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Hagenower Kreisblatt

14. Dezember 2017 | 16:24 Uhr

Boizenburg : Ehrennadel für Flüchtlingsarbeit

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Die Stadt Boizenburg ehrte auf dem Neujahrsempfang die ehrenamtlichen Mitglieder der Willkommens-Initiative für ihre engagierte Hilfe

svz.de von
erstellt am 26.Jan.2017 | 21:00 Uhr

Die Stadtvertretung der Stadt Boizenburg kann natürliche Personen und Institutionen in Würdigung und Anerkennung ihrer Leistungen und Verdienste durch besondere Ehrungen öffentlich auszeichnen. Diese Auszeichnung kann erfolgen durch Verleihung des Ehrenbürgerrechts, die Verleihung der Ehrenmedaille oder auch der Ehrennadel. Durch einen Beschluss der Stadtvertretung am 8. Dezember 2016 wurde beim Neujahrsempfang der Boizenburger Willkommens-Initiative die Ehrennadel der Elbestadt verliehen.

Damit „verbinden wir die Würdigung für all die helfenden Hände, die versuchen, den Menschen aus Kriegs- und Krisengebieten den Start und den Alltag hier bei uns positiv zu gestalten, indem Sprachunterricht erteilt und Unterstützung gewährt wird bei der Freizeitgestaltung, der Kinderbetreuung oder dem Einkauf – um nur einiges zu nennen“, sagte Bürgervorsteherin Heidrun Dräger in ihrer Laudatio. „Integration gelingt nicht ohne Anleitung. Wer aus einer anderen Kultur kommt, muss mit unseren Gepflogenheiten vertraut gemacht werden. Nur so gewinnen die bei uns Ankommenden die notwendige Sicherheit, um den Alltag zu meistern“, hieß es weiter.

Unterstützung und praktische Hilfe im Alltag zu geben sei das Eine, aber im Moment sei die dringlichste Aufgabe der Willkommens-Initiative, Deutsch zu unterrichten und das mittlerweile fünf Mal pro Woche. Mit dabei seien stadtbekannte Boizenburger wie Dr. Uwe Wieben, Harro Lingnau und Sylvia Waschulewski, aber auch Lehrerin Steffi Schmolinsky mit ihren Schülern vom Elbe-Gymnasium. Dieses Angebot würden nicht nur Asylsuchende aus Syrien und Afghanistan wahrnehmen, sondern auch zugewanderte Neu-Boizenburger aus Polen, der Ukraine oder Rumänien, die hier in der Region Arbeit zumeist in der Lebensmittelindustrie gefunden haben oder auch Menschen aus Venezuela, Ghana und dem Libanon.
„Es braucht solche Menschen wie Sie, die zeigen, wie das Zusammenleben verschiedener Kulturen gelingen kann“, meinte Heidrun Dräger noch. „Damit ist nur ein Ausschnitt der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit repräsentiert, die Geehrten stehen somit für viele andere, die sich ebenso in unterschiedlichen Aufgabenbereichen einsetzen. Die Stadt Boizenburg verleiht den Helferinnen und Helfern die Ehrennadel für Ihr beispielhaftes Engagement zur Entwicklung einer wertschätzenden Begrüßungskultur, Ihre mitfühlende Sorge um Menschen in existenzieller Not und Ihren hoch zu achtenden Beitrag zum Gelingen gemeinschaftlichen Zusammenlebens einander fremder Kulturen. Sie stärken mit Ihrem Handeln die auf Humanität begründeten Werte unserer Gesellschaft.“

„Natürlich haben wir uns über die Ehrung sehr gefreut“, erklärte Ulli Quast als einer der aktivsten Vertreter der Willkommens-Initiative gegenüber der SVZ. „Vor allem auch darüber, dass Frau Dräger in ihrer Laudatio so ausführlich über uns berichtet hat. Aber wir sind hier nicht die Gutmenschen in Boizenburg“, betont Quast. Man müsse nicht der Initiative beitreten, um Gutes zu tun. Da gebe es zum Beispiel die Frau, die Strom und Wasser in Wohnungen abliest und der aufgefallen war, dass in der Wohnung einer syrischen Familie mit drei Kindern nur in einem Zimmer Licht brennt und dass es einen Wasserschaden gab. Die Frau nahm Kontakt zur Willkommens-Initiative auf, jetzt wird die Familie von einer AWO-Mitarbeiterin betreut.

„Wir haben das alles so nicht geplant, das hat sich so entwickelt“, so Quast zur inzwischen umfangreichen Arbeit der Gruppe. „Aber wir bekommen auch so viel von den Zuwanderern zurück. Für uns sind sie eine Bereicherung.“


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