Abbau von 200 Stellen ANGEKÜNDIGT : Edeka setzt auf Automatik im Lager

Vom Logistikzentrum in Valluhn/Gallin werden täglich 400 Edeka-Läden beliefert.
Vom Logistikzentrum in Valluhn/Gallin werden täglich 400 Edeka-Läden beliefert.

Im Zentrallager in Valluhn erstmals vollautomatische Warenverteilung / Anteil der Leiharbeiter im Fleischwerk noch einmal erhöht

svz.de von
26. Juli 2014, 08:15 Uhr

Im größten Logistikzentrum des Lebensmittelhändlers Edeka Nord in Valluhn im Landkreis Ludwigslust-Parchim hat Anfang Juli in einem ersten Lagerteil erstmals die vollautomatische Warenverteilung begonnen. Nach Erweiterungsinvestitionen von insgesamt 65 Millionen Euro sollen bis 2015 beide Abschnitte voll in Betrieb gehen, kündigte Edeka-Chef Martin Steinmetz an. In einem ersten Bereich habe jetzt der Hochlauf begonnen - bis Oktober werde der Teil „unter Volllast“ fahren. Man habe in Technik und Automatisierung investiert, um angesichts der auch in Mecklenburg-Vorpommern immer weniger zur Verfügung stehenden Fachkräfte die „Abhängigkeit von Mitarbeitern zu verringern“. Die demografische Entwicklung sei bereits spürbar – „der Teich ist leergefischt.“

Die neue Unternehmensstrategie bekommt vorerst allerdings die Belegschaft zu spüren. Mit Investitionsbeginn hatte Edeka einen Abbau von insgesamt 200 Stellen angekündigt. Die fallen „auf Sicht weg“, kündigte Steinmetz an. Für die Kollegen sei ein Sozialplan vereinbart worden. Inzwischen seien die ersten 91 Stellen gestrichen worden – 31 befristete Arbeitsverträge seien nicht verlängert worden, 60 Mitarbeiter hätten sich von sich aus einen neuen Job gesucht. Zwar habe man die betroffenen Mitarbeiter bei der Jobsuche unterstützt. Es sei allerdings nicht gelungen, den Edeka-Mitarbeitern in Unternehmen in der Nachbarschaft Stellen zu vermitteln. Von den Anfang September etwa 660 Mitarbeitern hätten 110 befristete Verträge, die mit der vollständigen Inbetriebnahme des vollautomatischen Zentrallagers im kommenden Jahr nicht weiter verlängert würden, erklärte Steinmetz.

Damit reduziert Edeka erstmals in der Unternehmensgeschichte in Valluhn die Belegschaft. Der Lebensmittelhändler hatte im Großgewerbegebiet an der Landesgrenze mit dem Logistikzentrum und dem Fleischwerk den Standort in Mecklenburg-Vorpommern zu einem der größten in der Unternehmensgruppe entwickelt - mit insgesamt mehr als 1000 Beschäftigten. Von Valluhn aus werden insgesamt 750 Geschäfte mit neuer Ware versorgt – von Mecklenburg-Vorpommern bis Hamburg, Schleswig-Holstein bis Niedersachsen, mit insgesamt 16 000 verschiedenen Artikeln.

Allerdings setzt Deutschlands größter Einzelhändler immer weniger auf die Stammbelegschaft und holt dafür immer öfter Leiharbeiter und Werkvertragsarbeitnehmer ins Werk – sowohl ins Zentrallager als auch ins Fleischwerk. Nach Unternehmensangaben sind derzeit allein im Zentrallager 200 Leiharbeiter beschäftigt. Es gebe bei der Einrichtung der vollautomatischen Produktion einen „deutlich höheren Arbeitskräftebedarf“, begründete Edeka-Chef Steinmetz. Damit müssten Arbeitsspitzen abgefangen werden, wenn Teile der Stammbelegschaft beispielsweise für den Betrieb der neuen Anlage qualifiziert würden. Der hohe Anteil sei mit dem Betriebsrat abgestimmt. Ansonsten gelte ein Haustarif, der nur einen Anteil von 12,5 Prozent zulasse. In den vergangenen Monaten seien allerdings auch einzelne Leiharbeiter mit unbefristeten Verträgen übernommen worden.

Kritischer ist indes die Lage im Edeka-Fleischwerk. Dort hat sich der Anteil von Leiharbeitern und Werkvertragsarbeitnehmern auf einen neuen Höchststand entwickelt. Von den 394 Mitarbeitern Anfang Juli seien 116 über Leihverträge angestellt, 67 über Werkverträge, teilte Steinmetz mit - in der Zerlegung, Reinigung und der Füllerei. In der Grillsaison gebe es einen „steilen“ Auftragsanstieg, der mit eigenen Mitarbeitern nicht erledigt werden könne. Damit hat sich der Anteil der externen Mitarbeiter im Fleischwerk gegenüber dem Vorjahr noch einmal erhöht. Vor einem Jahr waren nach Unternehmensangaben 51 Werkvertragsarbeitnehmer und in der Saison bis zu 80 Leiharbeiter eingestellt worden. Über Vereinbarungen mit den Werkvertrags- und Leiharbeitsfirmen sei eine „ordentliche Entlohnung“ nach Tarif sichergestellt, sicherte Steinmetz zu.

Mit dem hohen Leiharbeiteranteil stößt Edeka bei Gewerkschaften und in der Belegschaft auf massive Kritik. Mitarbeiter im Zentrallager berichten davon, dass inzwischen in einigen Bereichen 40 Prozent der Belegschaft nur leihweise im Unternehmen angestellt sei. Die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten hält einen Anteil von zehn Prozent Leiharbeitern in der Saison für gerechtfertigt. Die Situation in Deutschlands Schlachthäusern sieht indes anders aus: Einer repräsentativen Umfrage unter Betriebsräten im vergangenen Jahr zufolge arbeiteten nur noch 20 Prozent der Belegschaft in einem Normalarbeitsverhältnis. Dagegen 75 Prozent mit Werkverträgen und fünf Prozent als Leiharbeiter, berichtete die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung.

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