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Brömsenberg : Dudelsäcke mit persönlicher Note

vom
Aus der Redaktion des Hagenower Kreisblatt

Philipp Gerhardt spielt nicht nur sieben verschiedene Sackpfeifen, er baut sie auch selbst in seiner Werkstatt in der alten Wassermühle

von
erstellt am 10.Apr.2016 | 21:00 Uhr

So ganz zufrieden ist Philipp Gerhardt noch nicht. Mit der Feile geht er noch einmal an das dünne Metallteil – eine Stopperklappe für seinen selbst gebauten Dudelsack. „Ich bin gerade am experimentieren“, erzählt der Instrumentenbauer. Sein Hümmelchen, eine mitteleuropäische kleine Sackpfeife,  soll aufgewertet werden. „Mit der Stopperklappe kann ich   Pausen spielen“, so der Musiker. Normalerweise dudelt der Sack immer. „Jetzt kann ich viel gezielter einsetzen.“

Philipp Gerhard baut Holzblasinstrumente. In seiner Werkstatt in der alten Wassermühle in Brömsenberg schmiedet, dreht und drechselt er alle Teile selbst. Hauptsächlich  verwendet er einheimische Hölzer wie Birne, Elsbeere oder Ahorn. Teils werden aber auch Tropenhölzer verwendet aus FSC-zertifizierten Quellen. „Ich würde es lieber ganz weglassen, aber es lässt sich toll verarbeiten“, so der Brömsenberger. Passungen und Rohrblattträger dreht er aus Polyacetal.  Den Verbrauch künstlicher Materialien versuche er aber generell so gering wie möglich zu halten, seine   Werkstatt betreibe er zudem mit regenerativen Energien. Der Sack seiner Instrumente besteht aus Rohleder vom Rind. Noch bestellt der Instrumentenbauer das Leder über einen Großhandel. „Ich kann mir aber vorstellen, langfristig ausschließlich regionale Hölzer und Materialien einzusetzen.“

Gelernt hat Philipp Gerhardt das Handwerk nicht. Er sei Autodidakt, wie er sich selbst bezeichnet. „Ich habe früher Irish Folk gespielt“, erinnert er sich an seine Anfänge. „Und irgendwann habe ich dann angefangen, eigene   Rohrblätter zu bauen.“ Seine Stücke wurden teilweise von professionellen Musikern verwendet. „Freunde meinten dann zu mir, wenn du die Rohrblätter schon bauen kannst, dann kannst du auch Dudelsäcke bauen. Und von Holz war ich auch schon immer fasziniert“, so der studierte Forstwirt. So entstand sein Hobby, Holzblasinstrumente zu bauen. „Ich wollte die Instrumente nicht nur bauen und spielen, sondern sie auch verstehen und weiterentwickeln.“ Und so optimiert der junge Instrumentenbauer seine Dudelsäcke und erschafft einzigartige Sackpfeifen, die kein zweiter baut.

Von Dudelsäcken war der gebürtige Berliner schon immer begeistert. „Als Vierjähriger habe ich eine Militärparade von Schotten gesehen und wollte von da an Dudelsack spielen.“ Doch damals einen Lehrer zu organisieren, war gar nicht so einfach. Als 20-Jähriger erlernt Gehardt dann das Spielen des Instruments. Heute beherrscht er es, auf  sieben verschiedenen Dudelsäcken zu musizieren.

Als Duo Gerhardt und Walters spielt der Brömsenberger mit seinem Mitbewohner   Barnaby Walters auf den selbst  gebauten Instrumenten hauptsächlich traditionelle Tanzmusik aus Mitteleuropa. „Barnaby stellt seine Drehleiern auch selbst her“, so der Musiker. Ihre Musik soll weltoffen sein und Spaß bringen. „Und dafür bauen wir auch unsere Instrumente.“

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