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Koi-Zucht Goldenitz : Edle Kois aus dem Schlosskeller

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Der 43-jährige Jan Luis hat nicht nur das Goldenitzer Schloss saniert, er startet von hier aus auch eine groß angelegte Koi-Zucht

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erstellt am 11.Apr.2017 | 20:55 Uhr

Es ist ein Märchenschloss, wie es sich Walt Disney kaum besser hätte ausdenken können. Und obwohl Goldenitz direkt an der Bundesstraße 5 liegt, ist der einstige Herrensitz durch schützenden Pflanzenbewuchs kaum zu entdecken. Jetzt hat Goldenitz die Chance, bundesweit berühmt und zu einer Marke zu werden. Zumindest unter den Tausenden Anhängern der possierlichen Koi-Karpfen. Denn Schlossherr Jan Luis hat inzwischen mit seiner Frau Sonja und einigen Mitstreitern in den weitläufigen Kelleranlagen eine groß angelegte Zucht der edlen Tiere aufgezogen.

„Dorfstraße 43“  steht draußen groß dran an der Werbetafel. Die kleinen Kois tummeln sich derweil in etlichen Swimmingpools aus Plaste, die Luis in Aufzuchtbecken umfunktioniert hat. Überall plätschert Wasser, laufen Pumpen, herrscht Bewegung, und angenehm warm ist es auch. Die Tiere mögen es kuschelig. „Ich mache hier eine neue Firma auf, die Goldenitz in den Mittelpunkt stellt. Über unsere Plattform im Internet verkaufen wir die  Kois jetzt schon bundesweit. Und wir garantieren, dass der Kunde sein Tier am nächsten Tag per Express bekommt“, wirft der 43-jährige Randhamburger die Werbetrommel an.

Er weiß, wie so etwas geht, schließlich hat er jahrelang sein Geld mit Rückfahrkameras für Autos gemacht. „Wir haben da auch ganz klein angefangen, am Ende  haben wir alle großen Autofirmen beliefert.“ Inzwischen hat der Neu-Goldenitzer seine Anteile verkauft und startet nun von dem kleinen Ortsteil der Gemeinde Warlitz aus entspannt in die Welt der Kois und Teiche.

Geplant war das nicht, als er 2013 das damals ziemlich heruntergekommene Schloß von einem Insolvenzverwalter kaufte.  Eigentlich handelt es sich um ein optisch „aufgepumptes“ Herrenhaus, doch die Familie Luis verliebte sich schnell in das Objekt mit seinen vielen Ecken und Kanten.

Laut Wikipedia handelt es sich beim Goldenitzer Schloss um ein Gutshaus,  das um 1860 über unregelmäßigem Grundriss im Tudorstil errichtet wurde und ein  zweigeschossiger Putzbau ist . Vor dem Eingang befindet sich eine zweiläufige Freitreppe sowie eine Terrasse.

Eigentlich wollte der Unternehmer es liebevoll sanieren und dann verkaufen. Beim liebevollen und aufwändigen Sanieren ist es geblieben, das mit dem Verkaufen wurde nichts. Über die Summe schweigt er sich aus, sie dürfte im siebenstelligen Bereich liegen. Statt zu verkaufen, zog er mit seiner Frau Sonja und den fast erwachsenen Kindern selbst ein. Doch bei gut 1300 Quadratmetern Gesamtfläche im Haus kann die Familie nur einen Teil selbst nutzen. Das Erdgeschoss mit hohen weißen und großzügigen Räumen soll die Heimstatt der neuen Firma werden.

 Alles rund um den Teich und Kois soll es geben, vom Futter bis zur Teichkamera. Und hier schließt sich der Kreis für den zugezogenen Mecklenburger. Denn diese Kamera hat er mit seiner alten Firma entwickelt. „Wer Kois hat, der will auch sehen, was die im Teich so machen“, weiß der begeisterte Aquarist. Und so ist die Kamera nicht nur wasserdicht sondern auch noch fernbedienbar, kann Licht in den Teich bringen. Und wer will, der kann per App auf dem Handy sehen, was seine Tiere im Teich so treiben. „Goldenitz“ steht groß auf dem einige Hundert Euro teuren Gerät.

Das soll alles erst der Anfang sein, wenn es nach dem Tüftler geht. Zusammen mit anderen hat er leistungsfähige Solarleuchten für den Park gebaut und entworfen, es gibt normale Überwachungskameras für Häuser, die mit Solarlicht auskommen und sich mit dem Internet im Haus verbinden und natürlich per Handy abrufbar sind. Und überall steht Goldenitz drauf, der Ortsteil der seit 1965 zur Warlitz gehört aber immer noch großen Wert auf seine Eigenständigkeit legt. Bürgermeister Peter Holm betrachtet die Entwicklung, die in und rund um das Schloss stattfindet, mit Wohlwollen. „Wir hatten ja zuvor einiges durch mit dem Haus. Was da nicht alles werden sollte, bis hin zu einem Vergnügungspark sollte es gehen. Was Herr Luis da jetzt gemacht hat, das spricht für Solidität, hat Hand und Fuß und es macht unseren Ort bekannter“, lobte der ehrenamtliche Bürgermeister gestern im SVZ-Gespräch.

So fünf bis zehn Arbeitsplätze könnten es in Zukunft werden, schätzt und hofft Firmengründer Jan Luis, der vor allem auf  die Internetplattform setzt.  „Wir haben  den Umzug nach Mecklenburg nie bereut, die Leute sind wirklich nett hier“, bestätigte auch Sonja Luis. Sie liebe das Unkomplizierte an den Menschen hier. Ihr Mann schätzt das Entspannte. „Hamburg ist so hektisch, das merke ich erst jetzt. Und hier zählt noch das Zusammengehörigkeitsgefühl. Uns wurde mal ein Rasentraktor gestohlen. Wenig später haben uns die Nachbarn gesagt, wo er im Wald steht. Das hätte in Hamburg niemand getan.“

Koi-Karpfen gibt es in Goldenitz übrigens nicht nur in den Pools in den Kellergewölben. Einige Exemplare sind auch im großen Teich vor dem Schloss heimisch geworden und lassen sich wie gelehrige Haustiere auch gern vom Ufer aus füttern. Mecklenburger Idylle eben.

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