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Hagenower Kreisblatt

22. November 2017 | 14:05 Uhr

Edeka investiert und streicht 200 Jobs

vom

svz.de von
erstellt am 19.Apr.2012 | 09:31 Uhr

Valluhn/Neumünster | Bei der Edeka-Nord stehen im Logistikbereich die Zeichen mittelfristig auf einen deutlichen Arbeitsplatzabbau. Das Zentrallager der Gruppe im Megapark soll möglichst schon ab diesem Jahr umfassend modernisiert und umgebaut werden. Durch die Automatisierung sehr vieler Arbeitsabläufe im Bereich des Trockensortimentes werden am Ende des Umbaus etwa 200 der bisher 750 Arbeitsplätze an dem Standort abgebaut. Geplant sind Investitionen von insgesamt 65 Millionen Euro. Der Umbau soll möglichst noch in diesem Jahr beginnen und voraussichtlich Mitte 2015 abgeschlossen sein.

Das alles bestätigte Geschäftsführer Martin Steinmetz gestern im Gespräch mit der Schweriner Volkszeitung auf der Edeka-Messe, die in den Holsten-Hallen in Neumünster stattfand. Edeka-Nord beschäftigt zusammen mit den Angestellten des Fleischwerkes im Megapark Valluhn/Gallin etwa 1100 Menschen.

Die Umbaupläne der Edeka hatten in der Belegschaft schon seit Wochen und Monaten zu Gerüchten und erheblicher Unruhe geführt. Am vergangenen Dienstag gab es dann endlich Klarheit auf einer Betriebsversammlung, auf der nach Berichten mehr als 400 Mitarbeiter teilnahmen. "Es war uns wichtig, dass die Kollegen das rechtzeitig erfahren", sagte gestern Jürgen Weiser, Betriebsratsvorsitzender im Unternehmen, auf mehrfache Nachfrage unserer Redaktion. Nun würden die Kollegen wenigstens Planungssicherheit haben und könnten für sich weitere Entscheidungen für die berufliche Zukunft treffen. Ein Anwalt hatte dem Ganzen Nachdruck verliehen, sodass auf einer Betriebsversammlung offiziell etwas von Seiten der Geschäftsführung zur geplanten Betriebsänderung gesagt wurde.

Steinmetz: "Wir konnten nicht früher informieren, weil es die nötigen Beschlüsse unserer Gremien noch nicht gab. Wir wissen, dass es seit einem Jahr in Belegschaft geköchelt hat." Auf die Mitarbeiter im Zentrallager, derzeit sind es 750, wird die Geschäftsleitung nämlich noch besonders angewiesen sein, weil die umfassende Modernisierung der Lagers bei laufendem Betrieb erfolgen muss. Die Bereiche Tiefkühl und Frische bleiben unberührt, dafür wird beim so genannten Trockensortiment massiv erweitert und möglichst automatisiert. Das betrifft sowohl die Lagerung als auch die Komissionierung der Ware. Von Zarrentin aus werden derzeit täglich 400 Läden in ganz Norddeutschland direkt beliefert. Weitere 400 Edeka-Läden bekommen wenigstens Teile des Sortimentes aus dem Zarrentiner Lager. Das hatte die Edeka erst 2007/2008 aus der Marktkauf-Gruppe heraus übernommen. Begonnen wurde damals mit 230 Beschäftigten. Deren Zahl stieg dann sehr schnell auf 750.

Geschäftsführer Steinmetz: "Es gibt wichtige Gründe für das, was wir jetzt vorhaben. Die Einsparung von Mitarbeitern ist dabei nur ein Aspekt, und der steht nicht unbedingt im Vordergrund." Vielmehr gehe es um die Behauptung der Marktposition in dem hart umkämpften Lebensmittelbereich. "Wir sind trotz der umfangreichen Erweiterungen der vergangenen Jahre in Zarrentin schon wieder am Ende des Möglichen. Dabei erwarten wir für die kommenden Jahre sowohl bei den Mengen ein deutliches Wachstum als auch bei der Zahl der Artikel, die wir auf Lager haben werden. Als Vollsortimenter müssen wir dabei ganz besonders auf unsere Wettbewerbsfähigkeit achten. Somit wäre es mit einer einfachen Erweiterung des Lagers auch nicht getan gewesen."

Bisher hat die Edeka 13 500 Artikel vorrätig und liefert sich auf Bestellung der Läden aus. Die Tendenz gehe aber in Richtung 17 000 Artikel und mehr. Dafür sei im Lager schlicht kein Platz.

Die Lösung des Problems sieht man in der weitgehenden Automatisierung mit hochmodernen Systemen. In der Folge wird die bisher sehr harte körperliche Arbeit für die Kommissionierer deutlich leichter, dafür werden zugleich auch erheblich weniger Arbeitsplätze benötigt. Die Edeka-Geschäftsführung will den aus ihrer Sicht unumgänglichen Abbau so verträglich wie möglich gestalten. Man werde, so Steinmetz, den Betroffenen soweit man es könne helfen. Gedacht ist auch an eine Art Sozialplan, obwohl der formal gar nicht nötig ist. Denn von den 750 Beschäftigten haben nach SVZ-Informationen gut 270 nur einen befristeten Arbeitsvertrag. Dabei dachten laut Betriebsrat viele Mitarbeiter, dass ihre Verträge jetzt, nach 24 Monaten, entfristet werden. Dafür müssen sie nun wieder mit einer weiteren Befristung rechnen. Betriebsratschef Weiser: "Auf diese Entscheidung können wir nun keinen Einfluss mehr nehmen. Aber wir werden die betroffenen Mitarbeiter so gut es geht begleiten und tun was wir können." Die Rede ist von Sozialplan und Interessenausgleich.

Die Automatisierung hat aber noch einen anderen Hintergrund. Die Edeka geht nach ihren jüngsten Erfahrungen davon aus, dass es in Westmecklenburg immer schwerer werde geeignete Arbeitskräfte zu finden. Das sei schon jetzt zu spüren, zumal es in der Region jede Menge Ansiedlungen gäbe und überall Arbeitskräfte gesucht würden. So biete man dann langfristig etwa 550 krisensichere und dauerhafte Arbeitsplätze im Zarrentiner Lager.

Derzeit wird der Bauantrag vorbereitet, mit den Arbeiten direkt neben dem jetzigen Verwaltungstrakt soll noch im Herbst begonnen werden, allein das Gebäude für das geplante Palettenlager soll 30 Meter hoch werden.

Ungeachtet der geplanten Personaleinsparungen bleibt die Edeka-Nord einer der wichtigsten Arbeitgeber. Die Gesellschaft betreibt noch weitere Lager in Malchow (300 Beschäftigte) und in Neumünster (400). Dort befindet sich auch die Zentrale der Gruppe, zu der insgesamt 5800 Beschäftigte gehören.

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