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Uhrmacher aus Wittenburg : „Echt, ich liebe die Sommerzeit“

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Erste Umstellung 2017: Uhren werden am Wochenende von um 2 Uhr auf 3 Uhr vorgestellt. Uhrmacher Uwe Krohn begrüßt die Aktion

von
erstellt am 24.Mär.2017 | 12:00 Uhr

Jetzt heißt es bei den Langschläfern unter uns, besonders tapfer sein: Denn wir verlieren am kommenden Sonntag, dem 26. März, eine ganze Stunde Schlaf. Die Uhren werden um 2 Uhr auf 3 Uhr vorgestellt.

„Aber dafür ist es am Abend auch wieder eine Stunde länger hell“, freut sich Uwe Krohn aus Wittenburg. Der 48-Jährige begrüßt ausdrücklich die Sommerzeit. Man könne dann nämlich mehr unternehmen, als nur abends die Kerzen anzuzünden. „Vielleicht gehöre ich ja zu einem verschwindend geringen Teil der Bevölkerung, der die Zeitumstellung gut findet, aber ich stehe dazu. Echt, ich liebe die Sommerzeit“, betont der seit 1987 als Uhrmacher Tätige im SVZ-Gespräch. Da scheint er recht zu haben, denn 73 Prozent aller Deutschen lehnen mittlerweile das allhalbjährliche Umstellen der Zeit ab. Das soll jedenfalls eine repräsentative Umfrage der DAK Gesund ergeben haben. Damit wächst der Widerstand, denn noch vor vier Jahren waren es rund vier Prozent weniger. Früher aus den Federn und später ins Bett, Mediziner sind der Auffassung, das komme einem kleinen Jetlag nahe. Bei vielen wirke sich das vermeintlich unbedeutende Drehen an der Uhr spürbar auf Gesundheit und Wohlbefinden aus.

Diplommediziner Detlef Klimpel aus Wittenburg kann das nur bestätigen. „Unsere innere Uhr ist eine sensible Einrichtung, die sehr feinfühlig ist und schnell aus dem Tritt kommt. Es gibt etliche Patienten, bei denen der Lebensrhythmus kurzzeitig etwas durcheinander kommt.“ Er selber begrüße die Sommerzeit, denn dadurch seien die Tage nach hinten heraus länger hell, es gäbe mehr Sonne zu genießen, so der 59-Jährige auf Nachfrage unserer Redaktion. „Wenn man mal später aus der Praxis kommt, hat man immer noch die Möglichkeit, der ein oder anderen Freizeitaktivität nachzugehen.“

Uhrmacher Uwe Krohn hat sich schlau gemacht. Sein Rückblick: Erstmals habe es im Deutschen Reich während des Ersten Weltkrieges in den Jahren 1916 bis 1918 eine Umstellung auf Sommerzeit gegeben. In der Weimarer Republik sei sie verworfen und von den Nationalsozialisten 1940 bis 1945 wieder eingeführt worden. In den Nachkriegsjahren sei es wegen einer Zeitdifferenz zu Russland von zwei Stunden zu einem regelrechten Zeitchaos gekommen, da bis 1949 die Siegermächte bestimmten, wie spät es sei. Seit 1980 würden die Uhren am letzten März-Wochenende von der mitteleuropäischen Zeit auf Sommerzeit umgestellt. Wegen angeblicher Energieeinsparungen.

„Wie man sieht, ist das mit der Zeit gar nicht so leicht“, schmunzelt Krohn, der im Umkreis von bis zu 50 Kilometern auch als Experte für Wand- und Standuhren gilt. Besonders Regulatoren seien weit verbreitet und trotz modernster Funktechnik immer noch sehr beliebt. „Es sind oft Erbstücke, die liebevoll gepflegt und bewahrt werden“, weiß der Uhrmacher, der selbst schon aus Amerika ein Dankesschreiben erhalten hat. „Mir wurde eine über 100 Jahre alte Zylinder-Taschenuhr vorbeigebracht, die in den USA niemand reparieren konnte oder wollte. Es war etwas kompliziert, aber mir ist es gelungen, sie wieder gangbar zu machen. Dieser Tage habe ich eine E-mail des glücklichen Besitzers bekommen, in der das deutsche Uhrenhandwerk in allerhöchsten Tönen gelobt und gepriesen wird. Das hat mich sehr stolz gemacht“, erzählt der gebürtige Wittenburger, der schon seit Kindesbeinen der filigranen wie faszinierenden Mechanik großer und kleiner Zeitmesser hoffnungslos erlegen und von ihnen auch ein bisschen besessen sei.

Sommerzeit 2017: Eine Stunde weniger schlafen

Dieses Datum müssen Sie sich merken: Am kommenden Sonntag, 26. März 2017, werden die Uhren um 2 Uhr eine Stunde auf 3 Uhr vorgestellt. Mit der Hand. Wissenschaftler der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig übermitteln für Funkuhren ein entsprechendes Signal. Die Bundesanstalt sorgt dafür, dass sich auch die Uhren bei Bahn, Polizei und Feuerwehr auf die Millionstel Sekunde genau anpassen. Entsprechende Zeitsignale gehen zudem an die Steuertechnik von Kraft- und Umspannwerken, Anlagen der Flugsicherung und rund 50 000 Verkehrsampeln.

 Auch bei Smartphones - egal ob iPhone, Android-Gerät oder Windows-Phone - ist die Umstellung von Winterzeit auf Sommerzeit automatisiert. Wichtig: Damit die Zeitumstellung automatisch erfolgt, muss man selbstverständlich die entsprechende Funktion im Smartphone aktivieren.

 

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