ihre soziale Vernetzung als Gleichstellungsbeauftragte der Stadt und Thomas Möller erklärte sich zum Mann, der von außen kommt, einen anderen Blickwinkel hat und doch die Stadt und ihre Probleme sehr gut kennt.

Streitpunkt des Abends: Die Wirtschaft in der Stadt und der Umgang mit den Betrieben. Bei diesem Thema kam zum ersten Mal so etwas wie Schärfe in die Diskussion. Sonst gingen die Kandidaten sehr friedlich miteinander um. Doch als Heike Schweda berichtetet, dass von all den Betrieben in der Stadt nur sieben Gewerbesteuer zahlen würden, wurde Dietmar Speßhardt doch ungeduldig. Das könne ja nicht bedeuten, dass man sich um die anderen Firmen und die kleinen Betriebe nicht kümmere. Zudem müsse die Wirtschaftsförderung in Hagenow endlich Chefsache werden. Er würde das als Bürgermeister so halten.

Heike Schweda hielt spitz dagegen, dass die Stadtvertretung da aus guten Gründen anderer Meinung gewesen sei. Der jetzige Wirtschaftsförderer leiste gute Arbeit.

Thomas Möller war auch nicht gegen viele und gute Arbeitsplätze aber eben nicht nur in der Stadt sondern in der ganzen Region. Man müsse auch in Hagenow über den Tellerrand hinausschauen. Man brauche Menschen, die hier wohnen wollten, und nur ein gutes Steueraufkommen sichere auch die Finanzierung der Kommunen. Die Verwaltung müsse allerdings geführt werden, sich als Dienstleister begreifen, und da sei noch viel zu tun.

Einig waren sich alle drei bei den anstehenden Aufgaben zur Flüchtlingsfrage. Hier werde auf Hagenow noch einiges zukommen. Schweda verwies auf das Geleistete, auf die Flüchtlingskinder, die in Hagenower Schulen schon unterrichtet werden. Speßhardt bekannte sich zu einer dezentralen Unterbringung und Möller erinnerte an die Gesamtaufgabe. Jeder Flüchtling habe das Recht, sich in Sicherheit zu fühlen.

Es war ein spannender Abend mit einem sehr diszipliniertem Publikum, das freundlich gestimmt, jedem zuhörte. Kaum jemand ging vor Ablauf der 90 Minuten. Ihren großen Anteil am Erfolg des Abends hatten die beiden Schüler aus den 11. Klassen, Mona-Mor’ Ebel und Lorenz Jessel, die von der Schulsozialarbeiterin Marie-Therese Rose hervorragend eingestellt wurden und auch kleine technische Pannen locker wegsteckten. Die beiden ließen die Kandidaten jeweils ausreden und mussten nur selten eingreifen, um Monologe zu verhindern.

Welches die schlechtesten Straßen seien, war eine der nächsten Fragen. Die Dorfstraße in Scharbow kam dabei unangefochten auf den ersten Platz, genannt wurden aber auch die Gehwege in der Stadt, die Eisenbahnerstraße und die Hauptstraße in Hagenow Heide sowie die Möllner Straße und die Gehwege im Bereich der Fritz-Reuter-Straße.

Der Zustand der Sportstätten war ein großes Thema am Abend. Dietmar Speßhardt bekannte sich zu einem großen, neuen Sportzentrum will aber zunächst die Bürger darüber abstimmen lassen, ob dies wirklich gewollt sei. Thomas Möller verwies auf die schlimmen Zustände am Sportplatz in der Hagenstraße. Umziehen könne man sich ja da in den Notcontainern, waschen aber nicht. „Es ist beschämend, wie wir da als Hagenow dastehen. Überall, auch in der Umgebung, haben die Sportler ordentliche Sanitärräume. Nur bei uns nicht. Manche witzeln ja schon, dass man die Kleinen ja durch die Schmarre ziehen könne, für die Großen gäbe es dann eine Packung Feuchtigkeitstücher. Das muss man schnell in Ordnung bringen, und ich werde das machen.“

Auch Heike Schweda betonte, dass sie sich sehr für die Sportler einsetze, aber es gäbe eben viele Vereine in der Stadt und nicht alles sei finanzierbar. Es werde aber schon einiges für neue Sportstätten getan, z. B. auf dem Kietz.

Stichwort Lange Straße. Hier, so Möller, lebten Radfahrer gefährlich. Auf dem Gehweg dürften sie nicht fahren und die Kopfsteinpflasterstraße sei für die älteren Bürger zu gefährlich. Einwand von Heike Schweda, die Stadt habe schon über Alternativen nachgedacht, um den Radfahrern das Leben zu erleichtern. Da sei man noch nicht am Ende. Am Ende diskutierte man den Vorschlag, in der Langen Straße mit einem schmalen Asphaltband im Bereich der abgesenkten Boarde das Radfahren zu erleichtern.

Zum Ende kamen dann noch einige Fragen aus dem Zuschauerbereich. Holger Fitzner aus Viez wollte wissen, wie es die drei denn mit der Zusammenarbeit mit den Ortsteilen hielten. Erwin Adickes stellte die Frage was sie denn mit 500 000 Euro Fördermitteln anstellen würden, wenn die zur Verfügung stünden. Speßhardt wollte die Straße in Scharbow sanieren und sich um einen bessere Breitbandversorgung kümmern. Möller hatte das Haus der sozialen Dienste mit neuen Öffnungszeiten im Sinn und die Kita-Sanierungen in der Stadt. Freies W-Lan gehört auch für Heike Schweda zu den wichtigen Zielen, natürlich die Kita-Sanierungen und, wenn noch etwas Geld dazu käme, wäre ihr die Sanierung der Europaschule enorm wichtig.

Klaus Köttgen fragte als zugezogener Stadtbewohner nach Ideen, um das schlafende Hagenow ein wenig zu wecken und die vielen leeren Schaufenster ein zu füllen. Hier, das bekannten alle drei, seien die Einflußmöglichkeiten eines Bürgermeisters doch gering. Es könne und müsse jedoch mehr passieren. Da waren sich alle einig.

Heike Schweda warnte davor, zuviel in der Stadt schlecht zu reden. Es gäbe schon viele, aktive Vereine und Veranstaltungen. Allerdings würden auch viele Angebote von den Bürgern nicht wahrgenommen. Auch stünden die Einzelhändler in der Verantwortung, sich zusammen zutun. Leider sei ja von der Werbegemeinschaft City-Partner nicht mehr viel geblieben. Auch Dietmar Speßhardt war der Meinung, das schon einiges passiere. Man müsse etliches nur besser abstimmen und vernetzen. Dadurch könne man auch schon viel gewinnen. Und mit Blick auf den Einzelhandel müssten die Bürger sich fragen lassen, wo und wie sie denn einkaufen würden.

Die öffentliche Fragerunde im Gymnasium, die mit vielen Diskussionen unter den Gästen auf der Straße endeten, war nur der Auftakt für weitere derartige Veranstaltungen, bei denen die drei Kandidaten für das Bürgermeisteramt öffentlich Stellung beziehen werden.

Einig waren sich hinterher in den Gesprächen viele, dass es den Favoriten oder die Favoritin in diesem Wahlkampf nicht gibt. Entscheidend für den Ausgang am 31. Mai wird sein, wie hoch wie Wahlbeteiligung ausfällt und welchem Kandidaten es besser gelingt, seine Anhängerschaft zu mobilisieren.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen