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Zarrentin : „Ehrenamt braucht mehr Wertschätzung“

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Warum der Zarrentiner Uwe Pulss im Jahr mehrere tausend Kilometer auf seinem Tacho hat und was es mit der Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn auf sich hat

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erstellt am 27.Feb.2015 | 16:27 Uhr

Er ist durch und durch Feuerwehrmann, er lebt sei Ehrenamt sehr intensiv. Von sich selbst sagt der Zarrentiner Uwe Pulss (43), er sei „feuerwehrbekloppt“. Und in der Tat verlangt das Ehrenamt, das er als stellvertretender Kreiswehrführer im Großkreis Ludwigslust-Parchim ausfüllt, den ganzen Mann. Das gehe nur, wenn die Familie mitspiele und wenn im Beruf alles in Ordnung ist. 

Welchen Stellenwert das Ehrenamt in der Öffentlichkeit hat, bemerkte  Uwe Pulss in dem Augenblick, als er einen neuen Job suchte. Als nämlich seine ehemalige Firma im vergangenen Herbst  Insolvenz anmelden musste, wollte er sich  einen neuen Arbeitsplatz suchen, was sich in seiner Position als schwierig erwies. Denn er hatte Vorstellungsgespräche, bei denen es so aussah, als ob es klappen würde. In dem Moment, als die Gesprächspartner erfuhren, dass er zweiter Kreisbrandmeister ist,  war es vorbei mit der Gesprächsbereitschaft.

Aber es gibt Unternehmen und Geschäftsführer, die das Ehrenamt würdigen. Und so weiß Uwe Pulss, dass sein neuer Arbeitgeber, das Unternehmen Edeka Service und Logistik, ihn bei der Ausübung der Funktion des ersten stellvertretenden Kreisbrandmeisters unterstützt. Bei Edeka ist er Kraftfahrer, fährt Märkte an, um sie mit Waren zu beliefern. Seine Heimatfeuerwehr ist Zarrentin. Seit 1987 gehört er der Feuerwehr an, war Gruppenführer und  dann Amtswehrführer. Er ist verheiratet, in seiner Familie leben vier Kinder. Dieter Hirschmann vom Hagenower Kreisblatt stellte ihm die beliebten Fragen zum Wochenende.

Wie lautet Ihr Lebensmotto?
 Heute fertig machen, und morgen vorbereiten.

Wo ist Ihr Lieblingsplatz?
Am Sonntagnachmittag mit meiner Frau und den Kindern am Schaalsee, gern auch mit einem Fischbrötchen in der Hand bei der Fischerei.  Hier in der Region ist es so schön, hier bekommt mich keiner mehr weg.

Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
Mein erstes Geld verdiente ich mit dem Sammeln von Altstoffen. Als ich dann etwas älter war, fuhr ich in der Landwirtschaft Trecker. Das war in Niegleve, zwischen Teterow und Güstrow.

Und wofür haben Sie es ausgegeben?
 Mit Sicherheit für Angelsachen. Bei mir zu Hause waren sieben Seen um das Dorf, ich konnte jeden Tag in der Woche an einen anderen See angeln gehen.

Wo findet man Sie am ehesten?
Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder auf Arbeit oder im Einsatz für die Feuerwehr.  Wenn ich für den Kreisfeuerwehrverband unterwegs bin, kommen schon einige tausend Kilometer zusammen.

Was stört Sie an anderen?   
Dass Leute immer gleich rumnörgeln müssen, bevor sie überhaupt wissen, worum es eigentlich geht.

Wer ist Ihr persönlicher Held?
Mein persönlicher Held ist ganz klar meine Frau Andrea. Das was sie macht, ist für mich heldenhaft. Sie hat zwei Jobs, sie schmeißt den Haushalt, kümmert sich um die Kinder und sie hält mir obendrein den Rücken frei, damit ich mein Ehrenamt ausführen kann. Für mich sind überhaupt alle Partner von Ehrenamtlern Helden, weil sie sich so für die Allgemeinheit einsetzen.

Was würden Sie gerne noch können?
Ich würde gerne in einem Land leben können, in dem man sich nicht rechtfertigen muss, Mitglied einer Feuerwehr zu sein. Viele Kameraden, die nachts um zwei bis um vier zum Einsatz sind, stehen trotzdem morgens in ihrer Firma, obwohl sie es eigentlich gar nicht dürften, weil sie ja keine Schwierigkeiten bekommen wollen.

Was bedeutet Ihnen persönlich Glück?
Persönliches Glück ist für mich, wenn unsere Familien und unsere besten Freunde gesund bleiben, und das unsere älteste Tochter Denise im Beruf ihren eigenen Weg gefunden hat.

Wen würden Sie gerne mal treffen?
Andrea Berg, weil ich ihre Musik mag. Es wäre schön, sie einmal zu treffen.

Was findet man immer in Ihrem Kühlschrank?
Das, was meine Frau eingekauft hat. Fehlen dürfen nicht Milch, Wurst und Eier.

Welches Buch lesen Sie gerade?
Aufgrund der wenigen Freizeit habe ich wenig Zeit zum Lesen eines Buches. Meine Literatur ist das Brandschutzgesetz und die Feuerwehr-Dienstvorschrift, weil ich immer gern richtige Antworten geben will, die auftreten.

Wenn Sie kochen oder essen gehen, welche Küche bevorzugen Sie?
Ich bevorzuge ganz klar die Küche meiner Frau, weil sie einfach sehr gut Mecklenburger Küche kocht.

Worauf könnten Sie niemals verzichten?
Auf meine Familie.

Welchen Traum wollen Sie sich noch erfüllen?
Einmal zusammen mit meiner Frau mit der Transsibirischen Eisenbahn fahren.

Können Sie sich mit nur einem Wort beschreiben?
„Feuerwehrbekloppt.“

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten?
Ich habe leider keine drei Wünsche frei, ich lebe in der Realität, man muss sich alles hart erarbeiten. Und  ich wünsche mir ehrliche Politiker.

Wem sollten wir diese Fragen ebenfalls stellen?
Dem Amtswehrführer des Amtes Hagenow Land Heinz-Egon Möller. Er ist ein Super-Feuerwehrmann und ein ganz, ganz ehrlicher Mensch.

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