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Hagenower Kreisblatt

13. Dezember 2017 | 08:33 Uhr

Eigenes Schwein auf dem Teller

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Vom Ferkel bis zum schlachtreifen Mastschwein: drei Schweinezüchter aus der Archeregion bieten „Schweineleasing“ an

svz.de von
erstellt am 04.Sep.2014 | 13:51 Uhr

Brenda grunzt und legt sich auf die Seite und sofort kommt Bewegung in die muntere Schar ihrer Ferkel. In null Komma nichts hat der zehn Tage alte Nachwuchs der Bunten Bentheimer Sau eine der Zitzen gefunden und saugt, als ginge es um Leben oder Tod.


Ferkel werden erst nach acht Wochen abgesetzt


Die Ferkel bleiben für acht Wochen bei der Muttersau, dann werden sie abgesetzt. „Länger hält die Sau das auch nicht aus, die ist dann ziemlich erschöpft“, erklärt Sören Vogt beim Besuch im Stall. Er hält schon seit Jahren diese alte, vom Aussterben bedrohte Schweinerasse, zuerst nur für den Eigenbedarf, dann auch als besonderes Angebot in seinem Café Wiesenhof in Stiepelse.

Und nun kommt noch eine neue Idee hinzu. Ab sofort kann man eines der Ferkel „leasen“. Das Ferkel geht damit über in den Besitz desjenigen, der least. Der kauft es für 100 Euro und zahlt für „Kost und Logis“ 50 Euro im Monat, bis aus dem niedlichen Ferkel ein ansehnliches, schlachtreifes Schwein geworden ist, das dann auch geschlachtet und „verwurstet“ wird. Eine Art moderne Lohnmast sei das Angebot, so Angelika Hoffmann von der Archeregion. Noch zwei weitere Züchter machen mit: Ingo Rosenberg aus Groß Banratz mit seinen Husumer Protestschweinen und Jens Hübner aus Vockfey auch mit Bentheimern.

Das Angebot ist für Menschen, die gerne wissen wollen, was sie auf dem Teller haben , wie das Tier aufgewachsen ist, was es zu fressen bekommen hat, wie es geschlachtet wurde. Und da haben die drei Züchter die besten Referenzen, denn alle sind biozertifiziert, unterliegen also einer strengen Kontrolle. Und natürlich können sich die Besitzer der Schweinchen jederzeit davon überzeugen, wie es ihren Tier geht und es besuchen. Bei Sören Vogt gibt es keinen Spaltenboden, sondern Stroh und keine enge Halterung für die Sau, wie in der konventionellen Schweinemast. Die Tiere sind ab dem zeitigen Frühjahr bis zum Herbst auf der Weide und kommen dann erst in den Stall.

Wenn eine Sau ferkelt, kommt sie auch in den Stall. Etwa ein halbes Jahr benötigt ein Schwein in der konventionellen Mast zur Schlachtreife, der Transport zum Schlachthof ist meist lang und die Regeln (Tieranzahl, Wasserangebot) für den Transport werden oft nicht eingehalten, wie es erst gestern durch die Nachrichten ging. Die Ferkelchen von Brenda haben ein Jahr Zeit, in Ruhe heranzuwachsen. Auch eine Hausschlachtung ist möglich, wenn das Fleisch nur für den Eigenbedarf verwendet wird. Doch dann geht auch Brendas Nachwuchs den Weg aller Nutztiere, wird geschlachtet und landet als Fleisch auf dem Teller. Aber bis dahin war ihr Schweineleben wenigsten „saugeil“.

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